Betonköpfe unter sich: EU-Kommission winkt Glyphosat durch

29. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Das war aber knapp! Ende des Monats läuft die Zulassung für den Unkrautvernichter Glyphosat ab. Damit der Juli und die folgenden Monate nicht als „Unkraut-Monate“ in die Geschichte eingehen, musste die EU dringend handeln. Die Krebstauglichkeit reicht sie dann später nach. Pfui Teufel!

Was sind das nur für Leute? Die kümmern sich lieber um ihre eigenen Belange und den europäischen Geist. Oder war es ein Gespenst?

Da sich die EU-Staaten nicht einigen konnten, wird die EU-Kommission für diese entscheiden: Die Giftbrühe darf weiter verspritzt werden, zumindest für weitere 18 Monate. Man hätte noch für eine Umbenennung votieren sollen, in Glückophat. Aber die Deutschen haben sich ja mit Rücksicht auf den jeweiligen Koalitionspartner enthalten. Das nennt man Rücksicht mit einer „deutlichen Aussage“ und Willen zur Einigkeit im Sinne des Fortschritts und der Zukunft. Der europäische Geist hätte sich zudem erneut erschrecken können.

Europas Hühnerhaufen war sich mal wieder uneinig. Von den 28 Mitgliedsländern stimmten 19 für eine weitere Zulassung und sieben enthielten sich. Nur Frankreich und Malta waren dagegen. Ob die EU-Bürger dagegen waren, interessierte nicht. Die EU-Kommission entscheidet also. Angekündigt hat das inmitten der Fußball-Böller und der Brexit-Debatte der zuständige EU-Kommissar, Vytenis Andriukaitis. Wer ist das? Ich habe keine Ahnung. Wer hat ihn gewählt? Ich weiß es nicht. Niemand? Er sagte das am Rande eines Treffens der EU-Agrarminister in Luxemburg.

Bis Ende 2017 dürfen also die Giftspritzer weiter über die Felder fahren. Herrlich! Ich hätte sicherlich etwas vermisst. Die Bienen sollen das Zeug angeblich auch lieben, dieses Glückophat. Die letzte summte mir neulich noch ins Ohr: „Wenn wir gehen, nehmen wir euch mit!“ Nein, ich sollte mich jetzt nicht so haben, denn bis Ende 2017 soll das Krebsrisiko dann endgültig geklärt sein. Wer Glück hat, den erwischt es, sollte das Zeug doch Krebs auslösen. Aber erst mal muss davon genügend verspritzt werden. 

Ob das Zeug nun langfristig tötet oder nicht, darüber soll in den kommenden 18 Monaten die europäische Chemikalienagentur Echo ihre Bewertung abgeben. Also wenn ich Lobbyist wäre… Nein, bitte keine weitere Verschwörungstheorie! Der Geist von Europa! Was man aber weiß, ist der negative Einfluss auf die Artenvielfalt. Braucht eh kein Mensch!

Vielleicht sorgen sich die Entscheider gar nicht um das Krebsrisiko. Diese können ja durch ihre Gehälter und wer weiß, was sie noch alles so zugesteckt bekommen, Bioprodukte kaufen. Nicht dass es sie auch noch erwischt auf ihrem Weg für eine bessere Welt, für sich und ganz „natürlich“ für uns. Pfui Teufel!

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