Bizarre Dinge

28. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare

Die Börsen sind am Mittwoch gestiegen, weil der Verbraucher in den USA auf Optimismus umgeschwenkt ist und freudestrahlend in die Zukunft schaut, die Ärmel hochkrempelt und was tut? Keine Ahnung! Ich weiß nicht, was er zu sich nimmt, aber von dem Zeug hätte ich auch gerne etwas…

Und einen Tag später sind die Gewinne wieder weg, weil der Verbraucher so optimistisch gestimmt ist. Wie witzig. Wenn das mit der Verbraucherstimmung so weitergeht, kommt im Juli das Christkind. Nun, ich gebe zu, dass ich es nicht verstehe. Vielleicht handelt es sich auch nur um ein kleines Missverständnis, dass man aus Versehen die Ziffern in der Zahlenfolge vertauscht hat oder den Befragten vor dem Ankreuzen der Fragebögen eine Tüte Gras zukommen ließ. Nein, es passt irgendwie nicht, bewegt aber Märkte und Milliarden.

Die Arbeitslosigkeit liegt in den USA offiziell bei 16 Prozent, 34 Millionen Menschen bekommen Lebensmittelzuschüsse. Die Staatsfinanzen sind zerrüttet, Hauspreise fallen, Schulden drücken, Kredite werden spärlicher vergeben und dann fangen die Leute auch noch an zu sparen, 14 Milliarden im Monat, schreibt die FTD.

Ach, und dann beginnen die Zinsen zu steigen. Die Rendite für 10-jährige Anleihen steigen nun auf 3,70 Prozent.

Gerade habe ich das Fenster geöffnet. Es war so laut auf einmal. Und ich war neugierig. Es war nichts Besonderes, nur das Gebrüll nach Staatshilfen. Arcandor braucht 650 Millionen, die IVG offenbar 300 Mio. Infineon 500 Millionen, Opel etwas mehr als ein paar Millionen. Ist ein Unternehmen für das System erst mal relevant wie die Banken, macht man darum kein Federlesen. Ähnlich ist es bei der Heidelberger Druck. Vielleicht produzieren die ja HighTech-Maschinen zum Drucken von Geld, was die Sache auch verständlich machen sollte. Fenster zu! Fernseher an…

Opel braucht Milliarden, Arcandor 650 Millionen, Infineon vielleicht 500 Millionen, IVG vielleicht 300 Millionen..

Fernsehen aus!

In Berlin hat man heute den zweiten Nachtragshaushalt verabschiedet. Neuverschuldung 2009: 47,6 Milliarden Euro. Umgerechnet auf den Bundesbürger sind das 600 Euro. Das sollte es uns wert sein. Ich bitte Sie! Dafür höre ich sofort mit dem Rauchen auf. Ich rauche ohnehin nur weil ich damit den Terrorismus (sehr erfolgreich!!!) bekämpfe – und meine, der Klimakatastrophe ein Schnippchen zu schlagen. CO2 macht einen schönen Sommer wie eine gute Creme eine schöne Haut.

Eigentlich habe ich gar keine Zeit, hier irgendetwas zu schreiben, denn ich muss mich auf Beutetour durch die Glühmittel-Fachmärkte machen. Glühmittel-was? Gemeint ist, dass ich ei paar der restlichen Glühbirnen ergattern möchte. Glühbirnen werden im Fachjargon als „Glühmittel“ bezeichnet, als Mittel zum Glühen. Unsere EU-Oberen haben nämlich beschlossen, meine ach so geliebten Glühbirnen ab September zu verbieten. Nicht dass ich 100-Watt-Glühbirnen benutze – es blendet mich. Aber ich sehe das als stillen Protest.

Dafür darf ich am 7. Juni die neue EU-Regierung wählen. Na so richtig regiert sie ja noch nicht, sie schreibt bloß vor, was ich essen darf und was nicht – was ich kaufen darf, und was nicht. Bald auch was ich denken darf – und was nicht? Naja. Meine Nachbarin hat mich am Briefkasten mal wieder angeplärrt wegen dieser Wahl. „Wenn Wählen etwas ändern würde, wäre es doch längst verboten“ fauchte sie mich an. Über die Gründe ihrer Verstimmung habe ich nichts erfahren, aber ich wurde auf einmal nachdenklich.

Was hat das mit der Börse zu tun? Nichts. Gar nichts. Und doch auch wieder alles. Es ist eben verrückt, was gerade passiert. Und wenn ich mich so verhielte wie die Börse, man hätte mich längst weggefangen. Die Börse darf das. Ihr schreibt man auch unser aller Seelenheil zu. Wie ver-rückt!

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