Bittet Amerika uns zur Kasse?

3. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare

„Entdecken Sie die beste deutsche Automarke“, steht auf der Internetseite vom Autobauer Opel. General Motors ist seit 1929 die Mutter und hat aktuell Schwierigkeiten. Das wissen die Börsianer aber schon seit Jahren, dass das so kommen würde. Die Aktie steht auf dem tiefsten Niveau seit 1948. Das Totenglöckchen läutet…

Nicht nur beim Aktienkurs der Autobauer regiert der Schwund, auch die Anleihen, die viele deutsche Anleger im Depot halten, waren alles andere als ein glückliches Investment. Sie werden von Ratingagenturen als Ramsch eingestuft. Und sie ist es auch nicht viel mehr als das. Kein Wunder, verbuchte doch der Autobauer in den letzten 12 Monaten einen Verlust von 19,10 USD pro Aktie. Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht, auch in Amerika. Und dieses Ende könnte jetzt jeden Tag kommen, schreiben die Zeitungen. Seit 2005 hat General Motors 68 Mrd. USD verbrannt, monatlich kommt eine weitere Milliarde hinzu.

Von den Autos mit den einst klangvollen Namen Buick, Cadillac, Chevrolet, GMC, GM Daewoo, Holden, HUMMER, Opel, Pontiac, Saab, Saturn, Vauxhall und Wuling wurden im letzten Jahr 9,4 Mio. Stück verkauft. 77 Jahre lang war General Motors der größte Autobauer. Jetzt sitzen ihm andere im Nacken, die kostengünstiger kostengünstigere Fahrzeuge produzieren. General Motors hat 266.000 Angestellte, davon 26.000 in Deutschland bei Opel.

GM-Europachef Carl-Peter Forster sagte der Branchenzeitung „Automobilwoche“ am 19. Oktober, Opel habe bis zu 30 Prozent mehr Autos auf Halde als sonst und kündigte kurzfristige Produktionskürzungen an. Ende April hatte Opel noch gemeldet, in seinem Europageschäft in den nächsten fünf Jahren 9 Mrd. Euro zu investieren. Davon sollen 2,5 Mrd. Euro in die vier deutschen Standorte Rüsselsheim, Kaiserslautern, Bochum und Eisenach fließen. Forster, dessen Vertrag bis 2013 läuft, gab sich in Interviews gegenüber n-tv immer optimistisch. Ein halbes Jahr später ruft Opel nach Bürgschaften und nach dem Staat. Oder ruft da General Motors?

Rettet die Bundesregierung General Motors?

Nach Einschätzung von Fachleuten braucht GM etwa 15 bis 25 Mrd. USD, die dann aber nur für etwa ein Jahr reichen könnten. Tatsache ist, dass GM ohne staatliche Hilfen schwerlich überleben kann. Ford gilt als etwas besser finanziert, Chrysler ist kleiner und hat dadurch auch geringere Verluste. Der Hilferuf von Opel nach der Bundesregierung scheint vor allem der Hilferuf von General Motors zu sein. Wie schlecht geht es Opel wirklich? Hat GM schon massiv Geld aus Europa abgezogen, dass die Tochter jetzt Hilfe von anderer Seite braucht? Finanzminister Steinbrück warnt nun vor Trittbrettfahrern. In der Leipziger Volkszeitung sagte er:

„Ich warne vor einem Managerdenken, das da lauten könnte: Oh, die Gelegenheit ist günstig, da können wir uns etwas vom Staat holen, was wir sonst nicht bekommen hätten“. Wer seine Defizite selber zu verantworten habe, solle nicht auf den Staat als Reparaturbetrieb bauen. „Das wird es mit der Bundesregierung nicht geben. Der Staat könne nicht plötzlich überall irgendwelche Branchen-Förderprogramme aufstellen.“

Die Zeit drängt

Heute wollen die Demokraten im US-Kongress einen Gesetzentwurf einbringen, der auch den Autobauern Zugang zum 700 Mrd. USD schweren Rettungspaket für die Finanzbranche ermöglichen soll. Doch die Republikaner und ihr Präsident George W. Bush haben einen anderen Plan. Sie wollen, dass die Autokonzerne nun frei über ein bereits bewilligtes Kredit-Paket von 25 Mrd. USD verfügen können, das e i g e n t l i c h für die Entwicklung sparsamerer Autos gedacht ist.

Ja, liebe Leser, auch General Motors ist zu groß, um bankrott gehen zu können. Eine Insolvenz würde 123 000 Arbeiter in den USA die Arbeitslosigkeit stürzen, dazu weitere hunderttausende Jobs bei den Autozulieferern zur Disposition stellen. Deren Ausfälle würden wiederum auch Ford und Chrysler an den Abgrund bringen. «Es wird kein „Plan B“ als Alternative zu einer Rettung durch den Staat diskutiert», zitierte das «Wall Street Journal» einen ranghohen GM-Berater.

Mehrere Mitglieder des GM-Verwaltungsrates genießen großen Einfluss in Washington, den sie nun in die Waagschale werfen, schreibt das Wall Street Journal. Darunter seien Erskine Bowles, früher Stabschef von US-Präsident Bill Clinton, John Bryant, einer der Organisatoren von Obamas Präsidentschafts-Kampagne und auch Armando Codina, der als enger Vertrauter von Präsident George W. Bush gelte. Sie sind nun unterwegs, um das zu retten, was eigentlich der Markt bereinigen will.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer betont, dass Hilfen an Opel in Europa nur Sinn haben, wenn auch General Motors gerettet werde. Auf jeden Fall müsse ein mögliches Abfließen der Gelder in die USA verhindert werden. Wie wäre es mit einem Verkauf von Opel? Der Käufer bekäme sicherlich einen günstigen Preis und die Chance, Dinge besser zu machen, als die US-Mutter. Dann wäre Opel wieder eine deutsche Marke, eine Variante, die Wolfgang Gehrke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg in einem Interview bei mdr-info ins Spiel brachte.

Sollte General Motors gerettet werden, hätte der Autobauer wie auch seine Konkurrenz nur noch ein klitzekleines Problem – nämlich das Verkaufen von neuen Autos, an wen dann auch immer.

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