(Blut) Schweiß und Tränen…

6. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

…so steht es in den Zeitungen, nachdem die böllernden Neujahrsansprachen in den Archiven verschwunden sind. Jetzt sprechen die Unternehmenschefs Tacheles. Es wird „Schweiß und Tränen“ geben, sagt BASF-Chef Jürgen Hambrecht in der Bild-Zeitung…

Eigentlich heißt es ja „Blut, Schweiß und Tränen. Die „Blut, Schweiß und Tränen“-Rede (Blood, Sweat and Tears) ist der Begriff einer kurzen Ansprache des britische Politikers Winston Churchill am 13. Mai 1940 während des Zweiten Weltkrieges vor dem britischen Unterhaus. Es war die erste Ansprache die Churchill nach seinem Amtsantritt als Premierminister von Großbritannien am 10. Mai 1940 vor dem Unterhaus hielt.

Tränen hatte ich schon. Viele. Ich habe Zwiebeln geschnitten. Seit etlichen Monaten koche ich nämlich wieder zu Hause. Es macht einfach keinen Spaß mehr, umgerechnet 16 D-Mark für eine Portion Spaghetti mit Tomatensauce oder Schnitzelpreise von 30 D-Mark im Restaurant zu akzeptieren. Eine Cola für 8 D-Mark? Ich bitte Sie! Also ab an den Herd und die Messer gewetzt. Schweiß und Tränen fließen dann. Blut gab es zum Glück (noch) nicht. Doch die Neuigkeiten von Jürgen Hambrecht, dem Chef der BASF, klingen eher blutig…

„Wir sind in einer tiefen Rezession. In einer Rezession, wie sie wenige vorher je erlebt haben, wie wir sie uns in ihrem Ausmaß bisher kaum vorstellen konnten.“ In vergangenen Schwächephasen habe der Rest der Welt regionale Wirtschaftsflauten ausgleichen können. „Jetzt haben wir eine synchrone Rezession. Das ist neu.“

…eine synchrone Rezession. 137 Treffer bei Google. Aha! Ich kenne nur synchrones Zubereiten von Kartoffeln, Gemüse und Fleisch. Schwierig genug. Und Synchron-Schwimmen. Pah! Das erspare ich Ihnen jetzt…

„Es wird Schweiß und Tränen geben. Der Bürger ist abhängig. Er kann nur reagieren, kaum agieren. Er kann sich zumindest darauf einstellen, dass er flexibler sein muss.“

Hambrecht spricht Dinge aus, die sich die Politik nicht traut, vor allem nicht, wenn in diesem Jahr 16 mal gewählt wird. Die „abhängigen Bürger“, die bei BASF arbeiten, 95.000 weltweit, 33.000 im Stammwerk Ludwigshafen. (sie können nur reagieren, aber kaum agieren lt. Hambrecht) Sie haben neulich erfahren, dass BASF in 100 Anlagen die Produktion drosselt, um Überkapazitäten zu vermeiden.

Er muss flexibler werden… der Bürger

Ja bitteschön, was ist das denn? Für einen Abhängigen kann Flexibilität doch nur bedeuten, dass er mehr (oder gar nicht mehr) arbeiten muss, zu Konditionen, die die Vorgesetzten festlegen. Es klingt nach chinesischen Verhältnissen. Und Einsicht zeigen in die Notwendigkeiten. Das ist übrigens der Freiheitsbegriff von Rosa Luxemburg.

Wenn ich so meine Dinge für den Kochtopf kaufe, frage ich mich, ob die Leute Zeitung lesen oder Hambrecht nicht ernst nehmen. Pünktlich zum Jahreswechsel gab es ja Unmengen an Umfragen, die natürlich alle überraschend positiv ausfielen. Okay, man kann auf billigere Produkte zurückgreifen, auf teure Dinge verzichten und anfangen zu sparen. Wenn es 700.000 Arbeitslose in diesem Jahr mehr geben wird, so sagen uns die wirtschaftlichen Weisen, dann wird wohl dieses junge 2009 am Ende als das Jahr des Sparens in die Geschichte eingehen. Und manche lernen es jetzt, wo es (fast) schon zu spät ist. Von wegen Abhängigkeit… Der Bürger mit seinem Geldbeutel hat in Zeiten, in denen die Volkswirtschaften genau davon abhängen sehr wohl die Flexibilität und damit auch Macht, wenn er mit Konsumverzicht reagiert.

Doch die meisten Bürger sind wirklich abhängig und können nur reagieren, außer diejenigen, die sich die Dinge selbst anschauen und in Zeiten, in denen es gut lief, etwas zur Seite gelegt haben. Viele konnten das gar nicht. Wer es konnte, hat vielleicht keine Zeitung gelesen, Umfragen geglaubt und Ausgaben mit Sparen verwechselt. Jetzt bekommt er seine Lektion. Die Zwiebeln werden gerade gereicht…

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