Betrug? Das Spiel geht weiter!

24. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es gab Zeiten, da hatten die Leute mehr Angst vor Bankberatern als vor Al Qaida. Dank aber der vielen „Aufklärungsarbeit“ und Werbefilmchen für eine ehrlichere und bessere Finanzwelt, ist das Vertrauen in diese inzwischen wieder zurück gekehrt. Es scheint so…

Lasst die Spiele fortsetzen!

Es gibt inzwischen wieder genügend Plankton, denen der Sinn nach Finanzmüll steht. Man kauft wieder das, was in der Ladentheke der Finanz-Verkäufer ausliegt. Plankton hatte zudem noch nie eine wirkliche Lobby außer sich selbst. „Plankton“… Was für ein böses Wort für Sparer, die auf Täuschung stehen… Ein eigenartiges Hobby…

Grüße aus der Realität

Neulich im Zug nach München saß ich in Ohrenweite eines „Finanzexperten“, dem ich garantiert kein gebrauchtes Fahrrad abkaufen hätte wollen, einen Kaffee annehmen oder geschweige denn eine seiner Finanzinnovationen. Er hatte für alle hörbar eine arme Frau Vogel mit offenbar zuviel Geld und Notstand auf dem Konto mit seinen Expertisen malträtiert. Als Börsenreporter wünschte ich, ich säße nicht in einem ICE sondern in einem Flugzeug. Dort gibt es die Kotztüten immer in Reichweite. Und so gingen die Dinge ihren Gang…

Die arme Frau Vogel. Vielleicht liest sie gerade meine Zeilen. Dann hüten Sie sich vor diesem dicken Mann mit der lauten Stimme, der dem ganzen Zug mitteilte, was die Finanz-Stunde geschlagen hätte. Die EZB hatte gerade die Zinsen gesenkt. Frau Vogel könne davon richtig profitieren! Und ich war dabei! Warum ist niemand eingeschritten? Frau Vogel hätte wahrscheinlich etwas dagegen gehabt.

Das Schlimme war, ich hatte in diesem Moment die Wahl zwischen Ekel und Neugierde. Ich entschied mich dann doch sitzen zu bleiben. Ein derber Schlag ins Gesicht dieses fett-feisten Typen mit einer Lache wäre angebracht gewesen. Frau Vogel hätte protestiert. Des Mannes Stimme begünstigte schweren Tinnitus. Sie wäre als Schweißbrenner nutzvoll gewesen. Damit ließe sich Brot schneiden. Allerdings war die Situation im ICE faszinierend und zugleich ekelhaft. Der Finanzexperte, sicherlich unterwegs im Auftrag ewiger Glücksseligkeit und Tatendrang dachte sicherlich wie viele seiner Kollegen, er mache die Welt etwas besser.

Frau Vogel schien wirklich eine reiche Frau mit Anlagenotstand zu sein – ob eingeredet oder nicht. Vielleicht verspürt sie diesen Notstand jetzt nicht mehr. Wir wissen es nicht. Und es ist mir egal, aber so funktioniert es offenbar.

Mehr Werbung bitte!

Was vertrauensbildende Maßnahmen alles so bewirken… So viel Werbung hat sich offenbar gelohnt. Sonst gäbe es nicht so viel. Was Finanzen betrifft, so kam doch überraschend schnell das Vertrauen zurück, dank der vielen Worte – und wohl auch, weil eine flitzende Piepe im Großstadt-Dschungel meinte, der Kunde stehe jetzt wieder im Mittelpunkt – oder den Nieten in Nadelstreifen wurden noch teurere Werbekampagnen genehmigt für noch größere Versprechungen. Was haben wir gelernt? Nichts! Die Spiele gehen weiter… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Betrug? Das Spiel geht weiter!"

  1. FDominicus sagt:

    Ich glaube die Erklärung ist einfacher. Es gibt bestimmte Reizworte, dann klinken sich die meisten Gehirne aus, weil man „nachdenken“ müsste. Ich glaube in Deutschland fallen unter diese Reizworte. Staat, Steuer, Finanzen.

    Bei Staat fällt die Klappe so. „Da sind Experten am Werk – alles wird gut“
    Steuer „Lässt man den Steuerberater machen“
    Finanzen „Zu kompliziert, da muß man am besten staatliche Fachmänner haben, und so geht man einfach zu den systemrelevanten Banken“

  2. MARKT sagt:

    Ja, der böse Staat, er deckt dieses Betrugssystem und ist deshalb ein Teil dessen.
    Aber der „blinde Fleck“ den man nicht erkennen will oder nicht erkennen darf liegt ganz woanders.
    Warum fehlt den das Geld dem Staat (also seiner Bevölkerung)?
    Man addiere einfach die Zinszahlung für die Staatsschulden in den vergangenenen 54 Jahren unjd man kommt auf welche Zahl- Überraschung.
    Ich bin überzeugt, dass viele diesen Fleck kennen. Aber warum wird er nicht angesprochen. Warum dürfen wir ihn nicht sehen?

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