Besorgter Blick in die Zukunft

13. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Eines ist sicher: Wie auch immer die Krise um die Ukraine sich weiterentwickelt, am Ende wird das Ost-West-Verhältnis von Grund auf erschüttert sein. Doch im Einzelnen sind weder die politischen noch die wirtschaftlichen Folgen absehbar…

Jedenfalls sollten Sie auf alles gefasst sein. Kein anderer als Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank und auch in politischen Zirkeln angesehen, hat die aktuelle Entwicklung derart präzise auf den Punkt gebracht wie er:

„Der Westen rüstet an den Grenzen der Nato sportlich auf und erwartet von Russland, sich von der Grenze der Ukraine zu entfernen. Hat der Westen nicht das Russland bedrohende Raketenschild immer näher an die Grenzen Russlands verschoben? Wir sind irritiert, wie eine Putschregierung ohne verfassungskonformes Mandat und ohne Vertrauen etwa der Hälfte der Ukraine diese Form der Unterstützung des Westens erfahren kann.

Die USA erwägen, dieses Nicht-Nato-Land mit ‚defensiven‘ Waffen zu versorgen. Die USA haben durch die verdeckte Finanzierung (5 Mrd. USD) einer mehr als zweifelhaften Opposition bezüglich demokratischer Werte massiv die Souveränität der Ukraine verletzt (Budapester Vertrag). Wie viele ‚Smoking Guns‘ brauchen wir in der EU noch, um zu begreifen, welche Rolle der EU in diesem geostrategischen Machtspiel der USA zugeordnet wird?“ (Quelle: goldseiten.de vom vergangenen Mittwoch)

Wie weit die Interessen der USA, der EU und Russlands auseinanderklaffen und wie rigoros die Amerikaner ihre Interessen durchsetzen wollen, ergibt sich allein schon aus der martialischen Sprache von US-Außenminister John Kerry: „Die USA und unsere Verbündeten werden nicht zögern, die Werkzeuge des 21. Jahrhunderts zu nutzen, um Russland für sein Verhalten wie im 19. Jahrhundert zur Verantwortung zu ziehen.“

Als ausführendes Organ soll weitgehend die EU herhalten. Vorgesehen sind Sanktionen aller Art. Dass diese nicht ohne negative Folgen gerade auch für die EU bleiben werden, liegt auf der Hand. Deutsche Unternehmen, die viel Geld in Russland investiert haben, bekommen bereits jetzt die Nachteile zu spüren. Derweil versuchen Russland und China immer näher zueinander zu rücken. Jüngstes Beispiel: Russlands zur Hälfte dem Staat gehörender Konzern Gazprom soll den Chinesen über eine Pipeline Gas liefern.

Nachteile für Deutschland und andere EU-Länder sind nicht auszuschließen. Immerhin ist Gazprom unser wichtigster Gaslieferant. Von den anderen EU-Ländern hat zuletzt ausgerechnet England, der große Verbündete der USA, auf die Gazprom-Karte gesetzt. Die Liste der europäischen Gazprom-Geschäftspartner liest sich wie das Who is Who westlicher Konzerne: BASF, RWE, Eon, Pirelli, ENI und so weiter. Sanktionen gegen Russland würden also große Teile der europäischen Wirtschaft treffen – womöglich auch den von Gazprom gesponserten Bundesligaclub Schalke 04.

Gburek_Online_-_2014-03-14_22.19.28Ich habe mich aus anderem Anlass vor vier Jahren mit den Methoden der Amerikaner beschäftigt, als es darum ging, dass sie versuchten, uns Teile ihres Rechtssystems aufzuzwingen. Mein entsprechender Beitrag erschien im Messemagazin zur Edelmetall- und Rohstoffmesse 2010 mit dem Titel „Wie die Amerikaner Druck auf uns ausüben“. Darin habe ich die Meinungen einiger Juristen wiedergegeben, die mit ihrer Kritik den Nagel auf den Kopf trafen. Hier ist ein Auszug aus dem Beitrag: „Um Werner J. Hein von der Kanzlei Mayer Brown zu zitieren: ‚US-Gerichte mutieren zu Weltgerichten.‘ Heribert Hirte, Vizepräsident der deutsch-amerikanischen Anwaltsvereinigung, betonte, ‚dass es um Machtfragen geht‘. Er kam zum ernüchternden Fazit: ‚Die Amerikaner können Druck auf uns ausüben, wie sie wollen.’“

Übertragen auf die Ukraine-Krise bedeutet das: Europa wird sich den USA weitestgehend fügen und dabei wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen müssen. Alternativen gibt es nicht. Bestenfalls kann Europa und speziell Deutschland den Amerikanern ein paar Kompromisse abringen. Die werden jedoch ins Geld gehen, sodass Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen Bundeshaushalt schon jetzt knicken kann. Im besten Fall wird es zu einer halbwegs friedlichen, teuer erkauften Lösung des Ukraine-Problems kommen. Über welchen Haushaltsposten die zusätzlichen finanziellen Lasten abgewickelt werden, steht zwar noch nicht fest; sicher ist aber, dass deutsche Steuerzahler in erheblichem Umfang für sie aufkommen werden.

Unter dem Aspekt der Geldanlage ist dem in den vergangenen Wochen und Monaten an dieser Stelle Geschriebenen nichts wesentlich Neues hinzuzufügen, außer dass die europäischen – und wohl auch die amerikanischen – Aktienkurse etwas schneller, als vor der Ukraine-Krise anzunehmen war, in einen Abwärtssog geraten werden. Und dass die Preise von Gold und Silber durch diese Krise zusätzlich nach oben befördert werden. Wobei indes immer berücksichtigt werden sollte, dass die entscheidenden Preisimpulse nicht von Angstkäufen der Europäer, sondern von nachhaltigen Anlagen der Asiaten ausgehen werden

© Manfred Gburek –  Homepage

 

4 Kommentare auf "Besorgter Blick in die Zukunft"

  1. bluestar sagt:

    Schöner Artikel von Herrn Gburek.
    Die wirkliche geistige und wirtschaftliche Elite in Deutschland weiß genau in welche unheilvollen Gewässer sich das Schiff bewegt.
    Warum nehmen Deutsche die Vasallenrolle für die Kriegstreiber in den USA an ???
    Es gibt für uns doch nur wirtschaftliche Nachteile oder/und Leichen !!!
    Gibt es noch so etwas wie Stolz und Aufrichtigkeit in diesem Land unter Politikern und Mainstream-Journalisten ???
    Dieses miese, tagtägliche Lügentheater zur Verdummung der Menschen ist unerträglich.
    Wir wollen nur in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben, werden uns aber in Kürze massiv gegen deren Verluste wehren müssen.

    • Argonautiker sagt:

      @ Hallo Bluestar, stimme ihrem Urteil zu dem Artikel zu, aber wie sie mich ja nun schon etwas kennen, stimme ich nicht zu 100% zu.

      Ein Problem ist, die Journalisten sind auch nur Menschen, denen gekündigt werden kann, wenn sie nicht schreiben was zum Verlag passt, für den sie schreiben. Der Verlag ist wiederum, um überhaupt bestehen zu können, bis über beide Ohren verschuldet, also abhängig von den Geldgebern, also lässt er so schreiben, damit man ihm den Geldhahn nicht zudreht.

      Mit der Politik verhält es sich ebenso. Was sollen sie machen die Politiker? Tun sie das Wahre, dann sind sie schneller weg vom Fenster wie sie schauen können. Also folgen sie der Lüge, und verkaufen sie als wahr und alternativlos. Wir alle sind die Sklaven der Verschuldung. Zu recht. Wir alle wollten Dinge, die wir uns eigentlich nicht leisten konnten. Das Leben führt einen nicht nur in die Höhen des Wohlstandes, sondern es läuft auch mal schlecht. Wir alle haben in den 70er Jahren, während so einer „Talfahrt“ der falschen Information derer geglaubt, die uns mittels des Kreditwesens, trotz Talfahrt, weiterhin Wohlstand ohne Leistung versprochen haben. Mit dem heutigen Resultat.

      Überall wo derzeit Geld beziehungsweise Kredit im Spiel ist, ist man gängelbar. Und der, der derzeit Gängelt führt nichts gutes im Schilde. Und auch ER kann nicht anders, denn die wunderbare Geldvermehrung funktioniert nicht mehr. Der Zinsfluß versiegt, weil nicht mehr Investiert werden kann, weil die zum System gehörende Wirtschaft den Gewinn einfach nicht mehr erbringen kann, also bleiben die Gelder liegen. Und nichts ist schädlicher für Geld, wie wenn es nicht mehr in Bewegung ist.

      Der Übergriff auf andere Staaten wäre eine Alternative, aber auch dann, würde es nach der Einverleibung und kurzzeitiger Erholung, so wie bei der friedlichen Einverleibung zur EU kurzzeitig zur Erholung kam, schnell wieder zum Stocken des Zinsflusses kommen.

      Was also tun? Die alten Lebenswege, die auch ohne Geld funktionierten sind verschüttet. Die einzige Möglichkeit wäre es, die Geldlosen Verbindungen zueinander wieder aufzubauen. Das wird passieren. Mit oder ohne Krieg.

      Alternativloth. 😉

      Passiert auch schon. Ein monopolisiertes Kreditwesen zur Basis der Volkswirtschaft zu machen, verhält sich ungefähr so, als würde man den Teufel zum Hüter der Seelen berufen.

      Gruß aus Bremen an die Oberweser

  2. bluestar sagt:

    @Argonautiker

    Ja, das mit der Abhängigkeit ist ein Thema der Schwachen und Lakaien.
    Das war bereits bei Hitler und in der DDR so, immer diese Mitläufer, Mitwisser und Befehlsempfänger. Ohne Rückgrat für ein paar Vorteile gekauft und versklavt.
    Aber es gibt auch andere Beispiele. Denken Sie an Frank Meyer, Dirk Müller, Ronald Gehrt,
    oder Jürgen Elsässer. Mut zur Wahrheit, zur Freiheit und Rechtsstaatlichkeit wird hier jeden Tag vorgelebt. Diese Herren sind Vorbilder und der Beweis für wirkliche Eliten.
    Im Gegenzug verspüre ich für alle versklavten Lügner und Lakaien der MSM und Politik nur Missachtung.
    Die jetzigen Zustände sind nicht gottgewollt sondern von einigen wenigen Menschen zu deren Vorteil zum Nachteil der Menschheit geschaffen. Auch die Machtergreifung Hitlers war kein Naturgesetz. Wer in der Demokratie schläft wird in der Diktatur erwachen…
    Also, es kommt immer darauf an wie sich die Masse verhält. Deshalb werden ja ununterbrochen Nebelkerzen, Lügen und Halbwahrheizten unters Volk gekippt.
    Das ist auch nicht neu.
    Übrigens gibt es jetzt wieder Montagdemos in Deutschland. Nach 1989 muss ich jetzt leider wieder auf die Straße gehen.

    Beste Grüße an die Weser.

  3. samy sagt:

    N’Abend,

    Hellmeyer trifft es schon pointiert und richtig. Jedoch ist er nach wie vor der Optimist unter den Realisten. Anbei ein schönes Interview, in dem er auch auf die Ukraine eingeht.

    „http://www.daf.fm/video/marktexperte-hellmeyer-verstaerkte-risiken-richtung-2016-50168935.html“

    Das der Marktoptimist Hellmeyer für 2015/2016 skeptisch wird, lässt ebenfalls aufhorchen.

    Weiterhin gibt es ein kurzes und knackiges Paper von Rusi.org, einem britschen Think Tank.
    durchaus lesenswert.

    „https://www.rusi.org/downloads/assets/UKRANIANMILITARYDISPOSITIONS_RUSIBRIEFING.pdf“

    Hier wird erläutert, warum die NATO den Aufmarsch an der Grenze für bedrohlich hält. Vieles lässt mich schmunzeln, zählt es doch zu einem guten Bluff, wie etwa einsatzbereite Lazarette oder die aufwändige Nutzung schwerer Antonow-Frachtmaschinen um die Truppen mit weiterem schwerem Gerät zu verstärken usw. usf..

    Eines macht mich aber nachdenklich. Die Truppen sind einsatzbereit und nicht in alarmbereitschaft. Der Status lässt sich nicht mehr lange halten, dann müssen die Truppen ausgetauscht werden, somit fährt das Bedrohungspotential – zumindst kurzfristig- runter.
    Das wird Mai der Fall sein. Bis dahin sollte Putin seine Ziele -wie auch immer sie aussehen- erreicht haben. Einen zusätzlichen Aufmarsch frischer Ersatztruppen wird er wohl nicht wollen. Und genau dieser Moment der Schwäche wäre vielleicht reizvoll für die Ukraine um eigene militärische Aktionen oder eine Säuberungsaktion des Innenministeriums zu starten.

    Ich denke der Spuk macht Anfang Mai eine heisse Phase durch, dannach wissen wir mehr.

    Viele Grüße in die Nacht.

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