Blockupy! Frankfurt vor der Blockade

15. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(Glosse von Frank Meyer) Großveranstaltungen und anderer Rummel haben monetär gesehen nur einen Zweck – die Geldumlaufgeschwindigkeit zu erhöhen – eine Kurbel in der Wirtschaft. Doch darum geht es nicht in diesen Tagen in Frankfurt. Die Stadt erwartet tausende blockierwillige BlockupyIstInnen…

Frankfurt richtet sich auf Proteste gegen Banken aus. Blockupy! In den nächsten drei Tagen ist die Stadt plötzlich eine bankerfreie Zone. Leute aus der Finanzindustrie bleiben an diesen Tagen zu Hause, kleiden sich wie Normalos oder Demonstranten, um nicht erkannt zu werden. Es ist so etwas wie Fasching, bloß umgekehrt.

Endlich ist vor der Börse mal etwas los, wenn es drinnen schon die ganze Zeit über verdächtig still geblieben war. Über den Vorplatz stolzieren sonst nur Tauben, Verirrte oder auch Touristen mit Kameras und komischen Fragen. Die Aufregung war schon am Dienstag zu spüren. Extra3 vom NDR ist extra für die Extra-Berichterstattung angereist. Nein, lieber Moderator von extra3… Ich habe Sie erkannt, das Sie sich neben mich auf die Börsenstufen gesetzt haben. (Grüße in den Norden!) So groß sind die Unterschiede zwischen uns nicht. Ich habe nur mehr zu lachen und schweife hier leider ab.

In den kommenden Tagen sollen die Schalthebel der Geldmärkte durch tausende Demonstranten blockiert werden. Die Bahn und Würstchenverkäufer freuen sich über zusätzliche Kundschaft. Große Aufläufe werden bei EZB, Commerzbank und anderen wichtigen Umschlagplätzen für virtuelle Verrechnungseinheiten erwartet. Der Pressesprecher der EZB sagte im Radio, dass die Zentralbank auch an diesem Tag für Preisstabilität sorgen wird. Ha! Und wann fängt sie damit endlich an?

Ich vermute, es geht bei allem weniger um die Finanzen, sondern um etwas ganz anderes – um Tastaturen. Diese haben sonst keinerlei Lobby, aber einen harten Job. Rettet die Shift-Taste! So sollen auch die Computertastaturen vor den Fingern der Börsenhändler geschützt werden, wenn ich es richtig verstanden habe, wenn diese Spezies auf den Parkett überhaupt ihre Arbeit verrichten können.

Ach ja… Wenn Sie unter den ganzen Leuten jemanden sehen, der einem Banker ähnlich sieht, dann ist es Kollege Rott aus dem gleichnamigen bankähnlichen Bloghaus. So wie ich ihn kenne, demonstrativ einen Anzug tragen, zusammengehalten von einer giftgrünen Krawatte – so wie immer, wenn er morgens sein bankrottes Bankhaus betritt.

„Wenigstens etwas grün am Tag muss man sich leisten, wenn ich den ganzen Tag rote Bilanzen sehe…“,

…schrieb er gerade in chiffrierten Sätze aus seinem Bunker an den Autor dieser Zeilen…

Akrobatisches

Als Börsenreporter stelle ich mir die Frage, wie ich wohl an meine Kameraposition komme, wenn ich es überhaupt bis zum Parkhaus geschafft habe. Durch die Tür geht wohl nichts, wenn man den Gerüchten Glauben schenken kann. Übers Dach wird es schwierig. Ich bin ja nicht Carson vom selbigen. Über Leitern durch die Fenster klettern? Und wenn ich dann drin sein sollte, vielleicht findet dann gar keine Börse statt? Und überhaupt… Was ziehe ich an, um unentdeckt zu bleiben? Haben Sie eine Idee?

Der Dienstplan stand lange fest. Ich hätte mir schon längst Vorräte an der Börse anlegen sollen. Atom-Brot, Dauerkonserven, Schlafsack, Isomatte und die Kleidung für drei Tage Arbeit und natürlich Unmengen Reinigungsmittel. Der Einstieg über Fenster oder durch dunkle und vor allem schmutzige Geheimgänge unter dem IHK-Gebäude, in dem die Börse residiert, sind nicht nur schweißtreibend sondern auch reinigungsintensiv.

Und dann? Vielleicht lassen mich die Leute vor der Tür auch nicht mehr raus? Fragen über Fragen. Ich werden Ihnen berichten, sollte man mir nicht den Strom blockieren, was mein Blog-U-py unterminieren würde. Für diesen Fall stelle ich am Börsenfenster eine Kerze auf, die ich nachts anheule. Der DAX hat dann ja vielleicht schon Reißaus genommen…


 

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5 Kommentare auf "Blockupy! Frankfurt vor der Blockade"

  1. Blockupy! Frankfurt vor der Blockade | Antizensur sagt:

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  3. gilga sagt:

    Tja Frank, das wird schwierig. Vor allem im Anzug…

    Vielleicht machst Du besser die Berichterstattung vor der blauen (oder wahlweise auch grünen) Leinwand und nur der Kameramann(frau) geht hin (wenn nicht ohnehin fest installiert)? Das passt dann auch schön, schließlich ist an der Börse auch so viel virtuell… Händler, Guthaben, Gewinne und die Einbildung das es dort mit rechten Dingen zugeht und wer weiß was sonst noch.

    Wir drücken Dir die Daumen! Aber eventuell kommst Du mit den Leuten ja mal ins Gespräch und berichtest, wo die Teilnehmer so die Probleme und Lösungen sehen. Momentan ist vieles in der Richtung ja leider mehr reiner Protest als alles andere. Eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung.

  4. rolandus sagt:

    Aha, da wird Frankfurt also wieder mal besetzt, wenn das so endet wie mit den Hausbesetzungen, dann bin ich schon mal gespannt welcher zukünftigee Aussenminister da heute noch mitblockiert.

    Schön ist ja das, wahrscheinlich Schlegl, da unten aktiv ist, das zeigt einmal mehr, das die Achse HH – FFM gut verdrahtt ist ,-)

    Auf jeden Fall mal wieder einn super Text, den Du wahrscheinlich in der Mittagspause mal eben so aus dem Ipad geschuettelt hast.

    Vielen Dank dafür
    rolandus

  5. Fnord23 sagt:

    Was ich mich frage:

    Wer schiebt so was an? Wer steht dahinter?

    Mal abgesehen davon, dass ein breit angelegter Protest notwendig wäre.

    Aber noch werden diese Leute ja von der Masse nicht wahr genommen, tw. belächelt, oder argwöhnisch beaobachtet.

    Obwohl die Idee nicht schlecht ist. Bei mir wirkt Blockupy!Ehebett!- wenn die Gutste was durchsetzten will..Scherz 🙂

    VG ins Land

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