Bloß kein Neid!

16. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es läuft immer noch und immer wieder prächtig. Die Sensationen jagen und überholen sich – ob bei Olympia, an der Börse oder auch im Bundestag. Es ist Karneval…

Und wer hätte gedacht, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sogar einer höheren Diät zustimmt? Seine Bezüge und die der Abgeordneten sollen binnen eines Jahres um zweimal einen Hartz-4-Satz auf dann über 9.000 Euro steigen. Ob das durchs Parlament kommen wird?

Und oh Wunder, zur gleichen Zeit mahnte aber der oberste Sozialdemokrat bei der Vorstellung des neuen Jahreswirtschaftsgutachtens an, den Gürtel bei den anstehenden Gehaltsverhandlungen eng geschnallt zu lassen, obwohl 2014 prächtiges Wachstum erwartet wird.

Die Wirtschaft soll nach offiziellem Wunsch oder Lesart in diesem Jahr um 1,8 Prozent und um sagenhafte zwei Prozent im kommenden Jahr wachsen. Das war irgendwie auch schon für 2012 und 2013 geplant. Und dann kamen völlig überraschend die überraschenden Überraschungen und damit die Korrekturen der Korrekturen, bis ein Plus von 0,4 Prozent für 2013 übrig geblieben ist. Erinnern wir uns… Der Exportmotor sollte 2013 der Treibsatz sein und der private Konsum. Privater Konsum und Export waren völlig überraschend rückläufig.

Die Heldin der Woche war aber Janet Yellen. Als neue US-Notenbank-Chefin überzeugte die oberste Gelddruckerin bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in diesem Amt. „Miss Money-Printing“ sagte mit vielen Worten gar nichts. Deshalb hüpften die Börsen vor Freude und sprang das Gold hoch. Letzteres war ja Experten zufolge völlig ausgeschlossen. Nun gut.

Großer Jubel brandete auf, als die Commerzbank ihre Zahlen präsentierte. 2013 verdiente die 78 Millionen Euro. Glück gehabt, denn 2013 war windstill. Ein kleine Marktverwerfung, und 78 Millionen wären an einem Tag weg gewesen. Der Gewinn wäre um ein Vielfaches höher gewesen, wenn die Bank ihren Bänklern nicht die vertraglich zugesicherten 300 Millionen Euro Bonus hätte zahlen müssen. Eine Dividende gibt es seit 2008 nicht mehr. Ist die Commerzbank nicht die Bank, die vom Steuerzahler gerettet wurde, die keine Zinsen auf die Einlage des Staates zahlen brauchte, und die damit wirbt, es wäre Zeit für eine neue Bank? In der Werbung fragt sie: „Braucht Deutschland noch eine Bank, die einfach so weitermacht?“ Da wird mir immer so coba.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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5 Kommentare auf "Bloß kein Neid!"

  1. Zaubrberg sagt:

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Verbraucher-werden-immer-wichtiger-article12258521.html

    „Mittwoch, 12. Februar 2014
    Deutschland bleibt Europas Konjunkturlok
    Verbraucher werden immer wichtiger
    Nach etlichen Experten erhöht auch die Bundesregierung ihre Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr. Bundeswirtschaftsminister Gabriel rät dennoch zu Lohnzurückhaltung. Ds wiederum könnte die Binnennachfrage abwürgen.

    Gabriel empfiehlt Lohnzurückhaltung

    Zuvor hatte Bundeswirtschaftsminister Gabriel verlauten lassen, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr mit 1,8 Prozent um mehr als das Vierfache im Vergleich zum Vorjahreswert zulegen werde. Im kommenden Jahr soll der Zuwachs dann sogar zwei Prozent erreichen – begleitet von einer Rekordbeschäftigung. Allerdings warnte der SPD-Chef auch vor Risiken für das Wachstum und gestand ein, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit zum Stillstand gekommen sei. Entschieden widersprach er dem Eindruck, er empfehle Lohnzurückhaltung. Er begrüßte vielmehr die zuletzt deutlicher gestiegenen Einkommen.“

    Ja was den nun, Lohnzurückhaltung oder doch nicht?

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