Benzin marsch! Zahltage bei Fed, EZB & Co.

20. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Wenn die „Retter“ wieder „retten“, dann … Rette sich wer kann! So könnte man die jüngsten Ankündigungen der Chefs von Fed und EZB zur „unbegrenzten“ Geldschöpfung zusammenfassen. Aber auch Japan und China, deren Volkswirtschaften inzwischen „reif für die Inseln“ sind, sind sich zumindest in diesem Punkt einig: Auch sie drucken Geld als gäbe es kein Morgen…

Dabei ist etwa die Ankündigung von EZB-Chef Draghi künftig „unbegrenzt“ Staatsanleihen kaufen zu wollen, schon ökonomisch unsinnig. Als ob sich eine Überschuldungskrise durch eine künstliche Zusatznachfrage nach den Schulden der Überschuldeten lösen ließe. Gewiss, sie schafft die offenbar so dringend benötigte Linderung für diejenigen, die so mannigfaltig Schuld(en) auf sich geladen haben. Doch durch die Außerkraftsetzung des disziplinierenden und daher als lästig empfundenen Marktgeschehens, wird die Schuldenmacherei nun sogar noch subventioniert.

Um einen derart starken Anreiz in Schach zu halten, bedarf es vielfältiger Auflagen, die aber nach aller Erfahrung mit europäischer „Rettungspolitik“ ohnehin nicht eingehalten werden, wenn wieder einmal Not am Mann bzw. an der Frau ist.

Dass der massenhafte Aufkauf von Ramschanleihen trotz aller betriebenen Sophisterei zumindest dem Geist des EZB-Status glasklar widerspricht, sei nur am Rande bemerkt. Aber: Wo kein Kläger, da kein Beklagter und falls sich doch ein Kläger findet, wird sich auch ein willfähriges Gericht finden, das die Angelegenheit zur Zufriedenheit der Machthaber hinbiegt.

Unzufrieden zeigte sich dagegen EU-Justizkommissarin Viviane Reding gestern in München. Ihr mißfiel die deutsche Debatte zur Eurokrise in der „unzählige Talkshow-Gäste“ die getroffenen Maßnahmen als das darstellten, was sie sind – als permanenten Rechtsbruch. Dies sei eine „groteske Missachtung … aller verantwortungsbewussten Politiker“. Ein Schuh, den wir uns beim Smart Investor nicht anzuziehen brauchen, denn verantwortungsbewussten Politikern wie Frank Schäffler (FDP), Peter Gauweiler (CSU), Klaus-Peter Willsch (CDU) oder Hubert Aiwanger (Freie Wähler), aber auch dem Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann (mit seiner sehr lesenswerten „Faust-Rede“) haben wir in unserer Berichterstattung stets Aufmerksamkeit geschenkt.

Ob Frau Kommissarin nun eigene Schönfärber-, Claqueurs- und Propagandisten-Quoten für deutsche Talkshows und Kommentarspalten plant, ist nicht bekannt – konsequent wäre es. Dennoch sind wir bei Frau Reding: Die „groteske Missachtung“ muss aufhören – vor allem die von Bürgerwillen, Recht und Verträgen durch die selbsternannten Euro-„Retter“ im Dunstkreis des Brüsseler Apparats.


Zu den Märkten

Das von den Notenbanken frisch geschaffene Geld verfehlte seine Wirkung indes nicht: Vor allem die Kurse der Staatsanleihen europäischer Problemstaaten wurden kurzfristig beflügelt, weil das Geld genau hier gezielt hineingelenkt wurde. Auch der Aktienmarkt hielt das nach Draghis Ankündigung erreichte Niveau, wir nannten es „Kollateralnutzen“.

Wenn man den Chart des DAX betrachtet, dann sieht man vor allem den immensen Einfluss der (Verbal-)Interventionen von Fed und EZB. Der Tag des BVerfG-Urteils nimmt sich dagegen ziemlich verhalten aus. Für den Fall eines theoretisch denkbar gewesenen ESM-Stopps durch das BVerfG wäre die EZB – auch ohne Mandat – sicher erneut Gewehr bei Fuß gestanden, um in die Lücke zu springen. Aber eine solche Sternstunde deutscher Justizgeschichte, mochte man den Richtern um Voßkuhle ohnehin kaum ernsthaft zutrauen.

Dennoch darf man sich nicht täuschen, auch die Effekte von Notenbankankinterventionen verpuffen und ziehen daher notwendigerweise weitere, immer größere Interventionen nach sich. Die Gretchenfrage ist, wann dies geschieht und wieviel Luft den Märkten in der Zwischenzeit zum Ausatmen gelassen wird. Die konzertierte Hektik der jüngsten Gelddruckorgien lässt nur den Schluss zu, dass es hinter den Kulissen bereits sehr schlimm ausgesehen haben muss und man den kritischen Märkten (also denen für problembehaftete Staatsanleihen) auch künftig nur relativ wenig Spielraum nach unten lassen wird.

Wie sich dies auf die Aktienmärkte generell auswirkt, ist dennoch ungewiss, denn dort fehlt es an den „offziellen“ Käufen, die den Rentenmarkt antreiben. Die sich weiter verschlechternde konjunkturelle Lage (z.B. erneuter Einbruch der Kfz-Zulassungszahlen in der Euro-Zone) zeigt zudem wie real das Rezessionsszenario eigentlich ist.

Überlagert wird dieses Negativszenario jedoch von einer anhaltenden Fluchtbewegung in Sachwerte, die angesichts der Inflationierung der Geldmengen gut nachvollziehbar ist. Dass ein Teil davon in Aktien flieht, zeigt der Ausbruch über das gut etablierte Widerstandsniveau bei rund 7.000 DAX-Punkten. Dennoch wird der Markt nicht „wie an einer Schnur gezogen“ nach oben laufen. Es gilt unsere Aussage aus Smart Investor 9/2012: „Fallen kann er, steigen muss er“ Attraktiver erscheinen uns allerdings weiter US-Aktien, die in einem vergleichbaren Umfeld weit geöffneter Geldschleusen stehen, aber nicht so direkt von den Wehen und Unwägbarkeiten der Verschmelzung der europäischen Nationen zu einem Einheitsstaat betroffen sind.

Klarer Favorit in einem Umfeld ultraleichten Geldes, das zudem durch die Finanzielle Repression gekennzeichnet ist, die sich im Wesentlichen in einer negativen Realverzinsung ausdrückt, bleiben die Edelmetalle. Wobei sich hier real am wenigsten ändert, es ist die Kaufkraft des Papiergeldes, die unter den Edelmetallen förmlich wegrutscht. Dies sieht auch Marc Faber so ähnlich, der ansonsten freimütig bekennt, dass auch er nicht weiss, auf welche Höhen uns die Maßnahmen der Notenbanken noch führen werden, bevor das System – da ist „Dr. Doom“ wiederum sicher – am Ende kollabieren wird. Ben Bernanke nennt er abfällig einen „Gelddrucker“, was im übrigen die Tätigkeit der meisten Notenbankchefs recht zutreffend beschreibt.

Fazit

Die Notenbanken geben weiter und verstärkt weltweit den Takt vor. Ein Entzug von der Droge des billigen Geldes ist nicht mehr möglich. Im Gegenteil, die Staatsjunkies bekommen von ihren „unabhängigen“ Dealern immer größere Dosen verabreicht.

© Ralf Flierl, Ralph MalischHomepage vom Smart Investor

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