Bitcoin, Blockchain und Emerging Markets

4. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Volatilität an den Währungsmärkten hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Obwohl die Kursverluste mancher Emerging Markets Währung beachtlich sind, ist bisher von Kapitulation noch nichts zu sehen. Wenn es so weiter geht ist sogar der Bitcoin bald stabiler als manch ehemaliger Devisenstar…

Vor einigen Jahren ächzten brasilianische Offizielle unter einem vermeintlich zu starken Real. Wie immer schwitzen wegen einer zu starken Währungen selten die Einwohner eines Landes sondern in der Regel die Beamten. Das gilt vor allem in den Ländern, in denen eine ständige Schwäche der eigenen Währung von Kindesbeinen an zum Alltag gehört. Die schwächelnde Währung in Verbindung mit der stets vorhandenen Inflationssteuer wurde und wird bemerkenswerterweise als Garant für eine halbwegs stabile Wirtschaft angesehen. Das ist einigermaßen erstaunlich, denn das Geschichtsbuch ist arm an Beispielen von Ländern, die wegen einer ständig stärker werdenden Währung das Zeitliche gesegnet haben. Aber auch die Politik ist auf die Schiene der Quartalsbericht-Anbeter eingeschwenkt.

Angesichts der gerne auch von Vertretern großer Exportfirmen hoch gehaltenen Wirtschaftstheorie der Dauerabwertung müsste es in den Emerging Markets zu einem unermesslichen Boom kommen. Von diesem könnten sich dann – Kehrseite der Medaille – viele nicht viel kaufen, es sei denn man schafft es im Gleichschritt mit der Abwertung die inländische Produktion zahlreicher Güter, von der Ackerfrucht über den Computer bis zur Drehmaschine hochzufahren. Angesichts des raschen Zerbröselns mancher Währung wird man allerdings technischen Probleme bei der Umsetzung in die Arme laufen. Aber das ist natürlich kein Problem der Theoretiker, denn wie heißt es so trefffend: In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Die Geschwindigkeit der Abwertung mag der Ausnutzung vorhandener Kapazitäten im Exportsektor helfen. Da die Ausrüstungsinvestitionen in vielen Fällen in Fremdwährungen anfallen, ist es mit der Ausweitung der Kapazitäten so eine Sache. Die Abwertungskatze beißt sich an dieser Stelle in den Schwanz. Aber wer redet schon vom lästigen Import.

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Während der eine oder andere Carry-Trader derzeit aus dem Staunen ebenso schlecht herauskommen dürfte wie aus seinen Positionen, dürfte die aktuelle Kursbewegung nicht dazu geeignet sein, mehr Kapital anzulocken.

So steigt der Preis der ausländischen Güter und gleichzeitig legen die Fremdkapitalkosten zu. Schon eine tolle Sache, so eine dahinsiechende Währung. Besonders putzig ist und war die Diskussion der letzten Tage um die „Abwertung“ des chinesischen Renminbi. Vor allem in Europa wurden Klagegesänge angestimmt. Der deutsche Autobau werde Probleme bekommen klang es aus den Werkshallen, sie kennen den Refrain. Natürlich werden die deutschen Autobauer Probleme bekommen. Vor allem werden die deutschen Standorte Probleme und daher wohl auch mal wieder staatliche Unterstüzung bekommen, aber das liegt sicherlich nicht an der Zuckung des chinesischen Renminbi.

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Hier noch der langfristige Verlauf des Renminbi zum Euro. Es ist bemerkenswert und geradezu unwürdig, wie bei kleinsten Kursbewegungen implizit nach der Kollektenbüchse gerufen wird.

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Auch die angestiegene Vola beim DAX führte bei einigen Berichterstattern zum mittlerweile geradezu pawlowschen Reflex, die Frage nach staatlichen Maßnahmen in den Raum zu schleudern. Eine tolle Idee. Vielleicht lassen wir Siggi Pop („Was wollen wir kaufen, sieben Tage lang“) und Claudia Roth („Macht kaputt was Euch kaputt macht“) gemeinsam ein Lied aufnehmen. Mit den zweifellos horrrenden Einnahmen kann dann Herr Riester einen neuen Fonds auflegen.

Die folgenden Grafiken zeigen die Kursverläufe einiger wichtiger Emerging Markets Währungen in den letzten zwölf Monaten.

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Hoppla. Eine Kurve zeigt mit dem Bitcoin einen guten alten Bekannten. Obwohl das Interessante am Bitcoin vielleicht gar nicht die Nutzung einer digitalen Währung sondern die Idee der Blockchain und deren Implementierung für dezentralisierte Settlementprozesse ist, ist der Blick auf den Kursverlauf des BTC interessant.

Auf Grund der oft einseitigen Perspektive des Heimatmarktes folgt nun noch ein Bild, wie es sich rund 200 Millionen Brasilianern zeigt (wenn es sie denn interessiert).

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Auch in diesem Währungspaar ist so einiges los. Wir wissen nicht, wie viele Brasilianer oder Menschen in Emerging Markets sich mit Bitcoins oder dessen Verwandten beschäftigen. Von einem Sturz in die Bedeutungslosigkeit, von dem man es auf Grund des eingebrochenen Interesses der meisten Medien ausgehen könnte, kann keine Rede sein.

Die Kursentwicklung des Bitcoin ist vielen bekannt. Es gab einen dramatischen Anstieg und einen darauf folgenden Kollaps – zumindest gegen den US-Dollar. Das hat mittlerweile auch manch andere Währung hinter sich gebracht. In den kommenden Quartalen wird aber wohl eher Debatte um die Nutzung der Blockchain im Finansektor mit dem Schwerpunkt auf dem Settlement an Fahrt gewinnen. Eine Nutzung der auch dem Bitcoin zu Grunde liegenden Technologie dürfte auch für die Crypto-Währungen einen Akzeptanzschub bringen. Ob jeder einzelne diese Entwicklung begrüßt oder nicht, dürfte für die Ausbreitung keine große Rolle spielen

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Gute Erläuterungen zu Bitcoin und Blockchain (Kahn Academy, englisch)

 

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