Bit-Gold & Lite-Gold: KryptoGeld auf dem Vormarsch?

7. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der Bitcoin ist in der Nacht über die Marke von 200 Euro gestiegen. Rekord. Erstaunliches tut sich im Markt für kryptographische Währungen. Krypto…was? Bitcoins und auch Litecoins machen zunehmend Furore. Es sind Kunstwährungen, Geld ohne Herren und Hüter. Und seltener als Gold…

Inzwischen wird von ihnen auch in Zeitungen berichtet. Blase – Crash – Blase – Crash… Was kommt als Nächstes?

Wir werden uns dem Thema künftig etwas ausführlicher widmen. Das Krypto-Geld könnte etwas Großes werden, aus einfachen Gründen: Seine Begrenztheit im Gegensatz zum den jetzigen Zahlungseinheiten und auch einem gewissen Herdentrieb, wobei der Begriff „Herde“ im Gegensatz zu Apple, Facebook & Co. völlig übertrieben scheint. Am Donnerstag geht übrigens Twitter an die Börse. Das nenne ich Herde!

Wenn von Bitcoins die Rede ist, denken die meisten an die wilden Kursorgien im Frühjahr 2013, als die Konten auf einer kleinen Mittelmeerinsel gezypert wurden. Auf dem Hochpunkt der Zypern-Geschehnisse jagte der Preis für die damals rund 11,5 Millionen Bitcoins auf bis zu 270 US-Dollar. Wobei hinter einem Bitcoin nichts stand und steht – höchstens der Wille, sie zu besitzen. Und dieser Wille war offenbar gegeben, so dass die Flut an Geldern die Preise der Bitcoins nach oben schleuderte, als ob der Rhein hier in Gernsheim durch mein Arbeitszimmer fließen wollte.

Bitcoins sind eine Anti-Währung wie Gold und Silber, wobei weder Staat noch Notenbank ihre Finger im Spiel haben. Ein Anti-Geld… wenn es so etwas geben sollte.

Sofort war in den Medien von einer Blase die Rede, wobei vorher natürlich nicht der Boom angekündigt wurde, als die Bitcoisn von unter einem US-Dollar das Stück sich vertausendfachte. Und just in diesem Moment krachte der Kurs um 60 Prozent ein. Spielsucht, unseriös, Spekulation, Irre…

Im Hochpunkt dieser Schlagzeilen begann der Kurs wieder zu steigen, um jetzt die alten Stände erreicht zu haben. Der Preis der Bitcoins hängt künftig von drei Faktoren ab:

a) Hält der Geldfluss oder die Flucht aus den herkömmlichen Verrechnungseinheiten an?
b) Ist das System stabil?
c) Werden die Hüter der gegenwärtigen Währungen dem Spiel zuschauen oder kommt es zu einem Verbot?

Ein paar Überlegungen

Die Zahl der Bitcoins beläuft sich zum derzeitigen Moment auf 11,9 Millionen Stück. Computer erzeugen sie in einem komplizierten Rechenmodus. Täglich werden es mehr, aber jeden Tag entstehen ein paar weniger Bitcoins als am Vortag, so dass ihre Zahl im Jahr 2140 auf 21 Millionen gestiegen sein wird, also auf die doppelte Zahl von jetzt.

Im Gegensatz zu einer Aktie können davon nicht zig Millionen neu erzeugt werden. Allerdings gibt es bei Aktien bei entsprechend hohen Kursen oft Aktiensplits. Das heißt, dass die Anzahl der Aktien steigt, obwohl es das gleiche Unternehmen ist. Nur mit Kapitalbedarf, wenn bei Kapitalerhöhungen Millionen neuer Papiere verkauft werden. Nicht bei den Bitcoins. Das ist keine Firma, die an die Börse gehen könnte…

Bei Bitcoins ist dieser Split längst eingebaut, da sie mit Kommastellen gehandelt werden. Von einer Aktie kann man schlecht 3,5 Stück besitzen 0der 0,0035 Stück. Beim Bitcoin verschiebt man die Kommastelle nach rechts um die gewünschte Position. So könnte man auch sagen, es gibt nicht nur 11,9 Millionen Stück, sonder 11,9 Milliarden 1000stel Stücke oder noch kleineren Formen. So ist es Unsinn zu behaupten, man kann die Bitcoins nur stückweise besitzen. Vielleicht ist ein einziger Bitcoin künftig ein großes Vermögen?

Die gegenwärtige Marktkapitalisierung der Bitcoins liegt gerade bei 2,7 Milliarden US-Dollar oder zwei Milliarden Euro, also dem Börsenwert von Salzgitter oder Aurubis aus dem M-DAX bzw. der Hälfte des Börsenwertes von Kali & Salz aus dem DAX. Die Zahl der Aktien kann bei K+S durch eine Kapitalerhöhung von derzeit 191,4 Millionen Stück plötzlich verdoppelt werden. Die Zahl der Bitcoins allerdings nicht. Hier zeigt sich die Begrenztheit… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2 3

Schlagworte: , ,

7 Kommentare auf "Bit-Gold & Lite-Gold: KryptoGeld auf dem Vormarsch?"

  1. stephan sagt:

    „Im Gegensatz zu einer Aktie können davon nicht zig Millionen neu erzeugt werden.“

    Ich will ja nicht der Bitcoin-Spaßverderber sein: Aber ich bin sehr verwundert über den Glaube daran, dass die Anzahl der Bitcoins (die von einem Computer produziert wurden!) nicht manipulierbar ist bzw. sein soll.

    Wir haben alle selbst an kontrollierten, also unter Aufsicht stehenden Märkten erlebt, wie und in welchem Umfang manipuliert wurde. Aktien in DAX und Neuer Markt, Libor, Edelmetalle um nur einige zu nennen. Auch Kurse und damit Renditen von Staatsanleihen werden – ganz offiziell – manipuliert.

    Warum sollte man den Aussagen von Leuten (= Erfindern) und einer von diesen erfundenen (Computer!-) Technik vertrauen, die man allein aufgrund einer von diesen kommunizierten Plausibilität des Produktes beurteilen kann.

    War das nicht bei den Haffa-Brüdern und ihrem Produkt EM-TV genau das Gleiche? Und diese standen sogar unter (Börsen-) Aufsicht, die immerhin bestimmte Regeln vorgibt.

    Allein: Vor Betrug ist niemand geschützt! Und es hat sich in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass neuartige Geschäftsmodelle (die bei genauer Betrachtung gar nicht neu sind, sondern bloß in einem anderen Gewand daher kommen), zumeist nur heiße Luft sind.

    Warum soll man nun ausgerechnet bei den Krypto-Währungen davon ausgehen, dass die Herausgeber aus altruistischen Motiven handeln (wir wollen der Welt ein besseren Geld geben) und nicht, um sich die Taschen auf Kosten anderer vollzustopfen? Im Zweifel rate ich dazu, eher von Letzterem auszugehen. Auch, wenn die Kurse gerade am steigen sind. Den wahren Grund dafür kennt niemand.

    Es ist wie immer alles eine Frage des Vertrauens. Das gilt für jedes Produkt und für jede Währung. Vertrauen setzt aber umfangreiche Kenntnis voraus. Frage sich also ein jeder, woraus er sein Vertrauen in Krypto-Währungen zieht.

    Spekulieren kann man natürlich immer.

    • corleone sagt:

      Das Vertrauen in Gold beruht auf einer Erfahrung der Menschheit aus der Vergangenheit. Für Gold war bisher immer jemand bereit, irgendetwas herzugeben, was er nicht dringend selber benötigte. Gold war also bisher wohl nie komplett wertlos.

      Das Vertrauen in Bitcoins muss wachsen, was sicher auch eine Frage der Zeit ist. Insofern sehe ich da ein entsprechend grosses Wachstumspotential.

      gez.
      Corleone

  2. arsamenes sagt:

    Bitcoins, Kryptowährungen – alternatives Geld?

    Eine Voraussetzung für echtes Geld muss die Unabhängigkeit vom Staat sein, es muss freiwillig, vom „Markt“ gebildet sein. Und es darf nicht beliebig vermehrbar sein. Diese Kriterien werden von den Kryptowährungen anscheinend erfüllt .
    Sollte man seine Währung vielleicht in dieses moderne „Geld“ umschichten?

    Nun, ein weiteres, wichtiges Kriterium wäre – nicht nur für Geld, sondern auch für Vermögensanlagen allgemein: Es darf kein Gegenparteirisiko bestehen!
    Echtes Geld befindet sich in meinem Besitz, aber wo sind meine Bitcoins? Auf irgendwelchen Servern? Ausgedruckt als Buchstabenkombination auf einem Zettel? Ja, den Zettel kann ich einstecken und mitnehmen, aber wieder handelbar wird das nur indem ich den Code wieder ins System eingebe. Ich bin also abhängig von der Bereitstellung der informationstechnischen Infrastruktur…

    Dass die Kryptowährungen trotz NSA-Skandalen, nachdem inzwischen jeder weiß, wie unsicher die Informationstechnologie ist, wider besseren Wissens immer beliebter werden, zeigt eigentlich nur eines: Den wachsenden Vertrauensverlust unseres Papiergeldes. Und da gibt es doch wahrlich bessere Alternativen – auch zu Bitcoins.

    • stephan sagt:

      Sehe ich ganz genauso: Ob ich nun einen Baumwolllappen in der Hand halte, wo eine Zentralbank Euro draufgedruckt hat, oder einen, auf dem ich eine kryptische Nummer draufgeschrieben habe – wo ist da der Unterschied? In beiden Fällen bin ich abhängig von Dritten, die das System, welches das Geld zur Verfügung stellt und verwaltet, betreiben. In beiden Fällen muss ich darauf vertrauen, dass der Geldwert durch diese Dritten nicht verwässert wird. Nun zeigt es sich, dass man insoweit schon den öffentich-rechtlichen Zentralbankstern nicht ansatzweise vertrauen kann. Und diese unterliegen immerhin einem gesetzlichen (also im Grunde demokratisch legitimiertem) Auftrag (= Geldwertstabilität). Warum sollte ich dann Leuten, die ich gar nicht kenne und die auf die segensreiche Idee gekommen sind, eigenes „Geld“ in Umlauf bringen, vertrauen? Man sollte sich – wie immer – nicht von einem neuen Label (hier: Krypto-Geld) die Sinne vernebeln lassen. Die Manipulationsmöglichkeiten sind die gleichen. Einen Unterschied gibt es aber doch: Dem Krypto-Geld-Besitzer wird – im Gegenteil zum Handeln der Zentralbanker – eine Manipulation noch nicht einmal mitgeteilt werden. Wenn diese auffliegt, ist das Krypto-Geld auf einen Schlag wertlos.

      P.S.: Ich werde am Wochenende 10 Mio Gummibärchen auf denen „DM 2“ draufsteht herausgeben. Ich verspreche hoch und heilig, dass ich keine weiteren Gummibärchen produziere – Ehrenwort (anstatt des gesetzlichen Auftrags)! Die Hälfte behalte ich aber ersteinmal für mich und sorge dafür, dass der Kurs steigt. Dann verkaufe ich den Rest. Und wenn ich dann den Hals nicht voll kriege, breche ich mein Ehrenwort einfach. Das machen doch hier alle so. 😉

  3. Skyjumper sagt:

    Ob nun Geld oder Anti-Geld sei mal dahingestellt. Und unterstellen wir einfach mal, dass weder Betrugsabsichten im Spiel sind, noch dass die Hüter des „echten“ Geldes Maßnahmen gegen Bitcoins ergreifen. Was bleibt dann?

    Ein, nach allem was ich bisher darüber weiß, ziemlich gut durchdachtes und handwerklich offenkundig sauber ausgeführtes Softwareprogramm welches eine ungedeckte Währung produziert und im Umlauf hält.

    Um „Geld“ zu sein sollte das entsprechende Gut 3 Funktionen möglichst gut erfüllen können:
    1) Zahlungsmittel
    2) Recheneinheit
    3) Wertespeicher

    Rein technisch gesehen können Bitcoins all dies erfüllen. Ob, bzw. wie gut, sie es tun ist allerdings auch eine Frage des Vertrauens. Des Vertrauens deshalb, weil ein Bitcoin ohne Vertrauen auf seine Werthaltigkeit schlicht überhaupt keinen Wert mehr hat. Darin unterscheiden sich Bitcoins überhaupt nicht von anderen ungedeckten Währungen.

    Das Problem der beliebigen Vermehrbarkeit haben die Erschaffer der Bitcoins nun zwar elegant gelöst. Dafür haben sie jedoch eine andere Büchse der Pandora geöffnet. Lässt man sich auf diese Art des freien Geldes tatsächlich ein, wer hindert morgen, übermorgen und überübermorgen andere Menschen daran eine andere Art von freien Geld zu erschaffen? Richtig, niemand.
    Und tatsächlich passiert das ja auch schon. Es haben sich bereits eine Reihe von Forks gebildet, die Teils unter bestimmten Gesichtspunkten besser sind als das Original. Dem Bitcoin fehlt demnach das überzeugende Alleinstellungsmerkmal.

    Es können also zwar nicht Bitcoins beliebig geschaffen werden. Aber sehr wohl Alternativen. Und all diese Alternativen werden ohne zeitliches Ende um das Vertrauen der Marktteilnehmer konkurrieren. Als zuverlässiger Wertespeicher taugen Bitcoins daher nicht besonders gut. Nicht nur die Beliebigkeit der Vermehrung innerhalb einer Geldsorte, sondern auch die Beliebigkeit der Vermehrung von Geldsorten ansich können inflationär wirken.

    Denn ganz am Ende zählt nur eines: Die Menge der real vorhandenen Produkte die der Gesamt-Menge der Gelder gegenüberstehen.

  4. stephan sagt:

    Ich noch einmal.

    Warum nur erinnert mich die Bitcoin-Story und Kursentwicklung an denn heutigen Twitter-Börsengang??? (Ausgabewert gesamt 14,4 Milliarden USD; Börsenwert nach dem ersten Handelstag 25 Milliarden – Kennt jemand deren Geschäftsmodell? Ich nämlich nicht.)

    Und was sagt Mr. DAX dazu (zu Twitter)?:

    Kleinanleger seien bis jetzt außen vor geblieben, dürften sich nun nur noch um die „paar Brösel, die jetzt an die Börse gehen, prügeln.“ Dahinter steckt ein einfaches System: „Die Kleinanleger werden dazu missbraucht, den Kurs in die Höhe zu treiben, damit die, die Millionen Aktien in ihren Depots haben, anschließend einen möglichst hohen Bewertungskurs in ihrem Depot stehen haben“, schimpft Müller. „Einen solchen Missbrauch der Kleinanleger für Kapitalspielchen der großen Player halte ich für eine Sauerei.“

    http://www.gmx.at/themen/finanzen/wirtschaft/56atbpg-twitter-aktie-kurs-dirk-mueller-mr-dax-sauerei#.hero.Twitter-Aktie%20ist%20%22eine%20Sauerei%22.561.194

    Bezogen auf Bitcoin: Wer hat hier wohl vor den großen Kurssteigerungen die meisten Bitcoins auf dem „Konto“ gehabt und macht jetzt mit wessen Geld den großen Reibach? Ich habe da so einen Verdacht. Vor allen Dingen aber habe ich keinerlei Anhaltspunkte, warum es ausgerechnet hier anders sein sollte.

    Aber vielleicht höre ich ja auch einfach nur die Flöhe husten. 😉

  5. stonefights sagt:

    Wie Lemminge in der Tundra werden sie wandern in ihr Verderben 🙁
    Im großen Bild werden die kryptographischen Währungen das heutige Papier übermalen und doch haben sie nur das eine Ziel der digitalisierten Welt.
    „… und daß niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat oder den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.
    Hier ist die Weisheit! Wer das Verständnis hat, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666“
    Der 6.Buchstabe im hebräischen ist das „Waw“.
    Unser heutiges „W“.
    Dort steht nichts anderes wie unser heutiges „WWW“, stellvertretend für unsere digitalisierte Welt.
    Ein Lob an den Autor, der vor ca. 2000 Jahren in seine Kugel geschaut hat !

    LG, stonefights

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.