Benzin und Diesel unter 1 Euro

10. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Die Autofahrer sind die Gewinner der globalen Rezession, kommentiert ein Sprecher im Radio den Fall der Dieselpreise unter einen Euro. Vor Freude fiel mir das Brötchen aus dem Mund. Ich weiß nicht, was der Kollege dort gefrühstückt hat, aber das möchte ich auch probieren…

So macht Tanken wieder richtig Spaß! Das sagte eben eine Stimme aus dem Lautsprecher. „Das ist ein unglaubliches Konjunkturprogramm!“, schiebt ein Fachmann hinterher. Ich bin verwirrt. Vielleicht liegen ja beide richtig?

Wer im Monat 1000 Kilometer fährt, und wessen Auto 6 Liter pro hundert Kilometer verbraucht, tankt monatlich also 60 Liter für 60 Euro. Richtig? Vor einem halben Jahr musste der Autofahrer bei einem Dieselpreis von 1,50 EUR/Liter 90 Euro auf den Tisch legen. Er spart – richtig – 30 Euro. Hurra! Wer nur 500 Kilometer im Monat fährt, spart immerhin noch sagenhafte 15 Euro. Gehen Sie damit mal einkaufen! Ich lege die Ersparnis schon mal für die höheren Krankenversicherungsbeiträge im nächsten Jahr zur Seite.

Ich mag nicht glauben, dass die Autofahrer wirklich die Gewinner der globales Rezession sind. Vielleicht würden sie sogar lieber 1,50 Euro pro Liter bezahlen, wenn sie sich dann nicht Sorgen um ihren Job machen müssten, in dieser globalen Rezession, von der unsere Experten jetzt auch überzeugt worden sind. Das RWI rechnen nun mit der schlimmsten Rezession seit dem Bestehen der Bundesrepublik. Darf ich ihnen diesmal trauen?

Unsere Kanzlerin scheint inzwischen auch Zweifel an den vielen Experten ausgemacht zu haben, schreibt die BILD-Zeitung. Ist Frau Merkel ihnen auf den Leim gegangen? Sind sich die Experten selbst auf den Leim gegangen? Wer kann das schon noch unterscheiden in Zeiten, in denen man nur noch den Sonnenaufgang und -untergang ernst nehmen kann.

„Warum ist die Welt in dieser schwierigen Lage? Doch auch, weil wir viel zu oft Experten geglaubt haben, die keine Experten waren. Vielleicht wussten wir damals nicht, dass sie keine Experten waren, aber wir wissen es heute“, schimpfte Merkel über die falschen Propheten auf dem CDU-Parteitag. „Viele Vorschläge widersprechen einander, manche widersprechen sogar sich selbst. Spätestens da sollten wir widersprechen“.

Und die Politik ist in der Tat spät dran. Deutschland befindet sich inzwischen in einer sogenannten „technischen Rezession“, was bedeutet, dass die Wirtschaft zwei Quartale mit einem Minus abgeschlossen hat. Soweit die Theorie. In der Praxis schaue ich mich um und gehe wieder in Deckung. Für den Begriff Depression gibt es bislang keine Definition, nur eine unter den Börsianern: Rezession ist, wenn der Nachbar keinen Job hat. Depression heißt, man selbst auch keinen mehr hat. Und ein fallender Kraftstoffpreis wird daran nicht ändern.

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