Blih Blah Blubb… Denglisch for you!

23. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Auch auf der Suche nach Brain-Drain? Kein Problem! Sie müssen nur einkaufen gehen, denn Kaufen macht dumm. Also kauft! Selbst wenn Sie kein Geld haben, es gibt dort Nachhilfe in Englisch… Kostenlos, umsonst und gefährlich…!

Die Konsumtempel halten massenweise dieser kostenlosen Bildungsangebote bereit. Wie wär`s? Ach, Sie sind schon infiziert? Ich inzwischen auch! Denn was die Schulen bei der Vermittlung von Sprache misslingt, übernimmt heute gerne die Konsum – und Werbeindustrie. Ihr Bildungsauftrag besteht darin, ihre Botschaften dem Niveau der Leute anzupassen. Willkommen im Wettrennen um die coolsten und dümmsten Leute aller Zeiten!

Englisch als Weltsprache hat sich inzwischen durchgesetzt, auch wenn die Briten darüber wenig „amused“ sein dürften. Neu-Englisch bekommt man überall geboten. Es wird sogar schon der Muttermilch beigemischt. Ich finde es witzig, Leute ohne eine eigene Sprache beim Buchstaben-Kotzen zuzusehen. Ist ja klimaneutral. Nicht wahr?

Ich hatte mir neulich auch so einen Bildungsurlaub gegönnt, also einen Besuch im „Loop 5″ bei Darmstadt. Das ist ein Riesentempel der komsumtechnischen Höchstfreuden. Diese „Mall“ (hat nichts mit Malle zu tun) ist so groß und hell, man würde sie mühelos aus dem Weltraum erkennen. Ebenso groß ist der Bildungsauftrag in der Vermittlung von dämlichen Englisch, so meine Vermutung.

supersale1Das „Loop 5“ eignet sich hervorragend, um Englischkenntnisse aufzufrischen. Beim Studieren der Vokabeln in den Schauauslagen rutschte mir ein „shit the wall on!“ raus. Echt krass, was aus der deutschen Sprache geworden ist. Besser beschrieben: Alles ist heute in Englisch. Ich erinnere mich noch an Zeiten, da gab es Schlussverkauf, Ausverkauf und Preissenkung. Heute gibt es in jedem Shop ein „Sale“ – auch an der Saale. Inzwischen gibt es sogar den Super-Sale. Das ist die moderne Steigerungsform von von „Further Reduction“, nur noch steigerungsfähig mit einem deftigen „Super“. Da wird man schnell Fox Devils Wild!

Nach nur einer viertel Stunde fragte ich dann meine Begleitung, ob ich wie ein Nazi aussähe. „Nein, aber Du sprichst so…“ war die Antwort. „Du benutzt zu viele altdeutsche Worte und verweigerst Dich beharrlich dem sprachlichen Fortschritt, was Dich verdächtig macht.“ Hä? Das heißt „Wie bitte!“ wurde ich belehrt. Oh sorry! Ich bin eben nicht up to date.

Wir standen gerade vor „S+D“. Kennen Sie das? Das ist eine Kette für happy Kids, die bei „Sons + Daughters“ auf höchstem Niveau zufriedengestellt werden – also Söhne und Töchter, heißt das übersetzt. So darf man es heute nicht mehr sagen, da zu deutsch und damit pegida-lastig. Bei „S+D“ gibt man sich cool und stylisch für die Kids, also die Youngsters unserer Zeit. Weiß, Grau und Orange unterstreichen die Corporate Idendity, wo man auch farblich passende Icons findet, schrieb irgendein Wurstblatt über eine Eröffnung einer solchen Mall. Um das zu verstehen, habe ich ein Übersetzungsprogramm bemüht, bin aber wegen zu vieler Lachkrämpfe und Anfälle gnadenlos gescheitert. Ich wette, 98% der Leute können die Ladenkette weder richtig aussprechen noch richtig schreiben und verwechseln diese auch noch mit einem Donut, wegen der Farbe. Und wenn man die Kleinen dort für einen Tag vergisst, man wird sie hinterher kaum wiedererkennen.

Reinkommen – Rausfinden

Erinnern Sie sich noch an diesen unglaublichen „Shitstorm“ bei Douglas? Da hieß es… Komm rein und finde heraus… Oder so ähnlich. Was hat man sich darüber aufgeregt. Die Presse hat dann extra fünf Millionen Bäume fällen lassen, um diese Unglaublichkeit auf Extra-Papier zu kommentieren. „Come in and find out“ hat damals doch wirklich niemand verstanden. Heute ist das Standard, ja sogar langweilig, denn die Verdenglischung ist in großen Schritten vorangekommen.

Offen? Offer? Offene Hose?

Um Gassen-Englisch zu lernen, empfiehlt sich auch ein Besuch bei Starbucks. Ältere Herrschaften sei prophylaktisch an dieser Stelle vor dem Verknoten der Zunge während eines Besuchs gewarnt. Man kann sich als älteres Semester bei der Bestellung bis auf die Plampers blamieren. Ältere sollten deshalb nur in Begleitung junger Menschen dorthin gehen, wo man zwei Stunden in zwei Reihen für zwei überteuerte Kaffees wartet, welche man dann ganz cool mit der Kreditkate bezahlt. Als sich neulich eine ältere Dame einen Froozen Latte bestellte, wurde es richtig lustig bzw. richtig peinlich.

Zum Glück für die alte Sprache sind diese auch für die Werbung lästigen, da unbelehrbaren alten Leute irgendwann in ihrer besseren Welt. Dann muss man sich nicht mehr anhören, wenn jemand im Tabakladen eine Packung Gau-Luise bestellt.

Auf der Starbucks-Internetseite gibt es übrigens „Weihnachts-Drinkware“ zu bestaunen, also stimmungsvolle Tumbler und Mugs als ideale Geschenkideen für die Liebsten. (übersetzt: bunte Weihnachtstassen) Drinkware sollte ohnehin in genügend großer Menge im Küchenschrank vorrätig haben. Tassen, Gläser und ähnliches Geschirr werden künftig Drink-Ware heißen, der Schwippschwager von Tupperware, würde Oma jetzt fragen.

Sollte jemand eine Garantie für eine auf Ewigkeiten verbogene Zunge suchen, der gehe zu Subways um sich nach der Bestellung schämen. Hääääääm ohr Chiiiieeeeeßßß aus dem Flugzeug kennen Sie ja schon… (Seite 2)




Wer es etwas gehobener mag, der studiere Speisekarten in Frankfurt am Main. Es gehört inzwischen zu unserer stylischen, hessischen (hässlichen?) Welt, dass die Gerichte inzwischen in Englisch ausgewiesen werden und klein darunter geschrieben steht, was es auf Deutsch sein könnte. Da kann man oft nur black sehen… Mahlzeit!

Dann doch lieber ein Shopping-Tempel. Nichts ist unmöglich, um dort seinen Style mit seinem Outfit zu matchen – ein großartiges Waffenarsenal zur teuren Untermalung eines nicht vorhandenen Geschmacks bzw. Verpackung von nicht vorhandenem Inhalt. Oder man staune über die Begrifflichkeiten aus der Modewelt. Dabei sind heute Übergrößen im Slim-Style eine wirkliche Beleidigung von XXL-Käufern. Ach, einen Playground für Kids gibt’s auch, unten im Groundfloor, über dem Basement. Wo bitte? Was weiß ich denn?

Blih Blah Blubb

Mit Sprache sollte man dennoch sorgsam umgehen wie mit einem Oldtimer oder Porzellan. Die Vermeidung der Nutzung einer Sprache in ihrer Breite führt dazu, dass diese dem Untergang geweiht ist. Vielleicht sogar gewollt? Der Vize-Präsident des Europäischen Parlaments Alexander Graf Lambsdorf forderte, Englisch müsse in Deutschland Verwaltungssprache werden, vielleicht sogar Amtssprache. Früher hatte die FDP solche Ideen. Ach, Lambsdorf ist ja in der FDP. Gibt`s die eigentlich noch?

Ein Werbe-Fachmann sagte mir, dass Sprache in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Niveau nicht übersteigen darf, sonst fühlen sich vor allem bei Werbebotschaften zu wenige Leute angesprochen. Und sie darf nicht beschämen oder beleidigen. Sie muss die Mitte der Gesellschaft treffen. Wohin diese gerade unterwegs ist? Gehen Sie einkaufen!

Mangelnde Pflege von Sprache führt wie mangelnde Pflege bei einem Oldtimer letzlich dazu, dass das Ding komische Geräusche von sich gibt, die im Endstadium ans Furzen erinnert. Vielleicht riecht es deshalb in den S-Bahnen so schlecht?

Soweit ich mich erinnere, wurde früher Sprache in der Schule gelehrt. Das muss lange her sein. Ich weiß nicht, was daraus geworden ist. Die Hauptaufgabe von VEB Bildungsindustrie ist heute, gebrauchsfähige menschliche Werkzeuge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Das reicht aus.

Gleichzeitig ist Sprache ein wunderbares Mittel, um sich vom Heer der Buchstaben-Röchler abzugrenzen, das Ohr sauber zu halten und den Umgang mit ihr zu pflegen – wohl wissend, dass man damit ganz schön einsam sein kann. Oder es macht verdächtig, sich dem allgemeinen Trend zu dumpfem und bedingungslosem Lallen zu widersetzen. Wer die deutsche Sprache liebt, der ist bestimmt, ja, Sie wissen schon, mindestens Anhänger der AfD oder eine Art von Voll-Horst.

Deutsche benutzen im Alltag durchschnittlich 1.000 Worte. Da verschiedene deutsche Worte unter einem einzigen englischen Begriff zusammenzufassen sind, reduziert sich der Sprachschatz entsprechend auf mindestens die Hälfte der Worte – bis hin zum akustischen Rülpsen, welches mit 20 Worten zu bewerkstelligen sein sollte. Macht aber nix, damit kommt man auch durchs Leben. Das ist eigentlich auch Wurst bzw. that`s Sausage. Manchmal wünsche ich die Leute dorthin, were the pepper grows.



 

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17 Kommentare auf "Blih Blah Blubb… Denglisch for you!"

  1. Stephan sagt:

    Um in USA den Alltag problemlos zu bewältigen genügt „what a fuck“ vollständig.

  2. Iri sagt:

    Köstlich! „And so true.“

  3. Sandra sagt:

    durchschnittlich 1.000 Wörter
    – Anglizismen
    = passive Wortschatz
    – Wortübernahme bzw. Ausdrücke, deren innere Bedeutung man nicht kennt
    = aktiver Wortschatz

    Der noch vorhandene aktive Wortschatz ist u.a. durch Humor (Abstraktionsvermögen) ermittelbar.

  4. Eber sagt:

    @ Sandra

    Ja, Sie schreiben das richtig: „1.000 Wörter“. Autor Frank Meyer schreibt 1.000 Worte, meint aber eben Wörter.
    Man sieht, dass man im Deutschen auch ohne Unterstützung durch Englisch jede Menge Fehler machen kann …

    Trotzdem trifft Frank Meyers Artikel genau on se hed of se Nagel – und dafür hat er meinen Dank.

  5. Sandra sagt:

    Da es die deutsche Sprache sehr genau nimmt, es für sehr viele Ausdrucksvariationen auch ein passendes -genaues- Wort gibt, möchte ich den aktiven Wortschatz von der Klarheit in der lebendigen Sprachform abgrenzen.

    – undifferenzierte Nutzung von bestimmten Begrifflichkeiten – d.h. synonyme Verwendung (z.B. gehen – laufen) – verwässert die Sprache

    – Nutzung von Worten für Kategorien/ Überbegriffen ohne Sachbezug, d.h. ohne direkte Zuordnung. Wird dieses sprachliche Mittel bewußt eingesetzt, entsteht willentlich ein Interpretationsspielraum (Gestaltungsraum). Eine unbewußte Mehrfachnutzung fördert eine unklare nichtssagende, da unbestimmte Sprache – Vgl. Bullshit-Bingo. Die Übernahme von sprechen in ‚umbrella-terms‘ kann durchaus als Übernahme einer Denkweise basierend auf der englischen Spracharchitektur charakterisiert werden.

    Demnach beziffere ich die Anzahl derer, die der deutschen Sprache geistig, gedanklich und mundan noch befähigt sind und dies praktizieren als nicht hoch. Auf eine grammatikalische und rechtschreiberische Korrektur verzichte ich hier, da meine Konzentration und individuelle Bedeutungshoheit hinsichtlich meiner Muttersprache auf anderen Dingen ruht, wie dargestellt.

  6. Sandra sagt:

    Stell Dir vor, es ist Krieg …

  7. Sandra sagt:

    ein kleines Beispiel – die Spielregeln, Strategie

    Jemand sagt einen plakativen Spruch: „Vermögen ist Gewinn.“
    Stimmst du ihm zu?
    Ich nehme das doch stark an.

    Im Grunde sagt der Jemand nichts – rein gar nichts, da der Satz eine inhaltsleere Phrase ist und je nachdem immer wahr. Es ist völlig deiner Interpretation und deiner Betrachtungsperspektive überlassen, wie du diese Information aufnimmst – wozu du diese in gedanklich in Bezug setzt.

    Jemand betrachtet und gewichtet den Zustimmungserfolg (der u.a. durch deine Informationsverarbeitung entsteht) höher als eine klare Kommunikation, die auch eine eigene Stellungnahme ausdrücken würde. Zusatznutzen ist es, daß die Aussage nicht anfechtbar ist. Eine ‚Nichts-Phrase‘ zu vertreten bedeutet auch nichts zu verlieren, indem man es vertritt.

    Wähle daher weise zwischen Bedeutung haben und bedeutend sein.

  8. bluestar sagt:

    Wunderbarer Artikel vom Meister !!!
    Hammer eh, oder super dry ?
    Die Forderung vom Grafen der FDP möchte ich unterstützen, schließlich ist es doch von Vorteil wenn der gesamte infantile Sklavenstaat die Sprache seiner schwarzen Domina spricht.

  9. Berufsinkontinent sagt:

    Denglisch hin, denglisch her, die YT-Videoschnipsel eines gewissen schwäbischstämmigen EU-Kommissars sind legendärer Nachweis willfähriger Unterwerfung unter den Sprach-Hegemon auch bei vollständiger Aussichtslosigkeit jeglichen Versuchs mangels sprachlicher Begabung.
    Auch bei aller Vereinfachung durchs Denglische, beim Fluchen im „mother tongue“ tritt das typisch Deutsche wieder zutage : wenn der Ami „fxxx you“ sagt, gibt der Deutsche eine präzise Handlungsanweisung vor „fxxx Dich ins Knie“, oder statt „bxxx me“ „Lxxx mich am Arxxx“.

    Die Tradition des „Volks der Dichter und Denker“ äußert sich in einem präzisen Sprachgebrauch.

  10. mreule marius sagt:

    Hallo, die Angeln sind ein deutscher Stamm dern Wörter bei der Erfindung des Hochdeutschen
    übergangen wurden, dass jetzt über einen Umweg Wörter der nach England eingewanderten
    Deutschen zu un zurückkommen ist doch nur gerecht.
    englisch ist eh nur ein Mix verschiedener deutscher Sprachen plus Lateinisch.
    (keltisch,Plattdeutsch)

  11. mreule marius sagt:

    Hallo, die Angeln sind ein deutscher Stamm dern Wörter bei der Erfindung des Hochdeutschen
    übergangen wurden, dass jetzt über einen Umweg Wörter der nach England eingewanderten
    Deutschen zu uns zurückkommen ist doch nur gerecht.
    englisch ist eh nur ein Mix verschiedener deutscher Sprachen plus Lateinisch.
    (keltisch,Plattdeutsch)

  12. Deutscher Michel sagt:

    Mein Einkaufserlebnis im Schuhgeschäft, gehobene Klasse:
    Aus den Lautsprechern kommt leise „Musik“ eines Rappers, der folgenden Text enthält, welcher ständig wiederholt wird:
    „Pretty sized motherfucker“.
    Außer mir nimmt das wohl niemand wahr.
    Ich bin froh darüber, daß es für diesen Text keine Übersetzung in unsere Sprache gibt. Das gilt auch für ein paar weitere, abendländische Kultursprachen.

  13. Borch sagt:

    I understand always Railwaystation…

    Danke für den Artikel.

    Besinnliche Tage.
    Borch

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