Beton-Schuhe für den Euro

5. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Neapel ist eine wundervolle italienische Stadt. Sie ist nicht nur bekannt für Europas gefährlichsten Vulkan, sondern auch als Kulisse vieler Mafiafilme. Kennen Sie einen besseren Ort für ein Treffen der gefährlichsten, Pardon, der mächtigsten Geldleute der EZB?

Am Donnerstag war es wieder soweit. Tausende Kameras waren aufgestellt und bereit für weitere frohe Botschaften für die Märkte. Vor dem Tagungsort gab es Proteste. Dann hieß es, drag(hi)konisch, der Euro wäre unumkehrbar, ähnlich dem Sozialismus samt seiner vielen Ochsen und Esel. Zudem könnte man die Zinsen nicht noch weiter senken, sagte Mario Draghi. Erstaunlich diese Erkenntnis, wenn der Zinssatz nur noch bei Nullkomma-fast-nix liegt. Aber vielleicht arbeitet man auch an negativen Leitzinsen und überlistet die Mathematik. Wer weiß?

Wie man aber weiß, streikt in Neapel sehr oft die Müllabfuhr. Dies passt ebenso zum Tagungsort der „Währungshüter“, wenn sie ankündigen, sie werden künftig zumindest den Finanzmüll einsammeln und dafür bis zu 1.000 Milliarden frischer Euros spendieren. Kann man das Geldwäsche nennen? Das wäre eine Verdünnung der bisherigen Geldsummen von ca. zehn Prozent.

Und warum hat man sich nicht in Simbabwe getroffen? Die können wenigstens Inflation! Man hört so oft, das wäre das eigentliche Problem.

Da die Politik nichts stemmen kann, und wohl auch nicht will, denn warum sollte sie, macht die EZB deren Drecksarbeit über die Geldpolitik und schwächt den Euro auf künstliche Weise. Er hat im dritten Quartal acht Prozent Kaufkraft verloren, als hätte man ihm Betonschuhe verpasst.

Unsere Währung ähnelt immer mehr der italienischen Lira und deren früheren Geschwistern aus dem Club Med, der bekantlich inzwischen die EZB regiert. Die frischen Euros bekommen übrigens Banken und niemand sonst. Das wäre ja noch schöner, wenn das Geld in neuen 10er-Scheinen aus dem Helikopter flattern, denn sie könnten ja die Falschen treffen.

Mancher Ökonom meinte, die EZB überschreite inzwischen ihr Mandat. Hallo? Dann klagt doch! Bis zu einer Entscheidung in vielleicht 20 Jahren werden wir den Euro ohnehin nicht wiedererkennen, oder seine Reste bestaunen, wenn es ihn dann noch gibt – und auch, wenn er derzeit so unumkehrbar scheint für Ochsen und Esel. Wer die Zeche bezahlt, blieb unerwähnt. Sparer und Steuerzahler.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)




 

Schlagworte: , , , , , ,

3 Kommentare auf "Beton-Schuhe für den Euro"

  1. Argonautiker sagt:

    Aua, da ist aber einer pöse mit der Finanzelite.
    Recht so!

    Aber vielleicht ist ja auch alles nicht so „drag(hi)konisch“ wie es scheint,
    sondern eher Tragikomisch.

    Einen Schönen Gruß aus dem sonnigen Bremen,
    welches in Bälde das Zentrum der neuen Riviera sein wird,…
    also nachdem sich die Flut der Tränen der Spekulanten wieder zurückgezogen hat.

  2. Michael sagt:

    EURO 1:1 gegen den Dollar ist schon nützlich. Kann man recht einfach umrechnen.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.