Bitte anschnallen! Unfälle direkt voraus…

6. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ich weiß nicht, ob die amerikanischen Aktienkurse gerade hoch oder runter gehen. Aber normalerweise gehen sie hoch und runter. Doch ich nehme an im Moment schwanken sie noch ein wenig mehr. Ein Moment des Innehaltens…

Die Fed kauft keine Anleihen mehr. Das braucht sie auch nicht. Die Europäer übernehmen die Sache. Sie beginnen denmnächst, ebenfalls die Summe von umgerechnet ca. 1,5 Billionen Dollar in die Finanzmärkte zu pumpen. Wieso? Ich habe keine Ahnung. Das ist alles Nonsens. Aber mit sehr realen Konsequenzen – einige vorhersehbar, andere nicht. Hier ist ein Moment des Innehaltens wohl angebracht. Ich ziehe meinen Hut vor Mr. Market und erweise ihm meine Ehrerbietung. Es gibt sicher Hunderttausende Vollzeit-Ökonomen und Finanzanalysten auf der Welt. Sie alle beobachten, studieren und stellen Prognosen auf. Und wie viele von denen haben den Ölkurs bei unter 50 Dollar gesehen? Nahezu keiner.

Es war einfach undenkbar. Noch vor drei Jahren proklamierten Brachenanalysten, wir würden „niemals wieder in unserer Lebenszeit, Öl zu einem Kurs unter 50 Dollar sehen.“ Und hier ist es: Sub-50-Dollar-Öl.

Hier noch eine andere Sache: Wer hat vorausgesehen, dass die EZB den Feds die QE-Last abnehmen würde? Nun, vielleicht einige wenige Menschen, vermutlich… selbst ich hab es in Teilen sehen können. Doch, wie Sie sich erinnern werden, haben die Feds ihren “Kegel” schon verbreitet. Stufenweise würden sie ihre monatlichen Anleihenkäufe auf Null reduzieren. Das würde etwa 1 Billionen Dollar in Kaufkraft vom Markt nehmen.

Einige Mitglieder der Kommentatoren sahen da Schwierigkeiten voraus – inklusive meiner Wenigkeit. Wie kann man den größten Bieter vom Markt nehmen und dann keinen Kursabfall erwarten? Selbst wenn die EZB mit ihrem großen Geldbeutel einsteigen würden, könnten sie die mächtige Fed nicht ersetzen. Doch die Kurse für US-Staatsanleihen sind nicht gefallen. Oder, zumindest sind sie bis jetzt nicht gefallen.

Diese lieben Europäer haben ihr eigenes Kauf-Programm gestartet – in Höhe von 60 Milliarden Euro (67 Milliarden Dollar) pro Monat. Was wird sonst noch kommen? All das allein macht noch keinen so großen Unterschied. Sie kaufen nicht direkt die amerikanischen Aktivposten. Und sie beginnen gerade erst. Doch der Dollarkurs stieg mehr, als alle erwarteten. Die europäische und die japanische Währungsabwertung müssen sich darum kümmern. Und jetzt schaut sich der europäische Investor um und fragt sich selbst, welches Übel er wählen soll.

Noch letzten Oktober nannte Chris Hurt Ihnen fünf Gründe, wieso ein Ende des Bullenmarktes bei Staatsanleihen weit von dem entfernt sein könnte, was alle erwarten. Aber nahezu keiner sah das EZB-Programm, zusammen mit dem tiefen Öl Kurs und dem steigenden Dollar der einen solchen Abfall der Gewinne aus Staatsanleihen bewirken könnte.

Das stimmt mich nachdenklich.

Wahrer Fortschritt
von Bill Bonner

Ich bin nun seit zwei Wochen in Nicaragua. Die Sonne schien jeden Tag. Die Temperaturen bewegten sich stets zwischen 25 und 30 Grad Celsius. Hier am pazifischen Ozean hält der Wellengang an. Es kommt eine nach der anderen, wie Drinks in der Happy Hour. Doch Nicaragua ist keineswegs nur ein verschlafener, mittelamerikanischer Zufluchtsort. Die Wirtschaft hier hat eine Wachstumsrate, die der von China gleicht. Im letzten Jahr lag die offizielle Wachstumsrate des BIP bei 7%.

Lastwagen füllen die Straßen. Touristen füllen die Bars und Strände. Nahezu überall wohin man geht sieht man neue Autos, neue Restaurants, neue Geschäfte und Unternehmen. In der Tat wirkt alles etwas rau und ungeordnet – mit unbebauten Grundstücken, die übersäht sind mit Müll, halbfertigen Häusern am Straßenrand und einigen zweirädrigen Karren, die von Ochsen gezogen werden.

Doch dies ist der Weg, wie wahrer Fortschritt funktioniert: es ist chaotisch, wie bei einem Teenager, nicht sorgsam organisiert, wie ein älterer Mitbürger. Entlang der „pazifischen Riviera“, die einst ein verlassener Strand war, wimmelt es jetzt von Surfern, Familien und Rentnern. Es sieht hier aus, wie in Kalifornien, mit den vielen Surfern auf dem Wasser. Aber die Umgebung zeigt auch ihre Jugend.

Die Hunde rennen unangeleint den Strand hinauf und hinab. Kleine Kinder spielen nackig im Sand. Andere Kinder reiten auf Pferden und platschen durch die Meeresbrandung. Die Häuser stehen hier direkt am Strand – genau wie in Malibu oder Delray Beach. Doch hier gibt es keine Warnflaggen oder Lifeguards… und augenscheinlich keine Regeln.

„Wenn du hier etwas Geld machen willst, solltest du Land an der Küste kaufen.“, sagte mir mein alter Freund.

Um es mit den Worten von Will Rogers zu sagen: „Sie machen heute einfach keine Orte mehr wie diesen.“ Ein wunderschöner Strand. Beeindruckende Ausblicke von den Bergen. Großartiges Wasser. Warmes Wasser. Günstige und gut gelaunte Haushaltsangestellte. Wenn die Nordamerikaner realisieren, was Nicaragua alles zu bieten hat, wird es einen Ansturm auf das Land geben. Vielleicht… (Seite 2 )




 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

5 Kommentare auf "Bitte anschnallen! Unfälle direkt voraus…"

  1. Sandra sagt:

    Eine Nachahmung ohne den Mehrwert der Eigenleistung
    ist
    keine Kommunikation
    kein Austausch
    kein wirtschaften
    ist also nicht ‚der Markt‘, wenn auch ein in sich stagnierender Teil davon.

    Natürlich kann dies etwas durch den Handel abgemildert werden, indem lediglich der Handel die Eigenleistung darstellt.
    Der Handel liefert.

    Handelsmarktplätze dienen dem Markt durch Handel und nie anders herum. Wenn doch, dann ist dies nur der Fall, wenn der Markt keine Lösungen hervorbringt.

    Der Markt ist lösungsgetrieben.
    Eine Nachahmung ohne Mehrwert kann alles mögliche sein, auch wenn man Eigenleistungen der Produktion und des Handels erbringt. Tut man es einem anderen gleich (kopiert) ist man nicht auf Seite des Marktes. Damit tötet man die dienende Hauptfunktion des Marktes: den Fortschritt, den Herzschrittmacher, der der Vielfalt dient und durch Vielfalt entsteht.

  2. Sandra sagt:

    zwanghaftes Verhalten
    kommunizieren und wirtschaften sind austaschen. Symbolisch stehen dafür der Markt, Handel und Handelsmarktplätze. Dies ist ein haltgebendes Sicherheitsnetz, das der steten und gleitenden Veränderungen unterliegt – dem Fortschritt aller in dienender Art und Weise.

    Wird Veränderung als Unsicherheit aufgefasst. Ein Anderssein als Unordnung und nicht haltgebend, dann sucht man woanders nach Sicherheit und kreiert entsprechende Lösungen. Das Verhalten von artgerechten Zerstörern wiederholt sich und setzt sich überall fort.

    Handlungsgrundsatz: Mach kaputt, was dich kaputt macht.

    Für die Sichtweise, daß man dadurch sein eigenes Fundament zerstört, im Grunde genau das, was man sucht, kann – will – möchten Zerstörer nicht verstehen. Dies ist auch nachvollziehbar, da sie ja vollends die Bestätigung durch Andere Zerstörer genießen und daher in der Wahrnehmung und im Reflexionsvermögen gestört sind.

  3. Michael sagt:

    Passen zum Thema … weniger zum Artikel.

    Die CDOs kehren unter dem Deckmantel BTO – Bespoke Tranche Opportunities im gewohnt ‚maßvollen‘ Volumen zurück.

  4. Sandra sagt:

    Eine kleine Bitte: unterlasst doch mal die Hetze auf bestimmte Berufsgruppen.
    Im übrigen bekenne ich, ich bin auch Ökonom, sogar mit Diplom. Ich bin noch einiges mehr und daher evtl. ein anderer, der eben nicht der üblichen Charakteristik entspricht, doch das tun viele andere auch nicht. Innerhalb meiner Berufsgruppe bin ich daher nicht konform, doch marktkonform allemal.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.