Börse? Wir üben noch!

10. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Fast zehn Prozent Minus in einer Woche beim DAX… Um eine Armlänge hat der DAX die 10.000er Punktemarke unterschritten. Dabei sollte er jetzt doch schon bei mindestens 11.000 Punkten stehen, so Experten. Autsch!

Die Expertenschaft hatte viel zu tun. Sie passte im Minutentakt ihre Meinungen in Rekordzeit an die wackeligeren Kursständen auf den Börsentafeln an. Keine Sorge! Für dieses Jahr sehen sie 11.900 Punkte, wenn sie von der Realität nicht eingeholt werden. Dem DAX dürfte das schnuppe sein, was man von ihm erwartet. Die Erwartungen zum Jahresanfang sind meist Überraschungen oder Enttäuschungen am Jahresende.

Das Börsenbeben, ausgehend von China, vernichtete weltweit drei Billionen Euro Börsenwert. Dieser kam aus dem Nichts und verschwand dorthin wieder. Die Preise für Gold, und deutsche Staatsanleihen sind gestiegen und auch die Umsätze von Pfefferspray um 700 Prozent, wurde gemeldet.

Wenige Sekunden nach dem Handelsstart am Montag rief man auf dem Parkett: „Wo bleibt Draghi?“ Schließlich hat doch die EZB den DAX im letzten Jahr mit seiner Geldpolitik in die Luft gesprengt.

Ich habe da angerufen. Niemand nahm ab. Die wollen doch immer zum Jagen getragen werden. Nur einer nicht: Nur Peter Praet, Chefvolkswirt der EZB sagte ein paar Stunden später und öffentlich: „Wenn man genügend Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer.“

Da praete mir doch jemand einen Storch!

Dann hätte die EZB die bislang 491 Milliarden Euro aus Hubschaubern breitflächig abwerfen sollen, statt dafür den Banken ihre Anleihen abzukaufen. DAS würde schnell helfen und dem Autor dieser Zeilen das Gejammere über die ach so niedrige Inflation bzw. Geldwertstabilität ersparen. Kann ja noch kommen.

„Gelddrucken“ aus dem Mund eines Notenbankers ist das schon ein Novum. Praet erklärte zudem, dass die EZB einen Plan habe, aber keinen „Plan B“ – ausgerechnet im belgischen Wochenmagazin „Knack“.

Also hatte der DAX in vier Handelstagen zeitweise sämtliche Vorjahresgewinne ausgelöscht. Diesmal war in China kein Sack Reis umgefallen, sondern erst einmal die Börse. Die Wirtschaft kommt später hinterher, befürchtet man. Und dann auch wir. Ein Herr Soros wittert eine Finanzkrise wie im Jahr 2008.

Das mit China wäre ja gar nicht passiert, wenn man wie beim Wetter die Börsenkurse „gefühlt“ anzeigen würde. Die Statistik sagt aber, so wie die ersten fünf Handelstage verlaufen, bestimmen sie den Trend fürs Jahr. Na dann Prost und auch Mahlzeit!

Man hätte das frische Jahr ganz einfach abbrechen sollen – wie China den Börsenhandel nach zwei veritablen Kursstürzen von sieben Prozent. Am Donnerstag schloss das Casino schon nach 28 Minuten. Das war der wahrscheinlich kürzeste Handelstag überhaupt. Erst das Aus für den kürzlich eingeführten „Aus-Knopf“ sorgte für etwas Erholung, naja, ein paar Stunden, die dann wieder verpuffen wollte. 2016 kann ruppig werden, wenn es das nicht schon ist.

Vielleicht sollte man sich in diesem Börsenjahr besonders nicht ständig von den vielen daueroptimistischen Finanzmarktverbalexperten antanzen lassen – und immer eine Armlänge Abstand zum DAX halten.
Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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3 Kommentare auf "Börse? Wir üben noch!"

  1. Stoecker sagt:

    Immer einen Reker Abstand zum DAX !
    Wie auch : 100 Reker Lauf ( neue olymp. Disziplin)

  2. Sebastian sagt:

    Musste wieder einmal herzhaft lachen. :))

  3. Bernd sagt:

    Klasse die Sache mit dem Antanzen ………..

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