Brüssel: Benötigen Sie einen Weihnachtsmann?

8. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Ronald Gehrt

Wer sich an die beiden köstlichen Szenen erinnert, in denen bei Loriot der ewige Student seine Dienste als Weihnachtsmann anpries, könnte sich sicher wie ich immer noch kugeln vor Lachen. Aber Evelyn Hamann und Vicco von Bülow hatten damals keinen Bedarf. Die EU und all diejenigen, die auf steigende Kurse zum Weihnachtsfest hoffen, hingegen schon. Man sollte den Herrn einfach an diese Klientel weiter vermitteln…

Denn ansonsten wird es knapp mit dem frohem Fest. Sicher, die Rallye aus der vorangegangenen Woche ist Ausdruck der verzweifelten Hoffnung … oder besser des verzweifelten Willens auf Hoffnung … vieler Marktteilnehmer. Vielleicht hofft man nächste Woche einfach weiter und steigt ein? Nicht ausgeschlossen, nur:

An den Börsen ist es möglich, dass die Kurse massiv in eine Richtung laufen, ohne dass auch nur eine ansatzweise Mehrheit des Kapitals die entsprechende Meinung wirklich vertritt. Besonders dann, wenn die Lage so unübersichtlich und mit Nachrichten und Gerüchten im Minutentakt geflutet ist wie momentan. Die Zahl derer, die insbesondere die Lage der EU noch einigermaßen erfassen können und darüber hinaus das Schulden-Problemkind USA nicht vergessen, sinkt sukzessive.

Und das kann dazu führen, dass irgend jemand einen Kursimpuls lostritt und alles blind hinterherläuft, weil man glaubt, da wisse jemand mehr als man selbst. Und Sie wissen ja: Ist eine Kauf- oder Verkaufslawine erst einmal losgetreten, ist sie in dieser volatilen Phase nicht mehr aufzuhalten. Sprich, ich bin mir gar nicht so sicher, ob diese Rallye in Richtung der bisherigen Zwischenhochs des Abwärtstrends wirklich eine Überzeugungstat war, zumal der Euro als primäres Barometer des Vertrauens in die EU nicht mitgelaufen ist.

Deshalb frage ich mich, ob es nach dieser Kaufwelle, die die schöne Bescherung zum dritten Advent in Form tiefgreifender Beschlüsse des anstehenden EU-Gipfels vorweg genommen hat, wirklich frohe Weihnachten für die Bullen geben wird. Immerhin liegt das, was dort abgenickt werden soll, doch schon mit Masse auf dem Tisch. Ein Vorziehen des Rettungsschirm-Starts auf 2012 (während man diese Sache mit der Hebelung immer noch nicht hinbekommen hat), automatische Milliarden-Strafen für Defizitsünder (eine alte Geschichte, die damals wie heute albern ist, weil sie das Problem des „Sünders“ ja noch mehr verschärft), Änderung der Abstimmungsmodalitäten (es soll eine 85%-Mehrheit zur Annahme von Beschlüssen reichen, um hartnäckige Widerständler ausbooten zu können), ein „Nein“ zu Eurobonds … all das haben „Merkozy“ (warum eigentlich nicht Sarkerkel?) doch schon ausgeheckt und auf den Tisch gelegt. (—> Seite 2)


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4 Kommentare auf "Brüssel: Benötigen Sie einen Weihnachtsmann?"

  1. JayJay sagt:

    Klasse Kommentar, besser hätte man es nicht ausdrücken können.
    Gold & Silber Ahoi

  2. pat sagt:

    Die „Japanische Krankheit“ hat mir die Augen geöffnet. Ich dachte immer der Crash muss zeitnah kommen, mit hohem Fieber bösen Gliederschmerzen, aber anschließender Rekonvaleszenz.

    Die „Japanische Krankheit“ scheint da eher was chronisches zu sein, was ein dahinsiechen über Jahrzehnte zur Folge hat, ohne rechte Hoffnung auf Heilung.

    Kann es möglich sein das jetzige System noch jahrzehnte über die Runden zu retten?

    So richtig vorstellen kann ich es mir immer noch nicht, aber Japan hat es ja vorgemacht.

    Ich will Fieber, Gliederschmerzen…

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo pat, auf der Metallwoche gibt es gegen 11 Uhr gleich einen Podcast mit Thorsten Polleit. Wir reden auch darüber. Japan macht jetzt den Anleihekäufern den kauf der Papiere mit Gold schmackhaft. Soweit ist man dort schon. Viele Grüße von Frank

  3. vegaman sagt:

    na ja,
    wer Wehnachten mal als Weihnachtsmann unterwegs war, der kann die Frage leicht beantworten: Gerade die frechsten Kinder beantworten diese Frage mti einem lauthalsen „Jaaaaa!!!“. Wer wollte da die Rute auspacken? ;-))

    Beste Grüße

    vegaman

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