Blasenwirtschaft / Eurokrise 2.0

25. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Die Zentralbanken verfolgen eine Tiefzins- und Geldvermehrungspolitik. Sie führt zu einer „Blasenwirtschaft“ und ist inflationär. Die amerikanische Zentralbank (Fed) hat ihre bisher in Aussicht gestellten Zinsanhebungen bis auf Weiteres aufgeschoben. Die Zinsmärkte reagierten prompt…

Die Kurzfristzinsen, aber vor allem auch die Langfristzinsen, gaben stark nach. Sinken die amerikanischen Zinsen, so übt das auch einen Abwärtsdruck auf die Zinsen in anderen Währungsräumen aus; schließlich hat Amerika quasi die weltweite Zinsführerschaft inne.

61-1

Auf den Finanzmärkten herrscht nun die Auffassung, dass die Zentralbanken nicht nur ihre Tiefzinspolitik, sondern auch ihre Geldvermehrungspolitiken unbeirrt fortsetzen könnten.  Die Aktienkurse sind daraufhin angestiegen. Denn in der Vergangenheit ließ sich ein enger und positiver Zusammenhang erkennen zwischen dem Ausweiten der Basisgeldmengen und den Aktienkursen.

Tiefe Zinsen begünstigen (zumindest kurzfristig) die Aktienkurse. Zum einen, weil tiefe Zinsen die Kreditkosten der Unternehmen verringern und ihre Gewinne ansteigen lassen. Zum anderen, weil die tiefen Zinsen die Barwerte der künftigen Unternehmens-Cash-Flows erhöhen: Künftige Erträge werden jetzt mit einem niedrigeren Diskontfaktor abgezinst.

Die Politik der tiefen Zinsen und der Geldmengenausweitung treibt jedoch nicht nur die Aktienkurse in die Höhe. Sie sorgt für ein Ansteigen der Sachgüterpreise auf breiter Front. Die preissteigernde Wirkung stellt sich insbesondere bei Land und Häusern ein: Tiefe Zinsen begünstigen den kreditfinanzierten Kauf von Grundstücken und Häusern, sie machen ihn geradezu „unwiderstehlich“.

Nun will auch die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Geldpolitik den Kurs verfolgen, der in den USA, Japan und Großbritannien praktiziert wurde, beziehungsweise immer noch praktiziert wird. Dazu stehen jetzt Wertpapiere von Pfandbriefbanken, vor allem Papiere, die mit Krediten unterlegt sind, auf der Einkaufsliste der Bank. Diese Käufe werden mit neu geschaffenem Geld bezahlt.

Folgen der Geldmengenvermehrung

Das Ausweiten der Geldmenge ist nicht etwa „neutral“. Es sorgt dafür, dass die Preise höher ausfallen – im Vergleich zu einer Situation, in der die Geldmenge nicht erhöht worden wäre. Dabei steigen die Güterpreise nicht gleichzeitig und auch nicht mit denselben Raten. Vielmehr steigen erst die einen, dann die anderen Preise. Früher oder später steigen jedoch die Güterpreise auf breiter Front an.

Vermutlich wird der Preisauftrieb, den die Geldpolitiken nun in Gang setzen, zunächst die Preise für das Bestandsvermögen – hierzu zählen zum Beispiel Aktien, Grundstücke und Häuser – in die Höhe treiben. Es ist jedoch lediglich eine Frage der Zeit, bis sich die Preissteigerungen des Bestandsvermögens in den Bereich der Lebenshaltungskosten ausbreiten und auch hier die Teuerungsrate anheizen. Derjenige, der Geld hält oder in festverzinsliche Papiere investiert hat, wird das Nachsehen haben: Er wird künftig weniger Güter für seine Ersparnisse bekommen.

In der Öffentlichkeit werden die Tiefzins- und Geldmengenvermehrungspolitik als notwendig angepriesen, um eine Deflation – also das Absinken der Preise auf breiter Front – wirkungsvoll zu verhindern. Doch diese Sichtweise übersieht, dass es längst nicht mehr darum geht, die Preise vor dem Fallen zu hindern oder sie stabil zu halten. Der Wunsch nach einer steigenden Teuerungsrate greift um sich.

Der Ökonom Friedrich August von Hayek (1899 – 1992) formulierte das so:

„Die Inflation kann … nie mehr als ein vorübergehender Ansporn sein, und selbst diese wohltätige Wirkung kann nur solange dauern, als jemand weiterhin betrogen und die Erwartungen einiger Menschen unnötigerweise enttäuscht werden. Ihre stimulierende Wirkung beruht auf den Irrtümern, die sie hervorruft. … [Inflation] ist besonders gefährlich, weil die schädlichen Nachwirkungen selbst kleiner Dosen von Inflation nur durch größere Dosen von Inflation aufgeschoben werden können.“

Im heutigen ungedeckten Papiergeldsystem müssen die Preise in der Tat fortgesetzt inflationieren, denn ansonsten fällt der „Scheinaufschwung“ in sich zusammen – wie es in der Krise 2008/2009 fast weltweit geschehen ist.

Die Geldpolitiken zielen darauf ab, die inflationäre Blasenwirtschaft in Gang zu halten. Dazu werden die Zinsen auf absehbare Zeit tief gehalten. Und die Geldmengen müssen immer weiter ausgeweitet und damit die Kaufkraft des Geldes immer weiter geschmälert werden… (Seite 2)



 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , , , , ,

10 Kommentare auf "Blasenwirtschaft / Eurokrise 2.0"

  1. bluestar sagt:

    Das ganze EU-Projekt zugunsten der Multis, Finanzindustrie und Berufspolitiker basiert auf der Dummheit der Massen. Insofern ist wohl nicht die Leidensfähigkeit der Nettozahler auschlaggebend für Fortexistenz oder Untergang , sondern die geistige Fähigkeiten des Wahlvolkes.
    Bisher wurden alle Versprechungen sowie rechtsstaatliche und finanztechnische Tabus zu diesem Projekt gebrochen. Die Bilanz und Aussichten für dieses diktatorische Experiment sind katastrophal. Was passiert ?
    Die Deutschen wählen mehrheitlich jene Parteien, die dafür verantwortlich sind.
    Unglaublich.
    Und in den Netto-Empfängerländern ? Da bewegt sich etwas, weil die arbeitende Masse nichts empfängt, außer Verarmung. Wenn Sturm aufkommt, dann wohl in diesen Ländern.
    Bis dahin wird in Germany weiter fest geschlafen bis es knallt. Nach dem Aufwachen der ahnungslosen Massen folgen das Entsetzen und die Schuldzuweisung an andere.

  2. Argonautiker sagt:

    Eine Lüge kann nur durch eine noch größere Lüge für wahr befunden werden. Und so weiter, und so fort, und am Ende steht dann doch irgendwann die Wahrheit, und das mit so viel Mühe erbaute Konstrukt von Lügen, die sich gegenseitig bestätigen, bricht zusammen. There is no other way, there is no exit. So what will happen, if a construct of 2000 years break down?

    Die Idee, daß es im Leben darum geht, möglichst viel Besitz anzuhäufen, wird sich als Irrtum entlarven. Die Zins und Zinseszinsnahme als krönende Schöpfung dieses Irrtums, wird da keine Ausnahme machen. Ich möchte auch nicht in deren Haut stecken, die für die Erhaltung dieses Prinzips sogar Menschen in den Krieg geschickt haben.

    Gruß aus Bremen

  3. Midas sagt:

    Warum sollten die Nettozahler nicht mehr zahlen wollen? In der BRD bestätigen 80% der Wähler die Blockparteien, die bereit sind, die Schulden ausländischer Euro – Staaten per ESM-Vertrag in unbegrenzter Höhe zu übernehmen. Diese unendlich aufopfernde Bereitschaft der BRD-Massen endet erst, wenn die Massenmedien mit ihrer veröffentlichten Meinung sich gegen den Euro-Umverteilungs-Staat wenden. Ich denke, auf so einen Epochenwechsel könnte man noch lange warten. Zum Vergleich, in Japan dauert der Kampf gegen die Deflation auch schon länger als 20 Jahre.

    • Avantgarde sagt:

      Nein – wir übernehmen nicht die Schulden, sondern sichern unsere eigenen Ansprüche.
      Und wenn Sie das komisch finden dann wäre daraus zu lernen, daß es völlig idiotisch ist andere Länder(und dann auch noch im gleichen Währungsraum) gegen die Wand zu exportieren.
      Waren und Dienstleistungen können letztlich immer nur mit Waren und Dienstleistungen bezahlt werden – und nicht mit digitalen Nullen.

      Im gleichen Moment wo D oder Japan gegen den Rest der Welt wirtschaftlich „gewonnen“ hat werden wir zwangsläufig diesen Gewinn verlieren müssen.
      Weil es nichts mehr gibt mit dem die anderen bezahlen könnten.
      Ausser mit Digitalen Nullen freilich….. 🙂

  4. samy sagt:

    Zentralbanken und Geldvermehrung?

    Dann lasst uns über die SNB plaudern, die Schweizer Variante (…ja, odr? 🙂 ).

    Am 30. November findet in der Schweiz ein Volksentscheid statt. Thema:“Rettet unser Schweizer Gold“.
    Das Ziel: Goldverkaufsverbot der bestehenden Goldreserven, Heimholung der bestehenden Goldreserven in die Schweiz und einen Mindestanteil an Gold auf der Aktivaseite der Bilanz mit mind. 20% in den nächsten 5 Jahren. Zukäufe an Gold von derzeit 65 Mrd. Franken wären nötig.
    Unter dem Strich will die Initiative also zurück zu einen Goldstandard.
    Die Bundesräte (Politik) sind dagegen, dass Volk (Wähler) wird nun befragt.

    Die Schweiz hält auf der Aktivaseite vor allem Währungsreserven, hier insbesondere den Dollar. Die Aktiva (Bilanzlänge) lauten auf ca. 500 Mrd. Franken. Um an die 20% Prozent Deckung heran zu kommen, sind Zukäufe von 1500t Gold notwendig.

    Ist das die Retourkutsche für die zahlreichen Beschüsse der schw. Bankenwelt seitens der USA? Die Rache des Schweizer Bürgers?
    Denn wie sehr wird wohl der Dollar unter Druck geraten, wenn demnächst Bilanzverlängerungen einer wichtigen ZB zu 20% AU-gedeckt werden? Schließlich müssten mit der Herinnahme jeder Mrd. an z.B. frischen US Anleihen diese mit 20% zusätzlichem Gold gedeckt werden. Sicher stiege nun irgendwann der Goldpreis, so das weniger Unzen für eine frische Anleihe hinzu gekauft werden müssten. Aber was wäre das anderes als das Fieberthermometer im A … ähm Po des Dollars?

    Weiterhin gebe ich zu bedenken, dass sich die Schweiz entschlossen hatte, den Franken an den Euro zu binden um die Exportwirtschaft zu schützen. Würde der Franken ggü. dem Euro nun zu stark, müssten Euro gekauft werden. Was wäre das anderes als eine Bilanzverlängerung, die automatisch Goldkäufe auslöst? (Gut, man könnte alternativ vielleicht auch auch Dollar auf den Markt werfen …)

    Und würde ein goldgedeckter Franken nicht eine ideale Fluchtwährung ggü. den anderen Fiat-Währungen werden? Sogar ich kleiner Mann könnte mir vorstellen dann Franken zu erwerben. Müsste die SNB dann aus o.g. Gründen wiederum Femdwährungen aufkaufen, um die heimische Währung wieder zu schwächen bzw. Exportwirtschaft zu stärken? Wieder würde die Bilanz verlängert und Gold gekauft.

    Das könnte ein Teufelskreis werden …

    Schauen wir einmal.

    VG

    Einige Links:

    http://www.snb.ch/de/iabout/assets/id/assets_structure
    http://gold-initiative.ch/
    https://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de&msg-id=51042

  5. samy sagt:

    … und ich darf mich gleich selber berichtigen. Denkfehler meinerseits.

    Ich schreibe: „(Gut, man könnte alternativ vielleicht auch auch Dollar auf den Markt werfen …)“

    Selbst dass wäre sinnlos. Der Euro würde noch wertvoller. Nein, mann müsste Dollar aufkaufen, umden Euro zum Fanken zu schwächen. Somit einen Bilanzverlängerung die Goldkäufe auslöst.

    VG

  6. samy sagt:

    N’Abend,

    einen habe ich noch … 🙂

    Eine Empfehlung. Food for thoughts. Arte nimmt die Geschichte des Kapitalismus auseinander. Recht gut, wie ich finde. Die erste Folge gefiel mir gut. Hier und dort dürften sich auch die Debitisten wiedererkennen.

    http://info.arte.tv/de/der-kapitalismus-doku-reihe

    Arte: “ Woher kommt der Kapitalismus? Ist er eine natürliche Folge der gesellschaftlichen Entwicklung ? Oder resultiert er aus Theorien, die im Laufe des politischen und technologischen Wandels entstanden sind ? Die Serie „Der Kapitalismus“ begibt sich weltweit auf die Suche nach Antworten und schreckt nicht davor zurück, alte Idole zu stürzen und Vorurteile auszuräumen. In sechs Folgen werden Menschen aus 22 Ländern befragt, darunter Jäger aus dem Amazonas-Gebiet, die letzten Kommunisten Chinas und Börsenmakler aus New York. Wie sieht die Welt nach der Krise 2008 aus? Mehr als 20 renommierte Wirtschafts-Experten versuchen das herauszufinden und begeben sich auf den Spuren der großen Denker, die die Geschichte des Kapitalismus geprägt haben.“

    VG

    • bluestar sagt:

      Hallo Samy,

      vielen Dank für den Link zu dieser Dokumentation.
      Habe mir Teil 1 und 2 angeschaut. Eine der besten Dokus die ich in letzter Zeit in den
      Staatsmedien gesehen habe. Moral und Ethik gegen Profit und Elend um jeden Preis.
      Interessant, wie einseitig das Werk von Adam Smith von den Herrschenden ausgelegt wird.
      Der Umgang der Profitgesellschaft mit Kindern, Sklaven sowie am Ende von Teil 2 aktuell mit Tieren stimmt sehr nachdenklich über das Wesen Mensch.
      Eigentlich wäre diese Doku auch ideal für Schule und Gymnasium, aber Bildung ist ja leider dort nicht das Ziel.
      VG und schönes WE

  7. samy sagt:

    Polleit selbst denkt über die Schweizer Initiative nach. Ein Aufsatz, der heute auf der Homepage des L.v.M.-Institut.

    http://www.misesde.org/?p=8774

    Thema: „Schweizer Gold-Initiative – eine Analyse“

    Schade das ich ggw. nicht mehr soviel Zeit habe bei solchen Artikeln genauer hinzusehen. Könnte sich lohnen hier nach Kopfnüssen zu suchen.

    VG

    • FDominicus sagt:

      So lang ist der Artikel gar nicht. Und es ist klar wie ein Österreicher dazu steht. Natürlich ist eine gewisse Goldbindung besser als gar keine Goldbindung. Mir persönlich gefiele die Lösung mit der Bilanzverkürzung am Besten. Aber es bleibt immer noch beim fundamentalen Problem überhaupt eine Zentralbank zu haben. Das ist insgesamt eine schlechte Sache und eben auch die SNB hat getan was alle Zentralbanken tun: Inflationieren….

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.