Bitcoin bei der Post – In Österreich

16. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nach einer kleinen Panik im Hühnerstall der Cryptocurrencies beruhigen sich derzeit die Wogen. Die Diskussion um Änderungen im Bitcoin-Protokoll führten zu vielen mehr oder weniger beruhigenden Szenarien. Jetzt hat sich der Nebel gelichtet...

Die Möglichkeiten reichten von „konstruktiven Verbesserungen“ bis hin zur gerade vollzogenen Aufspaltung der Bitcoin-Blockchain und somit zwei separaten Coins. Wer bitcoin (BTC)  in seinem wallet hat findet nun auch die gleiche Anzahl neuer bitcoin cash-Coins (BCH) in seinem wallet.

Viele aber nicht alle Börsenbetreiber sorgen dafür, dass ihre Nutzer die bitcoin cash-Coins auch bekommen. Diese mögliche Willkür ist neben der Unsicherheit dieser Handelsplätze ein Grund warum wir davor warnen Börsen zu nutzen. Sinnvoller ist die Nutzung von wallets und der Einsatz dezentraler Börsen für den Tausch von Cryptos. Zentralisierte Handelsplätze widersprechen dem Gedanken der dezentralen nicht kontrollierten blockchain. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die ehemaligen Nutzer von MtGox und Co. Fragen Sie den Anbieter ihres wallets oder, wenn Sie doch noch bei einer Börse sind, den Betreiber, wie sein Plan hinsichtlich bitcoin cash ist. Die meisten Anbieter haben vor dem 1. August entsprechende Stellungnahmen verfasst und auf ihren Webseiten veröffentlicht.

Die vollzogene Aufspaltung der blockchain ist eine hard-fork. Die neue bitcoin-cash chain hat laxere Standards, damit sind bitcoin cash und bitcoin nicht kompatibel. Man spricht daher bei dieser Aufspaltung von einer „hard fork“. Der Grund für die Abspaltung liegt vor allem in einer unterschiedlichen Auffassung hinsichtlich der so genannten Blocksize. Vereinfacht gesagt kann bitcoin cash über eine größere Blocksize mehr Transaktionen in einer Transaktionsliste unterbringen und abarbeiten. Das steigert die Kapazität, also die Fähigkeit zur Abarbeitung einer größeren Menge von Transaktionen, und die Geschwindigkeit. Beides sind wichtige Punkte, wenn eine Cryptowährung weltweit in nennenswertem Umfang für den Zahlungsverkehr eingesetzt werden soll. Daher hat die Idee von bitcoin cash durchaus Charme. Das klingt alles kompliziert, ist aber simpel.

 

Unterdessen breitet sich die Nutzung digitaler Währungen weiter aus. Vor allem in Asien sind die Berührungsängste gering und die Akzeptanz demzufolge enorm. Das gilt nicht nur für die so genannten Emerging Markets sondern insbesondere für Japan. Hier finden sich nahezu täglich neue Meldungen über Firmen und ganze Ladenketten, die digitale Währungen akzeptieren.

Während ein Großteil der aktuell aus dem Boden sprießenden coins wohl verschwinden werden, sollte es niemanden überraschen, wenn sich die eine oder andere Währung langfristig durchsetzt. Die Vorteile sind schon bei der Betrachtung als parallele Möglichkeit von online-Zahlungen ohne zwischengeschaltete Banken augenfällig. Dazu gesellen sich die sich aufdrängenden Möglichkeiten der Einbindung von Zahlungsverkehr in autonome Softwaresysteme oder des Aufbaus echter digitaler Asset Manager ohne Counterparty-Risiken.

Auch aus staatlicher Sicht sind Cryptos keine Feinde sondern ermöglichen, je nach Umsetzung, sogar vollständige und immerwährende Transparenz, die nur einfachste Kontrollfunktionen und keinen großen Apparat benötigt. Die Darstellung, Cryptos und Staaten seien natürliche Gegenspieler ist nicht korrekt. Einige Umsetzungen sind den Staaten ein Dorn im Auge, andere werden vermutlich vereinnahmt werden. Der natürliche Gegenspieler der Cryptos und der Blockchain sind Banken und Asset Manager, deren Geschäftsmodelle oder zumindest deren Gebühren schon in naher Zukunft nicht mehr zu halten sein werden. Es gibt vemutlich schlimmeres für die Mehrheit der Menschen.

Die größten Bewegungen innerhalb Europas finden sich in der Schweiz. Hier gibt es eine Menge Firmen, die sich frühzeitig und professionell mit den Möglichkeiten der Technologie auseinandersetzen, wie etwa ShapeShift. Aber auch in unserem schönen Nachbarland Österreich ist die Präsenz höher als in Deutschland. Nicht nur an den Automaten der Schweizer Bahn kann man daher bitcoins kaufen, auch die Österreichische Post bietet den Kauf verschiedener Cryptos an.

Die „Presse“ schreibt dazu:

(Die Presse) Das Kunstgeld Bitcoin und andere digitale Währungen können ab sofort österreichweit in allen 1.800 Post-Standorten erworben werden. Die Post kooperiert dabei mit „bitpanda to go“, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Der Strom- und Gasversorger Switch, Tochter der EAA-EnergieAllianz Austria, akzeptiert ab sofort Bitcoins. Damit wolle man vor allem digitalaffine Kunden und Interessenten ansprechen.

Alleine für den Begriff „Kunstgeld“ hätte sich dieses Zitat gelohnt. Immerhin wissen wir, dass wir beim Gedanken an das „richtige Geld“ an Manufakturen denken sollten, in denen ausgewählte Künstler mit größter Sorgfalt Geld herstellen. Da kann der digitale Kram nicht mithalten, auch wenn Geld generell nicht der Natur entsprungen ist.

Sei es wie es ist. In allem dem Hype um Kryptowährungen und ICOs wächst mit zunehmendem Einsatz von bitcoins, Dash und Konsorten auch die Gewohnheit, diese einzusetzen.

Auch von regulatorischer Seite gibt es derzeit Rückenwind. In den USA hat die CFTC (Commodity Futures Trading Commission) die Registrierung der Handelsplattform LedgerX als Swap Execution Facility vorgenommen. Das ist eine Art Ritterschlag, der aber vor dem Hintergrund zu sehen ist, dass es den Regulieren und der Branche darum gehen wird, die zentralisierten Strukturen, die seit zig Jahren vorherrschen, in die Neuzeit zu retten. Alter Wein in neuen Schläuchen also und somit ein vielleicht nur hilfloser Versuch, den status quo mit den auskömmlichen Margen über die Zeit zu retten.

CFTC Grants SEF Registration to LedgerX LLC

Washington, DC — The U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC) announced today that it has issued an Order of Registration to LedgerX LLC (LedgerX), granting it registration status with the CFTC as a Swap Execution Facility (SEF). LedgerX is a limited liability company registered in Delaware with its primary place of business in New York, NY.

Man darf gespannt sein ob und wann die nächsten Anläufe starten, zugelassene Anlagevehikel zu platzieren.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , ,

Ein Kommentar auf "Bitcoin bei der Post – In Österreich"

  1. Otto sagt:

    Mit Erstaunen und Bewunderung nehme ich als schon älterer Bürger zur Kenntnis, wie die Jüngere Generation Problembereiche übernimmt, welche eigentlich Kernaufgaben eines jeden Staates sind und von diesem nicht sachgemäß gestaltet werden.
    Man kann nur hoffen, dass ähnliche Lösungen nicht im Bereich Sicherheit statt finden.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.