Bereit für eine Spekulation?

18. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Bei so viel toter Hose in Sachen Zinsen auf dem Konto raten die Experten schon länger massiv zu Dividendenpapieren. Außerdem sind Aktien ja immer billig, auch wenn sie gerade teuer sind. Mit Unternehmen, die die Welt braucht, kann nichts schief gehen. Oder? Und dann hat man nicht nur wenig Glück, es kommt auch noch Pech hinzu- wie jetzt bei E.ON.

 

Braucht die Welt eigentlich E.ON? Ich weiß es nicht, vermute aber, dass diejenigen, die den Versorger wegen seiner üppigen Dividendenrendite gekauft haben, sind nun etwas betrübt sind. E.OFF hat in dieser Woche wegen finsterer Aussichten fast 20 Prozent verloren und steht trotz Dividenden so tief wie vor zehn Jahren.

Glücklicherweise kommen ja jetzt die üppigen Strompreiserhöhungen wieder ins Haus geflattert. Irgendjemand muss ja die Zeche ja bezahlen. Mit der Rechnung gibt es dann oft noch verrücktere Dinge wie Stromspartipps vom Stromversorger.

Wer auf Ausschüttungen setzt, kann Pech haben, dass die Kurse völlig überraschend natürlich auch mal fallen. Dividenden schützen nicht vor Kursverlusten. Dividenden können auch ganz ausfallen, wenn es nichts zum Ausschütten gibt außer Tränen und warmer Worte und einem belegten Brötchen auf der Hauptversammlung. Man muss nur Geduld haben, sagen Experten. Vielleicht erlebe ich das noch. Oder man geht an die Substanz des Unternehmens wie bei der Telekom.

Dividenden sind immer ein super Verkaufsargument. Der Schuldenstand eines Unternehmens rückt meist in den Hintergrund. E.ON hat an der Börse einen Marktwert von 28 Milliarden Euro, aber 38 Milliarden Euro Schulden. RWE drücken 34 Milliarden Schulden, während der Versorger an der Börse nur 19 Milliarden Euro wiegt. Beide sind angeblich Sachwerte. Damit kann man, so die Anlagenschieber reale Minus-Zinsen auf dem Konto ausgleichen. Da sind sie sich so sicher wie Autoverkäufer, die vor dem Busfahren warnen.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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5 Kommentare auf "Bereit für eine Spekulation?"

  1. stonefights sagt:

    E.OFF, der war gut. Herzhaft gelacht. DANKE für die Lach-Einheit !
    lg, stonefights

  2. Chantal_N sagt:

    Vielen Dank, das war ein kurzer, prägnanter und super wichtiger, da genau zum (bzw. gegen den) undifferenzierten und timingfreien(!) Ratschlagsbrei der Sachwerteverfechter passender Einwurf, der einen (hoffentlich) zum Nachdenken bringt!

    Insbesondere die noch nicht in Dividendenpapiere Investierten mit drohender hoher Rückschlags-Fallhöhe [genau das, wovor wir Spät-Investierer und 2008 noch Merkel/Steinbrück-Garantie-Gläubigen [aka: naive Idioten, die es nicht besser verdient haben…] nach dem seeeehr späten Goldkauf jetzt Woche vor Woche auch Angst haben].

    Grüße, Chantal

  3. Lickneeson sagt:

    Grossartig.

    Eine deutsche Band aus dem Sauerland brachte es in den 80-ern auf den Punkt.In einem Song heisst es unter anderem: „…hab ne Woche gespart auf Kartoffelsalat, und gestern ging der Gasmann mit der letzten Mark(…)alle wollen Geld von mir, das ist kein feiner Zug.“

    Der deutsche Anleger ist ganz versessen auf Sicherheit, gepaart mit maximaler Rendite.Bekanntlich selten möglich.Vor Jahren, als bei dem Wort „Zertifikate“ niemand an die Bonität des Emittenten(was ist denn das überhaupt?)dachte waren sogenannte „Garantiezertifikate mit absurden if/when Situationen“ stark nachgefragt.Im Zuge einiger Bankabwicklungen und „Marktverwerfungen“ redet heute fast niemand mehr darüber.

    Dividenden dagegen sind eine schöne Sache, wenn sie konstant gezahlt werden.Wenn aber der Aktienkurs p.a. um die Dividendenhöhe fällt wird die Aktie zur Staatsanleihe, zur won/lost situation.Das die Telekom jahrelang ihre Substanz als Dividende ausschüttete ist auch so ein Trauerspiel der Rechenschieberei.Ich bin kein Freund vom „Apple-Maoistentum“ mit 3 -Tage Regenzeltlager vor der Zentrale, wenn wieder ein „neues“ Gerät verkauft wird und erwachsene Männer zum Horst der Nation werden.Aber wer sich Apple Aktien vor längerer Zeit kaufte, kann auch ohne(mit mini-) Dividende sehr zufrieden sein.Ähnlich auch die Goldkäufer seit 2001.
    Scharenweise Analysten werden immer noch nicht müde zu betonen, Gold zahle keine Dividende/Zinsen.Alder – na und?Bei der Performance darf man diese Kommentare milde belächeln und sich entspannt zurücklehnen.

    Das Gefasel von Flucht in Sachwerte, u.a. Aktien passt hervorragend in das Eurokrisentheater.Laut einer Umfrage vom Oktober ist die Aktionärszahl in Deutschland seit dem Sommer sprunghaft angestiegen.
    Wobei die Gesamtzahl immer noch sehr niedrig ist.Kein Wunder bei den Strompreisen,hihi.

    Grüsse an Familie Rott

  4. Reiner Vogels sagt:

    Sehr geehrter Herr Meyer, alle drei Unternehmen mit bisher hoher Dividendenrendite, die Sie anführen, haben eins gemeinsam: Es ist der Staat, der durch seine marktwidrigen und zum Teil enteignungsgleichen Eingriffe die Substanz dieser Unternehmen zerstört.

    Bei den Versorgern ist es die Enteignung der Kernkraftwerke und der hirnrissige Umstieg auf sogenannte erneuerbare Energien, die in absehbarer Zeit mit Sicherheit weder marktfähig sein werden noch einen Beitrag zur Sicherung der Stromversorgung für ein Industrieland leisten können. Bei der Telekom ist es die EU-Regulierungspolitik, die die Telekom daran hindert, in großem Umfang in den Ausbau des Glasfasernetzes zu investieren. Statt dessen zahlt man den Cash-flow dann eben als Dividende. In beiden Fällen also ist der Staat der Übeltäter. Niemand sonst!

    Die Konsequenz aus dieser Beobachtung kann nicht sein, dass man grundsätzlich Dividendenpapieren aus dem Weg geht, sondern, dass man solche Dividendenpapiere wählt, die vor staatlichen, planwirtschaftlichen Willkürmaßnahmen wie den oben beschriebenen als sicher erscheinen. Es gibt viele internationale Papiere, auf die das zutrifft.

    • FDominicus sagt:

      „Es gibt viele internationale Papiere, auf die das zutrifft.“

      Viele? Das stellt sich für mich anders da. Gehen wir mal einige Bereiche durch wo Planwirtschaft eher Realität als Fiktion ist:
      – Gesundheitswesen
      – Energie“markt“
      – Geld“markt“
      – Banken
      – Autobereich
      – Flugzeuge
      – Mietwohnungen
      – Arbeit
      – Land
      – Landwirtschaft

      Also ich finde nicht, das soviel bleibt.

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