Beobachtungen im Alltag

28. Januar 2009 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sobald die Tage länger werden, beginnen die Menschen mit seltsamen Sachen. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Netzhaut kitzeln, putzen sie ihre Glaskugeln und beginnen sich die Dinge im anderen Licht anzuschauen. Manche wie unser Wirtschaftsminister erzählen Heiterkeiten, die auf einen Mangel oder Überschuss an Hormen schließen lassen. Aufschwung im Frühjahr… Mehr Buchstaben möchte ich ihm heute gar nicht widmen, denn es gibt auch Erfreuliches zu berichten…

In Köln schien heute die Sonne. Die Tage sind jetzt etwas länger hell. Das scheint leider auch schon die einzige Planungssicherheit zu sein, denn zumindest die Götter halten sich an ihre Zusagen und drehen die Planeten im gleichen Takt wie seit Millionen von Jahren.

Die Blumenläden bieten Tulpen, Narzissen und andere Frühlingsboten an. Sie erheitern die Sinne, vor allem, weil sie dieses Jahr preiswerter zu bekommen sind. Ein paar Ecken weiter ist eine Tankstelle in den Ring der Kampfpreise eingestiegen. Ein Liter Diesel für weniger als einen Euro… Die Zahl „99“ scheint heute eine magische Zahl zu sein.

Der Winterschlussverkauf hat in Köln mit einem Boom der Prozente begonnen. In diesem Jahr startet dieser WSV mit besonders kleinen Zahlen. Die „99“ hinten dran bestimmen das Geschehen in den Läden. Doch viele Geschäfte waren leer. Während in meiner Wohngegend in kurzer Zeit etliche etablierten Geschäfte ihre Fensterläden schlossen, dauerte es nur wenige Wochen, bis ein weiterer 99-Cent-Shop das Licht der Welt erblickte. Aus unserer Venloer Straße ist ein Eldorado der Back-Shops, Nagelstudios, Telefon-Läden und Billig-Discounter geworden. Die Konsumwelt passt sich der Kaufkraft ihrer Kunden an. Damit verändern sich die Straßenzüge. Die einen nennen es Innovation, ein T-Shirt für weniger als zwei Euro kaufen zu können, die Älteren unter uns beobachten das „Straßenumbauprogramm“ etwas argwöhnisch. Letzte Woche hat unser Baumarkt geschlossen. Daneben ist der Buchladen auch zu.

Eine Frau wurde beim Kauf von zehn Glühbirnen beobachtet. Stiller Protest.

Meine Friseuse sprach von der Zurückhaltung ihrer Kunden. Männer gehen im Schnitt jetzt noch alle zehn Wochen zum Friseur, sagte ihr Kollege. Vielleicht liegt es am fehlenden Kleingeld oder an der veränderten Mode. Auch die besonders in Großstädten zunehmenden „Metrosexualität“ könnte ein Grund sein, meinte sie, konnte es mir das aber nicht ganz erklären. Ich wollte auch nicht so genau nachfragen. Moden kommen und vergehen.

Eine Bekannte aus der Wellnessbranche berichtet, dass einige Leute jetzt auf eine ferne Reise verzichten und sich dafür öfters mal einen Drei-Stunden-Urlaub leisten. Man lässt sich die Haare schönmachen, den Nacken massieren, sich von Hautunreinheiten befreien und erfährt nebenbei, was sich in der Welt verändert hat.

Ist Ihnen das auch aufgefallen? Auf den Autobahnen ist es gemütlicher geworden. Wo sich früher auf der rechten Spur noch LKW an LKW drängte, klaffen heute große Lücken. Vielleicht gibt es weniger Waren zu transportieren. Wenn kein Unfall passiert, erlebt man als Autofahrer immer häufiger eine staufreie Fahrt, und das für kleineres Geld, das man dem Tankwart gibt.

Was das alles mit Börse und Wirtschaft zu tun hat? Ich weiß es nicht. Es kündet bloß von Veränderungen.


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