Bitcoin – eine weitere Tulpenmanie?

6. September 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Der Preis für Bitcoin liegt bei über 4.800 Dollar. Was das bedeutet, wissen wir nicht. „Es ist wie mit der Tulpenmanie… nur eine Blase“, sagte ein Freund gestern Abend. „Na ja… ja und nein“, warnten wir vor einem vorschnellen Urteil. „Es kann zwar eine Blase sein, aber es ist nicht nur eine Blase.“…

Vater weiß es am besten

Im Juni drängte einer unserer Söhne die Familie dazu, etwas Geld in Bitcoin und mindestens eine andere Kryptowährung zu stecken. Wir haben versucht, ihn davon abzubringen, und warnten die jungen Leute, dass es „reines Glücksspiel“… und „pure Spekulation“ sei. Wir machten deutlich, dass Vater es am besten weiß – Bitcoin ist nicht der richtige Platz für Ersparnisse.

Wir waren ziemlich zuversichtlich, dass es ihnen um die Ohren fliegen würde. Aber wir machten trotzdem mit. Der unvermeidliche Verlust ist schließlich ein kleiner Preis für die moralische Unterweisung. Bisher jedoch haben sie die falsche Lektion gelernt.

„Unsere Investition hat sich verdoppelt“, war der Stand von heute Morgen.

„Äh, es ist keine Investition“, antworteten wir.

„Okay, aber es ist die beste Spekulation, die wir je gemacht haben.“

Bitcoin war auch gestern Abend das Gesprächsthema: Wie funktioniert es? Wie hoch wird es noch gehen? Benutzen es nur Geldwäscher und Drogendealer?

Ein weiterer unserer Söhne, Henry, war zur Stelle, um zu antworten.

Krypto-Blase

„Es gibt jetzt mehr als 1.000 Kryptowährungen“, fing er an.

„Allerlei neue sind auf den Markt gekommen… jede mit ihrer eigenen Besonderheit. Es gibt Monero (völlig anonym), Dash (Instant Payments), Astraleums (voll programmierbar)… PutinCoin wurde nach dem russischen Präsidenten benannt. Einige dieser Währungen sind durch Gold gedeckt. Andere haben bestimmte Vorteile – wie der WhopperCoin in Russland. Er gibt Burger-King-Kunden Guthaben, das in der Fast-Food-Kette eingelöst werden kann.

Und letzte Woche kündigte Estland an, dass es die Einführung einer offiziellen, staatlich geförderten Kryptowährung, ‚Estcoin`, in Betracht zieht.

„Es ist eine Blase“, fuhr Henry fort, „in dem Sinne, dass eine Menge Leute Dinge erwarten, die nie passieren werden. Nimm zum Beispiel die Blockchain, die Technologie die allen Kryptowährungen zugrunde liegt. Sie wird wahrscheinlich keine ganz neue Form von ‚Smart Contracts` – Verträge, die per Computer-Code ausgeführt werden – schaffen, wie manche Menschen glauben.

Die Menschen extrapolieren ziemlich wild. Es ist wie im letzten Jahrhundert, als das Automobil erfunden wurde. Die Leute dachten, dass wir bald fliegende Autos hätten. Aber jetzt haben wir 100 Jahre später, und Autos fliegen immer noch nicht. Die Technologie erlaubt Autos eben nur zu fahren, nicht zu fliegen.

Und es gab die Dotcom-Blase… als die Leute dachten, dass es die Welt revolutionieren würde, wenn man Informationen jederzeit verfügbar hätte. Man dachte, dass die Menschen in abgelegenen afrikanischen Dörfern sich ihre eigenen 3D-Drucker bauen würden. Stattdessen spielen sie nur Spiele.

Das ist eine andere Sache, die nie gut laufen wird – 3D-Drucker. Sie sind eine Spielerei… nichts, dass die Produktion revolutionieren wird. Und denk mal an die Begeisterung über die Nanotechnologie. Eine japanische Firma hatte eine Miniatur-Maschine gebaut… so klein wie ein Reiskorn. Und sie sollten fähig sein, die ganze Welt nachzubauen, Molekül für Molekül. Was ist daraus geworden?

Das Gleiche könnte man über künstliche Intelligenz sagen. Die Leute reden seit Jahren darüber. Aber es passiert nichts. Echte Intelligenz ist schon schwer genug zu finden. Künstliche Intelligenz – wir wissen nicht einmal, was das ist.“

Digitales Bargeld

„Es wird also auch einige große Enttäuschungen und einige große Verluste bei Kryptowährungen geben. Und vielleicht wird das Ganze in die Luft gehen. Aber ausgehend von dem, was wir bisher gesehen habe, funktioniert die Blockchain… für Geld. Und Geld ist wertvoll.

Nicht, weil es von der Regierung unterstützt wird. Oder durch Gold. Oder von einer Bank. Es ist wertvoll, weil es als digitales Bargeld funktioniert. Tulpenzwiebeln haben das nie. Darum ist es neu. Und spannend. Und niemand weiß, wie es einmal kommen wird.“

Henry interviewte kürzlich einen der französischen Experten für Kryptowährungen, Philippe Herlin. Als er fragte, wo der Preis von Bitcoin einmal landen könnte, antwortete Herlin:

Welchen Preis wird es irgendwann mal haben? Die einen sagen über 100.000 Euro (120.000 Dollar). Das wäre ein Marktwert von 2,5 Billionen Dollar. Nicht viel im Vergleich zu anderen Märkten für Vermögenswerte.

100.000 Euro ist eine erreichbare Zahl. Bitcoin ist ein Vermögenswert, der im Laufe der Zeit an Wert gewinnt. Selbst bei 100.000 Euro gibt es noch Potenzial für Wachstum. Diese Vorhersage ist nicht unrealistisch.

„Das Interessanteste ist“, fuhr unser Sohn fort, „dass nichts – nicht Dotcoms… nicht Gold… nicht einmal Tulpenzwiebeln… jemals so viel Geld gemacht hat.

Und etwas Vergleichbares hat es bisher niemals gegeben. Satoshi, der Kerl, der Bitcoin erfunden haben soll, hat Münzen im Wert von ungefähr 2 Milliarden Dollar. Vor acht Jahren waren sie nichts wert. Er hat sie nie angerührt. Warum auch nicht?

Man würde meinen, dass er gern etwas von seinem Geld vom Tisch nehmen würde. Vielleicht ist er tot. Oder vielleicht hat er das Passwort zu seiner Bitcoin-‚Brieftasche` verloren. Das ist das Neue bei Bitcoin. Sie kommen aus dem Nichts. Aber sie können auch wieder im Nichts verschwinden.“
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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