Kapitalismus: Päpstliche Fehlbarkeit

18. Dezember 2013 | Kategorie: Gäste

von Bill Bonner

Uh oh! Der neue Papst, Franziskus aus den Pampas, hat uns gerade vor der „Tyrannei des Kapitalismus“ gewarnt. Jeder Mann verehrt seine eigenen Götter. Einige beten am Altar von Jesus von Nazareth. Einige am Altar des Allmächtigen Dollar…

Die Kapitalisten sprechen nicht schlecht über den Gott von Franziskus. Man sollte doch denken, dass er sich ihnen gegenüber genauso verhalten würde.

Wenn man schlecht über den Katholizismus redet, gewinnt man wenige Fans. Diejenigen außerhalb des katholischen Glaubens kümmert es nicht. Und Papisten hat man dann als lebenslange Feinde.

Aber schlecht über den Kapitalismus reden hat bereits eine große Menge an unkritischen Fans.

Deshalb stehe ich auf, um den Glauben zu verteidgen – den Glauben an den Kapitalismus.

Ich werde nicht den Mammon preisen, mit Hallelujahs. Stattdessen werde ich den diskreten Charme ehrlichen Geld-Verdienens erkunden – zuversichtlich, dass es zumindest im Land der Verteidiger des freien Unternehmertums immer einen freien Parkplatz geben wird.

Fast niemand tritt in diesen Tagen für den Kapitalismus ein, am wenigsten die Kumpanen an der Wall Street, welche sich selber Kapitalisten nennen.

Die predigen den Gospel der Risiko-Übernahme. Aber sobald die Risiken für sie selber größer werden, rufen sie ihre Freunde beim Staat zu Hilfe. Öffentlich sind sie für eine freie Marktwirtschaft. Aber privat überreden sie die Politiker zu Subventionen, bailouts und Eintrittsbarrieren für Wettbewerber.

In der Krise von 2008-2009 zum Beispiel erreichte die Finanzindustrie einen größeren Wendepunkt. Sie hätte die Wende durchführen sollen. Stattdessen ging es in dieselbe Richtung weiter.

Was hätte passieren können, sagt David Stockman in seinem neuen Buch „The Great Deformation“, hier sinngemäß übersetzt:

„Hunderte von Milliarden Dollar langfristiger Schulden und Eigenkapital, welches die Wall Street basierenden Spekulationsmaschinen untermauert hat, wären ausgelöscht worden, darunter große Mengen an Aktien, welche von Vorständen und Insidern gehalten wurden. So ein Ergebnis wäre wahrlich konstruktiv gewesen aus dem Sichtpunkt der Gemeinschaft. Es hätte wie die Erfahrungen der Weltkwirtschaftskrise für eine Generation eine bleibende Lektion erteilt in Bezug auf die tödlichen Gefahren von Spekulation auf Kredit.“

Stattdessen zahlte sich das Spekulieren aus! Und jetzt sind die großen Banken größer als je zuvor. Das Wall Street Journal spricht davon, dass die Großbanken nun die kleinen Banken aus dem Geschäft drücken:

„Der Rückgang der Zahl der Banken (…) kam fast ausschließlich durch den Wegfall von Banken mit Aktiva von weniger als 100 Mio. Dollar zustande, größtenteils im Zeitraum zwischen 1984 und 2011. Mehr als 10.000 Banken sind in diesem Zeitraum als Ergebnis von Zusammenschlüssen oder Pleiten weggefallen, so Daten vom FDIC. Rund 17% dieser Banken kollabierten.“

Ja, die großen Banken hassen den Kapitalismus auch – aber aus anderen Gründen. Sie sind neidisch auf die, welche mehr als sie haben – und bereit, das Geld anderer Leute umzuverteilen. Zu ihnen selbst hin, natürlich.

Deshalb ist es fast egal, in welche Richtung der Papst seine Botschaft schickt – hin zu den „Nicht-Besitzenden“ oder denen, welche reichlich haben – er wird Unterstützer finden.

Es stimmt, der Kapitalismus ist von den Kapitalisten sehr leicht korrumpiert worden. Aber das bedeutet nicht, dass er eine Wiege für Faulenzer ist. Leute, die sich Christen nennen, haben gemeine und absstoßende Dinge getan; das wiederum bedeutet nicht, dass „Liebe Deinen Nächsten“ dadurch keine Gültigkeit mehr hat.

Wie das Christentum ist der Kapitalismus ein Ziel, kein Fakt.

„Aber das ist dasselbe Argument, welches die Kommunisten hatten, nachdem die Berliner Mauer gefallen ist“, konterte mein Sohn Nummer 2, Jules, als ich ihm das erzählte.

„Sie sagten, dass man den Kommunismus nicht verdammen könne, nur weil die Sowjetunion ein Rattenloch gewesen war. Sie sagten, dass auch der Kommunismus ein Ziel sei…eins, welches von den Russen nicht realisiert worden ist.“

Meine Antwort war einfach genug:

„Ja…aber es gibt würdige Glaubensbekenntnisse und unwürdige. „Tu Deinem Nächsten nichts, was er Dir nicht antun soll“, ist immer noch die beste Art und Weise, wie eine zivilisierte Gemeinschaft zurecht kommen kann. Je mehr man davon abweicht, desto schlechter ist man dran.

„Der Kapitalismus funktioniert auf dieselbe Weise. Je weiter man von einer wirklich freien Marktwirtschaft abweicht, desto mehr Zombies (Leute, die auf Kosten anderer leben) erhält man…und desto weniger funktioniert das gesamte System.“

„Neid ist ein Fakt des Lebens. Man kann ihn nicht eliminieren. Aber er hat unterschiedliche Auswirkungen, je nach dem System. In einer kapitalistischen Gesellschaft veranlasst er die Menschen dazu, härter zu arbeiten, Dinge zu erfinden, und es hilft jedem, vorwärts zu kommen.“

„In einer Kumpanen-Kapitalisten-Gesellschaft führt Neid dazu, dass die Leute das System ausnutzen. Aber es verhindert nicht, dass andere immer noch hart arbeiten und Dinge erfinden…nicht vollständig.“

„Andererseits – je näher man zu einer vollständigen Planwirtschaft geht, desto näher kommt man Nordkorea!“

„Einige Ziele will man haben, um dorthin zu arbeiten. Von anderen will man nur möglichst weit wegbleiben.“

Das sollte jemand dem Papst Franziskus sagen. (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Kapitalismus: Päpstliche Fehlbarkeit"

  1. kruemel sagt:

    Vielleicht hat Genosse Bonner ja recht,

    Und der Kapitalismus ist wirklich das beste System um eine Gesellschaft zu organisieren, wenn wir es mit „Freien Märkten“ zu tun haben. Ich würde jedoch Genossen Bonner bitten uns mal diese Mysteriösen „Freien Märkte“ zu benennen. In letzter Zeit sehe ich keine, und selbst in dem Artikel wird kein einziger erwähnt. Derzeit glauben wir alle nicht, selbst Herr Bonner, das folgende Märke frei sind
    Die Börse: Zinsmanipulation, oben erwähnte Risiko-Übername
    Banken: siehe Oben, Risiko-Übernahme
    Gesundheitssystem: Gute Medikamente sehr Teuer, Barriers to Entry
    Arbeitsmarkt: Wenn ich verhungere, arbeite ich für jedes Geld.

    Also bitte Herr Bronner, zeige mir „Freie Märkte“ und wir können darüber reden.

  2. bluestar sagt:

    Das ewige Märchen vom guten Kapitalismus der freien Markte, den es allerhöchstens im Anfangsstadium dieser Gesellschaftsordnung gab.
    Bezüglich Bewertung des Systems ist entscheidend, ob man auf der Gewinnerseite oder Verliererseite der Profitgesellschaft stand und steht.
    Einer rasanten Entwicklung der Produktivkräften stehen unermessliches Leid zur Marktaufteilung und Profitmaximierung geführter Kolonialkriege, Sklaverei ,Weltkriege,
    regionale Konflikte usw. entgegen.
    Die Welt war früher anders, aber aus Sicht der arbeitenden Menschen wohl nie besser wie heute, falls man so eine Bewertung überhaupt treffen kann.
    Ich jedenfalls kenne keinen Menschen, der dauerhaft in einer anderen Zeit gelebt haben möchte.
    Ideal ist das Heute auch nicht, aber bezüglich evolutionärer Fortschritte muss man
    wohl in Jahrhunderten denken.
    Aber irgendwie lässt mich aufgrund der massiven ungelösten globalen Probleme das Gefühl nicht los, dass sich der Menschheit langsam die Schlinge um den Hals zieht
    und die sogenannte Intelligenz nicht ausreicht diese Probleme zu lösen.

    • Michael sagt:

      Die Frage ist wer hat den Karren wirklich in den Dreck gezogen. Der Kapitalismus und der Freie Markt nicht. Bleibt ungedeckt Papierwährung und Sozialismus.

      Wer zuerst Oligopole schafft mit der durchaus akzeptierten Idee für die Menschen gewisse Produkte zum günstigen Preis anzubieten und erschwinglich zu halten, aus gutem Grund, sollte nicht nachher selbige privatisieren und den Konsumenten respektive Bürger Unternehmen gegenüberstellen, deren Größe sie im Freien Markt nicht hätten erreicht. Der Freie Markt ist nicht der deregulierte, die Oligarchien sind ja schon unter staatl. Kontrolle ausgebildet worden.

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