Bioverfügbar: Was ist das ?

13. August 2011 | Kategorie: Aufgelesen, Zeitlos

von Hans-Jörg Müllenmeister

Je mehr der Mensch die Pflanzennatur in Artefakte vereinzelt oder verkrüppelt nachbaut, um so gründlicher verliert er den Zugang zur natürlichen komplexen Vielfalt. Ständig verwöhnt uns die Politik mit dreistem Worthülsen-Geschwafel aus alternativlosem Nullwachstum, Rentnerschwemme und Sozialhygiene. Auch in der Wissenschaft tauchen Wortungetüme auf. Was sagt uns z.B. das stolze Wort „Bioverfügbarkeit“?

Ist das eine Art technischer Wirkungsgrad – bezogen auf die Biomaschine unseres Körpers? Dass der klingende Begriff Blockbuster für einen Kinokassenerfolg jetzt auch die Gesundheitsindustrie erobert hat, ist neu. Die neue gewinnträchtige Bio-Sparte heißt „Health Science“. Dieses Segment ist angesiedelt als „Gelddruckautomat“ zwischen Ernährungs- und Pharmabranche.

Wirksamkeit der Biofaktoren im Stoffwechsel

Biofaktoren wie Mineralstoffe, Vitamine und Enzyme sind bedeutend für unsere Gesundheit. Entscheidend tragen sie dazu bei, dass alle Stoffwechselvorgänge harmonisch ablaufen und die Organe ohne „murren und knurren“ funktionieren. Das Schlüsselwort heisst hier Bioverfügbarkeit. Zur Definition gibt es unverständliche Episteln aus dem Fachchinesisch. Aber vereinfacht ausgedrückt ist die Bioverfügbarkeit ein Maß dafür, wie schnell und in welchem Umfang unser Körper einen Nährstoff aufschlüsselt und bereit stellt. Dabei lässt sich eine oral aufgenommene Substanz, die den Blutkreislauf erreicht, mit der Wirkung einer intravenös verabreichten, gleich großen Dosis vergleichen (Bezug gleich 100%).

Für die Lebensmittelindustrie sind vor allem synthetische Vitamine das Weihwasser in der Glaubensgemeinschaft der Verbraucher; sie pflegen den Mythos des Heilsamen. Es geht um einen Milliardenmarkt. Künstliche Vitaminpräparate produziert man in Massen; vielfach wirft man sie hochdosiert ein. Vor einem Zuviel, vor einer Hypervitaminose, sei aber gewarnt. Neueste Studien belegen, dass Kunstvitamine schädlich sein können, sie helfen sogar, das Leben zu verkürzen. Die Forscher streiten sich, welche Nährstoffe wir wirklich in welcher Menge brauchen und wann ein Überdosieren gefährlich ist.

Synthetische und natürliche Vitamine sind nicht identisch

Der Mensch versucht einzelne natürliche Vitamine synthetisch zu kopieren. Unter polarisiertem Licht sind indes diese Artefakte linksdrehend, also spiegelverkehrt. Zu natürlichen Vitaminen gibt es einen chemischen Unterschied, und die Wirkung ist auch nicht identisch. Nicht das Einzelvitamin dient der Gesundheit, vielmehr ist es das Zusammenwirken vieler Pflanzenstoffe. Bei Kunstvitaminen fehlen die natürlichen Begleitstoffe, in denen sie in der Pflanzensubstanz eingebettet sind: eine höchst riskante Vereinfachung der natürlichen Vielfalt, die Spätfolgen zeitigt. Synthetische Vitamine nimmt der Körper unkontrolliert auf. Vor allem Leber und Nieren schlagen sich mit dem Abbau der Künstlinge dann herum. Es kann zu einer gesundheitsschädlichen Überversorgung von Vitamin kommen.

Natürliche Vitamine – umgeben von wohltuenden Helfern

Ein natürliches Vitamine-Ensemble  mit seinem „Hofstaat“ aus sekundären Pflanzenstoffen wirkt mit einem syngenetischen Hebeleffekt auf den Stoffwechsel. Werden diese pharmakologisch hochwirksamen Substanzen (Flavonoide) aus Obst und Gemüse vom Darm aufgenommen, geht’s den Nahrungsbestandteilen ans Eingemachte: Ein ausgeklügeltes System von Enzymen reguliert gezielt das Ausbrechen aus der schützenden Struktur und kontrolliert die Aufnahme von tatsächlich benötigten Vitaminen im Blut. Entweder führt der Transport zum sofortigen Verbrauch zu den Zellen und zum Stoffwechsel oder in spezielle Körperdepots. Diese speichern die Vitalstoffe in einem bestimmten Umfang, insbesondere die fettlöslichen Vitamine.

Bioaktive Substanzen: die Gesundmacher in unserer Nahrung

Sekundäre Pflanzenstoffe stärken das Immunsystem, schützen den Körper vor freien Radikalen, töten Krankheitserreger und vieles mehr. Sie ermöglichen die Aufnahme von Nährstoffen. Beispiele hierfür sind Zwiebeln und Schnittlauch, die Allyl-Sulfide enthalten. Diese Ingredienzen unterstützen die günstigen Cholesterin-Werte und die Gesundheit von Dickdarm und Magen. Carotinoide in vielen orangefarbenen, gelben und dunkelgrünen Früchten und Gemüsesorten stärken das Immunsystem. Capsaicin aus Chili-Paprika unterstützt die Gesundheit der Gelenke. Polyphenole in grünem und schwarzem Tee stärken Herz und Kreislauf. Bioflavonoide und Polyphenole in Rotwein, Trauben und Heidelbeeren fördern die Gesundheit des Herzmuskels und der Gefäße.

Sekundäre Pflanzenstoffe, der „Hofstaat“ der Vitamine

Lange beachtete man nicht die Sekundärpflanzenstoffe. Man hielt die Nützlinge sogar für schädlich. Direkt auf das Wachstum der Pflanzen haben sie keine Option. Aber diese Farb- und Aromastoffe in Früchten regen z.B. die Tiere zum Fressen an, wehren aber auch Fressfeinde ab oder wirken als Schutz vor starker UV­Strahlung. Mit diesen „Mitarbeitern“ sind die Vitamine im Körper effizient nutzbar. Vitamintabletten vermögen das nicht. Eine ausgewogene Ernährung ist gesünder, denn Vitaminpillen können den Nutzeffekt von Obst und Gemüse eben nicht nachbilden; sie enthalten von den bis zu 10000 Substanzen, die unsere Nahrung bietet, nur einen Bruchteil.

Unser Organismus ist seit Urzeiten gewohnt, natürliche Vitamine aus schützenden Begleitstoffen erst „heraus zu klauben“. Durch diese intelligente Sortierarbeit behält unser Organismus den Überblick. Er nimmt davon nur soviel auf, wie er benötigt. Untersuchungen zeigten, dass Kombinationen aus Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen mit sekundären Pflanzenstoffen bis zu 250 mal stärker wirken, als die Einzelsubstanzen.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind die Geheimwaffen der Natur. Sie helfen unserem Körper beim Kampf gegen Krebszellen, Bakterien, Viren und Pilze, senken Cholesterin- und Blutzuckerwerte und wirken entzündungshemmend. Der Körper ist auf die Nährstoffe aus Lebensmitteln eingestellt, nicht aber auf die Künstlinge aus dem Labor. Warum? In Lebensmitteln sind Vitamine niemals isoliert, sie sind immer Teil eines größeren Nährstoffkomplexes und sie haben ein breites Wirkungsspektrum im Körper. Davon können isolierte synthetische Vitamine nur träumen.

Hinter den Kulissen des synthetischen Vitamins E

Schminken Sie sich das gleich ab: Die Industrie erzeugt keine synthetischen Vitamine aus natürlichen Komponenten wie zu Beginn aus Obst, Getreide und Gemüse. Jährlich produziert man weltweit von dem Kunstzeug zwischen 150000 und 200000 Tonnen. Weitaus kostengünstige Quellen durch intensive Genmanipulation sind inzwischen Usus. Man „erzog“ den Kreuzblüter Ackerschmalwand zu einem ungeahnt günstigen Vitamin E-Produzenten. Daneben lässt sich Vitamin E auch aus Erdöl gewinnen. Da dieses synthetische Derivat 30 Prozent weniger wirksam ist als natürliches Vitamin E, meinen viele, man müsse einfach nur mehr davon einnehmen, um den selben Effekt wie bei natürlichem Vitamin E zu erzielen. Weit gefehlt!

Natürliches Vitamin E ist eine Wirkgemeinschaft aus den Bausteinen d-Alpha-, d-Beta-, d-Gamma- und d-Delta Tocopherole und den d-Alpha-, d-Beta-, d-Gamma- und d-Delta Tocotrienole. Von natürlichem Vitamin E nimmt das Gehirn etwa 5,3 mal mehr auf. Ausschlaggebend ist die Teilchengröße. Diese physiochemische Form aus kleineren Teilchen erkennt der Organismus besser und nimmt sie leichter auf. Zahlreiche neue Studien beweisen, dass die synthetische Variante Vitamin E kaum von unserem Körper akzeptiert und verarbeitet wird. Mehr noch: die Einnahme von synthetischem Vitamin E blockiert auf zellularer Ebene die Aktivitäten des natürlichen Vitamins E. Übrigens stellt man die synthetische Vitamin C-Variante Ascorbinsäure aus raffiniertem Zucker her. Dagegen enthält natürliches Vitamin C aus Hagebutten auch Bioflavonoide, demnach den gesamten Vitamin C-Komplex… (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Bioverfügbar: Was ist das ?"

  1. wolfswurt sagt:

    Sehr gute Beschreibung der Zustände die m.E. nach in der Verwirrtheit des Geistes ihre Ursache haben.

    Und die Ursache um die Verwirrtheit des Geistes ist zu finden in dem von E.Knaul herausgearbeiteten biologischen Massenwirkungsgesetz.

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