Bester Steuer-März… ever… ever… ever…

23. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

„Vater Staat“ profitiert schon wieder. Im März gelang es ihm, seinen Untertanen 55 Milliarden Euro aus den Taschen zu ziehen. Das ist ein Rekord und einen Tusch wert. Tööööörrrröööööööö!

Die Radiomoderatorin irgendeines schrillen Senders war ganz aus dem Häuschen, so als ob sie mit einer Schippe Koks im Näschen am Mikrofon saß und Benjamin Blümchen gab. Bei ihrem überschwänglichen Timbre hatte ich den Eindruck, sie sende direkt aus Nordkorea – oder sie hätte selbst diese Milliarden auf ihrem Konto vorgefunden. Ich vermute, sie 15 Jahre alt geworden und schon richtig cool drauf. Zumindest klang sie voll nach Party, um sechs Uhr am Morgen…

Hey, People in der Hessen-Zone… Ich habe good News forrrrrrr youuuuuuuu! Mit ihrem Jubel über die höchsten Steuereinnahmen ever… ever… ever… hätte ich spontan meinen Tank füllen können, wenn ich ihn mit dem Autoradio verbunden hätte. Die Geldflut in Berlin kommt, soweit ich weiß, aus den Taschen der Bürger und überschwemmt jetzt die Staatskasse in Berlin. Es hieß, der vergangene Monat lief für „Vater Staat“ so gut wie noch nie. Aber nicht für die Arbeitnehmer. Von ihnen kamen 12,2 Milliarden im März.

Unser „Papa Finanzminister“ schafft es mit seinen Steuerrekorden jetzt monatlich in die Schlagzeilen, wenn er den Leuten und Unternehmen Milliardensummen abpresst. Die Leute mögen diese Nachrichten und feiern spontan los. Ich frage mich in solchen Momenten, ob es richtig ist, als Steuerbürger in Jubel auszubrechen. „Vater Staat“ nimmt seinen Kindern so viel weg wie noch nie – übrigens auch der Moderatorin, wobei ich bei den Honoraren für Jung-ModeratorInnen bezweifle, dass Steuer eine Rolle spielt. Der Fun war jedenfalls grenzenlos. Jede geistige Radarfalle hätte glücklich losgeblitzt.

Dann sagte das Mädchen aus dem Radio, der Staat profitiere. Das ist erstaunlich bei näherer Überlegung. Ist der Begriff „profitieren“ in diesem Zusammenhang wirklich angebracht? Ein Staat macht doch Schulden und keine Überschüsse. Und wenn er zu viel Geld in der Kasse hat, dann schmeißt er das anderswo wieder aus dem Fenster…

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Wer ist eigentlich der Staat? Meine Oma würde sagen, der Staat ist die Summe seiner Leute… oder so. Frage Dich nicht, was der Staat für Dich tun kann, sondern was Du für den Staat tun kannst, damit er immer genügend aus den offenen Fenstern werfen kann. Zudem: Profite aus Steuern haben nur diejenige, die dicht genug am Fenster sitzen, aus denen die Milliarden dann flattern.

Was Sie persönlich jetzt tun können

Rauchen Sie! Die Tabaksteuer schwemmte im März 962 Millionen Euro in die Kasse. Verballern Sie Unmengen an Energie! Die Energiesteuer brachte der Steuerkasse 3,1 Milliarden Euro im letzten Monat. Das lässt sich verdoppeln!

Öffnen Sie die Fenster und heizen Sie! Lassen Sie das Licht an! Im März flossen 571 Millionen Euro Stromsteuer nach Berlin.

Seien Sie solidarisch! Auf diese Weise fanden 1,7 Milliarden Euro den Weg nach Berlin, aber nicht nach Ostdeutschland.

Gehen Sie einkaufen! Je höher die Preise, desto mehr Mehrwertsteuer selbst für Dinge ohne Wert erfreuen den Finanzminister. Im März waren es 14,8 Milliarden, oder umgerechnet 185 Euro pro Bürger. Das ließe sich verdoppeln!

Oder kommen Sie an die Börse und zocken Sie für sich und auch für„Vater Staat“! Gehen Sie ins Risiko, kaufen Sie Aktien und geben Sie dann von den etwaigen Gewinnen mickrige 25 Prozent an Abgeltungssteuer ab. Ver(ab)gelts Gott!

Kaufen Sie eine Immobilie! Oder sterben Sie früher! Ihre lieben Erben freuen sich und auch die Erbschaftssteuer. Diese und auch die Grunderwerbssteuer brachte im März 22,7% mehr ein als im Vorjahr.

Doch was ist das? Obwohl in den ersten drei Monaten 140 Milliarden Euro den Weg aus den Geldbeuteln der Bürger in Richtung „Vater Staat“ flossen, bleibt immer noch ein Minus von 16,9 Milliarden Euro. Rauchen Sie mehr! Zocken Sie heftiger. Sterben Sie eher! Das würde helfen, denn nach aktuellen Planungen müssen dennoch in diesem Jahr neue Schulden gemacht werden.

Im nächsten Jahr gibt es dann übrigens eine geplante schwarze Null, wenn nichts dazwischen kommt. Und das kommt es, und seien es ein paar tiefere Schlaglöcher auf dem Weg ins Glück… (Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Bester Steuer-März… ever… ever… ever…"

  1. JayJay sagt:

    Wunderbar Sarkastisch, aber unser geliebter Finanzminister würde es sicherlich nicht verstehen, wenn er den Beitrag (sehr unwahrscheinlich) lesen würde.

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  2. bluestar sagt:

    Hallo Herr Meyer,
    zuerst einmal vielen Dank für den grandiosen Artikel !!!
    Sie können sich leider nicht zur Adoption selbst freigeben.
    Das hat Vater Staat ohne Ihren Antrag längst schon
    für Sie erledigt. Als Stiefsohn mit sehr vielen
    Pflichten, Aufgaben, Abgaben, Einschränkungen und wenig zugewiesenen,
    aber dafür streng überwachten Freiheiten.

    VG

  3. Argonautiker sagt:

    Eigentlich mag ich den Artikel gar nicht kommentieren,
    sondern einfach nur genießen.

    Bravo!

    Gruß aus Bremen

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