Bitcoin: Schon wieder im Rallye-Modus…

22. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Der unaufhaltsame Anstieg der Kryptowährungen könnte den Zentralbankbürokraten sogar ganz gelegen kommen, weil der Aufstieg von Internetwährungen wie Bitcoin und Co ein Indiz dafür ist, dass die bestehende Geldordnung von immer mehr Menschen hinterfragt wird…

Dazu zählen ganz aktuell der Bitcoin, oder auch Ethereum, die Edelmetalle natürlich, aber auch exotische Geldsystemmodelle, die derzeit kaum jemand auf dem Schirm hat. Beginnen wir mit dem Bitcoin:

Entstanden ist die Kryptowährung im Jahr 2008. Das ist natürlich kein Zufall: Spätestens auf dem bisherigen Höhepunkt der Geld- und Finanzkrise wurde vielen Menschen bewusst, dass Alternativen zum grenzenlos vermehrbaren Papiergeld dringend erforderlich sind.

Das ist deshalb auch eine der wichtigsten Eigenschaften der Bitcons: Die Menge umlaufender Einheiten ist auf 21 Millionen begrenzt. Die bei Papiergeld übliche und seit Jahrhunderten praktizierte grenzenlose Inflationierung wird damit zuverlässig verhindert.

Papiergeld leidet dagegen nicht nur unter chronischer Inflation. Zur mehr oder weniger schleichenden Entwertung gesellen sich die unsoziale Verteilung von Einkommen und Vermögen: Papiergeld zerstört „zuverlässig“ Wohlstand und wirtschaftliche Abläufe, indem systembedingt regelmäßig „Boom-und-Bust-Zyklen“ ausgelöst werden. Auf diese Weise wird die Verschuldung der Volkswirtschaften immer weiter in die Höhe getrieben. Ein Unding.

Doch solange Politik und Zentralbanken am Fiat-Geld festhalten, ist damit zu rechnen, dass die Konsequenzen dieser kranken Geldordnung immer stärker durchschlagen werden.

Erst Crash – dann Paukenschlag…

Beim Bitcoin kam es nach der jüngsten Kurshalbierung zu einem Paukenschlag: Binnen kürzester Zeit konnte sich der Kurs erneut verdoppeln. Im folgenden englischsprachigen Artikel werden fünf Gründe für die neuerliche Rallye ausgemacht:

Es wird erwartet, dass zwei weitere Bitcoin-Versionen die weltweite Akzeptanz der Kryptowährung weiter steigern werden.

Anleger spekulieren darauf, dass China seine kürzlich geschlossenen Bitcoin-Börsen wieder öffnen könnte.

Gerüchten zufolge soll der Online-Handelsriese Amazon (AMZN) die Bezahlung mit Bitcoins ermöglichen.

Immer mehr Anleger scheinen zu befürchten, das Beste zu verpassen und treiben so die Bitcoin-Kurse…

Auch an der Wallstreet wird die Internetwährung allmählich wahrgenommen. Erste Bitcoin-Fonds werden aufgelegt.

Muss man da also jetzt unbedingt dabei sein? Wir rechnen einmal:

Der Bitcoin kommt bei angenommenen 21 Millionen Stück und Kursen von 5.500 US-Dollar aktuell auf einen (theoretischen) Börsenwert von rund 115 Milliarden US-Dollar. Das heißt, sollte sich der Kurs ver7fachen, was durchaus denkbar erscheint, kommt die Währung auf ein (theoretisches) Börsengewicht, das in etwa dem Apple-Konzern entspricht.

So gesehen ist die Bewertung schon heute einigermaßen ambitioniert, denn man muss dabei ja bedenken, dass mittlerweile weit über 1.000 Kryptowährungen existieren, die alle einen Anteil am Gesamtmarkt der Internetwährungen für sich beanspruchen werden.

Aktuelle Kurse für Bitcoin

Doch auch ganz andere Kursziele wurden ja kürzlich bereits herumgereicht. Nehmen wir also an, der Wert eines Bitcoins würde tatsächlich auf eine Million US-Dollar klettern. Bei angenommenen 21 Millionen Bitcoin, die langfristig maximal geschaffen werden können, würde dies in etwa einem Drittel der Weltwirtschaftsleistung eines Jahres entsprechen. Für eine einzige Kryptowährung wohlgemerkt.

Nimmt man allerdings die weltweite Geldmenge hinzu, relativiert sich die Betrachtung etwas: Derzeit sollen weltweit etwa zwei Billiarden US-Dollar an „Papiergeldansprüchen“ existieren. Genau weiß das niemand. Sollte jedoch nur ein Prozent dieses Geldes in Bitcoin umgeschichtet werden, könnte eine Einheit der Kryptowährung tatsächlich in der Gegend von einer Million US-Dollar notieren.

Immer vorausgesetzt natürlich, dass die Notenbanken keine eigene Kryptowährung etablieren, das Internet immer zuverlässig arbeitet und keine Fehler in den Protokollen der Kunstwährungen auftauchen. Das bedeutet: Bei einer sich zuspitzenden Geldsystemkrise führt an den Edelmetallen auch weiterhin kein Weg vorbei.

Was allerdings denkbar wäre:

Der unaufhaltsame Anstieg der Kryptowährungen könnte den Zentralbanken sogar ganz gelegen kommen. Im Sinne einer gerne tolerierten „falschen Fährte“ könnte man dem Treiben noch eine ganze Weile zusehen, um so die breiten Anlegerkreise möglichst lange von den Edelmetallmärkten fernzuhalten.

Platzt zu einem späteren Zeitpunkt dann die Blase bei Bitcoin & Co, haben Banken und Zentralbanken genügend physische Edelmetalle eingesammelt um selbst eine ähnliche Währung ins Leben zu rufen. Möglicherweise mit einer Golddeckung. Damit hätte man allen nur scheinbar etablierten Kryptowährungen im Handumdrehen das Licht ausgeblasen. Vor dem Hintergrund der weiter anhaltenden Goldkäufe der Zentralbankbürokraten wäre ein solcher Schritt gar kein Problem: Niemand besitzt so viel Gold wie die Zentralbanken…

Eines sollte man dabei dabei bedenken: Dass Finanzhäuser und Zentralbanker das einträgliche Geschäftsmodell der Geldversorgung großer Volkswirtschaften „einfach so“ privat organisierten Internetwährungen überlassen, halten wir für ziemlich ausgeschlossen.

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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