Belohnung für die Pleite

14. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Wir müssen die Talente halten! So lautet eines der am häufigsten gehörten Argumente für absurde Gehälter in der Finanzbranche. Diese Branche ohne Wertschöpfung zahlt – zumindest auf höheren Ebenen – Saläre, die oft jenseits von gut und böse sind. Wenn sich die großen Vorsitzenden von Banken mit €500.000 im Jahr, also etwas mehr als €20.000 netto im Monat, Verlusten zum Trotz als unterbezahlt erachten, lässt dies tief blicken. Nun dürfen die Damen und Herren auch zehn Milliarden verdienen, aber das nur unwürdig zu nennende Gefasel, das wäre nötig, weil sie so überaus gut für ihre Jobs qualifiziert seien, ist unerträglich.

Wer erinnert sich nicht an die vielen Erfolgsbeispiele allein in der deutschen Wirtschaft. Kläglich gescheiterte Fusionen bei Daimler, ebenso hochbezahlte wie temporäre “Rettung“ von Chrysler mit peinlicher Anschlussinsolvenz, außerirdische variable Vergütungen für nicht schlaue sondern schlicht hoch gehebelte Investments im Bankensektor, gern auch außerbilanziell. Ach, eine herrliche Reihe, die sich über Seiten fortsetzen ließe. Das also sind die talentierten Frauen und Männer, die nur mit Millionengehältern zu halten sind? Es fällt dem außenstehenden Betrachter doch schwer, angesichts der schieren Häufung teurer Bruchlandungen an besondere Fähigkeiten der selbst ernannten geistigen Überflieger zu glauben. Aber in der Luftfahrtbranche gilt der Tiefflug bekanntermaßen als besonders anspruchsvoll.

Bevor der Würgereiz einsetzt, verlassen wir das heimische Parkett und werfen einen Blick auf einen ganz besonders absurden Fall in den USA. Das soll nicht heißen, dass es nicht auch in den Regionen Kiel, Frankfurt oder Düsseldorf veritable Gruselgeschichten gäbe. Heute aber, heute locken zwei der größten Pleitiers der letzten Jahre: Die Federal National Mortgage Association und die Federal Home Loan Mortgage Corporation. Die Firmen sind besser unter den Kosenamen Fannie Mae und Freddie Mac bekannt.

Beide Unternehmen dienten schlichtweg der öffentlichen Subventionierung von Immobilienkrediten. Die Basis war der irrige Gedanke, es sei hilfreich auch den Kauf von aberwitzig bewerteten Häusern zu subventionieren und eine Ersparnis von 0,15% beim Kredit würde das Geschäft langfristig zu einem guten Deal machen. Dem war bekanntermaßen nicht so. Im Jahr 2008 war es soweit, die beiden Firmen, die einen gewaltigen Teil des gesamten Hypothekenmarktes ausmachten, waren finanziell am Ende. Eigenkapitalzwerg und Bilanzriese in einem, dass geht nicht ewig gut. Dem Kollaps folgte eine Sonderform der Verstaatlichung, die conservatorship. Der Begriff legt eine zeitweilige Kontrolle des Staates nahe. Die desolate Lage der schwarzen Löcher aber impliziert eine dauerhafte Abwicklung, wenn das Schatzamt auch die direkte Übernahme der gigantischen Verbindlichkeiten in die Staatsbilanzen bisher meidet.

Zur Auffrischung: Bis dato haben allein diese beiden Pleitefirmen den Staat $150 Mrd. gekostet. Dieses Geld dient lediglich der Auffüllung von verbranntem Eigenkapital. Es wird nicht zurückgezahlt. Diese Zahl geht bei der Berichterstattung zur Bankenstützung in den USA gerne unter. Vergessen Sie es, die Stützung dieses Sektors wird den amerikanischen Steuerzahler genau so sicher Geld kosten, wie die Geldspritzen im Euroraum nicht spurlos an den Menschen der BRD vorbeigehen werden. Wenn Politiker etwas anderes behaupten und der Betrachter diese als höflicher Mensch nicht der Lüge bezichtigen will, bleibt nur eines. Es ist von schlichter Unfähigkeit auszugehen. Für das Ergebnis ist dies ohnehin unerheblich.

Auch die offiziellen Schätzungen in den USA gehen bis zum Jahre 2013 von Verlusten der beiden Firmen in Höhe von mehr als $360 Mrd. aus. Nur für diese beiden Institute wohlgemerkt. Die Zahlen der Firmen sind übrigens derart schlecht, dass ausländische Investoren die Anleihen dieser nun quasi staatlich garantierten Agenturen schon lange nicht mehr kaufen. Wer kauft denn dann? Richtig, die Zentralbank. Eigenkapital verbrannt, steigende Ausfallraten im Kreditbuch, Finanzierung nur wegen der Fed gesichert. So sehen im neuen Zeitalter die echten Erfolgsunternehmen aus!

Die Finanzierung der USA selbst sieht bekanntermaßen auch nicht besser aus. Wir finden es immer wieder erstaunlich, dass es scheinbar längerfristig möglich ist, Kriege mit gedrucktem Geld zu führen. Faszinierend, ebenso wie der Blick auf die Entwicklung der von der Fed gehaltenen US Staatspapiere.

Aber zurück zum Gehalt. Normalerweise sollten die oben genannten Firmen der ordnungsgemäßen Abwicklung entgegengehen. Der Vorsitzende wäre dementsprechend qualifiziert und müsste keine Raketenforschung betreiben. Etwas überspitzt formuliert kann es nicht so schwer sein, regelmäßig in den bestandsführenden Systemen die Verluste nachzuhalten und die entsprechende Notiz mit der diesmal nötigen Summe an das Schatzamt zu versenden. —–>

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6 Kommentare auf "Belohnung für die Pleite"

  1. wolfswurt sagt:

    Da übernimmt eine Regierung mit desolatem Haushalt zwei Firmen mit desolaten Bilanzen, beide geführt von desolaten Persönlichkeiten, und die desolate Fachwelt samt desolater Öffentlichkeit klatsch Beifall.

    Es ist wirklich keinem mehr zu helfen – laufen lassen mehr geht nicht!

    • M.Gatzke sagt:

      Sehr gut der Kommentar- kurz und bündig- alles gesagt , was Sache ist.

      Hier ist niemanden zu helfen, der Mensch ist so wie er ist -blind
      und unbelehrbar. Er war nie anders.
      Die Machthaber und Finanzberater sind so wie sie sind- sie glauben die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben- Herr über die Menschheit und sein Schicksal. Dabei haben sie -die einfachen Berater-besser Verkäufer- gar nichts begriffen. Das einzige was sie über unser System wissen ist- wie zocke ich richtig ab, wie manipuliere ich Markt und Meinung, wie hole ich
      daraus den höchsten Profit- ohne Skrupel- ohne an „Morgen “ zu
      denken.
      Nach dem Motto- was kümmert mich das „Morgen“- ich lebe und
      kassiere heute.
      Und die Bürger- sie werfen ahnungslos diesen Haien das Geld in den Rachen. Die Banken danken!
      So bekommt eigentlich jeder was er will. Die einen genügend
      Kunden- zum abzocken- und die anderen- die Kunden, genügend Schur-Verluste.
      Wer andere für sich denken lässt, dem wird geholfen.
      Warum nicht einen Werbespruch- alla Telekom:
      “ Da werden sie geholfen“!
      So kommt regelmäßig der Niedergang mit allen Konsequenzen.
      Nichts wird sich ändern.
      Es kann nur jeder für sich anfangen zu denken und sich im Rahmen
      der eng begrenzten Möglichkeiten selber retten- einen relativ
      sicheren Hafen suchen. Die Politik und die Geldmacht-Eliten- haben noch nie zum Wohle der Menschheit gehandelt- immer nur zum größtmöglichen Eigennutz. Mensch und Gesellschaft sind seit ewigen Zeiten immer nur Mittel zum Zweck.
      Die Befriedigung nach Macht -Gier -Bereicherung u.v.m. hat Vorrang.

      Die Finanzkrise hat das wieder mal bewiesen. Seit 2007- nichts ist passiert- nichts hat sich geändert, sie wollen auch gar nicht.
      Deshalb folgt sicher der nächste Streich. Und wieder wird der ahnungslose Anleger geschoren.
      Er wird nie dazulernen. Wieviele Betrüger wurden schon entlarvt?
      Und- alle machen weiter wie immer. Unser Geldsystem ist darauf angelegt. Das sollte jeder beachten. Es öffnet Tür und Tor für betrug aller Art.

  2. wolfswurt sagt:

    Zitat:
    „Aber wie gesagt, das gilt natürlich nur für Menschen, die dieser Argumentation folgen wollen.“

    …und da finden sich dann genauso viele, wie Fähige in den Chefetagen…

    Schöner Artikel. Weiter so auch wenn es nichts nützt… 🙂

  3. Belohnung für die Pleite sagt:

    […] und weiter lesen bei: http://rottmeyer.de/index.php/belohnung-fur-die-pleite/ Blog this! Recommend on Facebook Buzz it up Share via MySpace Tumblr it Tweet about it Buzz it up […]

  4. khaproperty sagt:

    Alles völlig richtig. Jedoch geht stets unter, daß diese Herrschaften niemals persönlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie Mist bauten, was recht häufig geschah. Ein gewisses Maß an Schuld daran trägt der Umstand, daß im Dschungel der naturgemäß unvollkommenen und von beinahe aller Verantwortung entlastenden Regulierungen „gläubiger“ Beamter und Berater mit meist keynes`schem Hintergrund und sozialistischen Tagträumen sich trefflich von der bei den Investmentbanken geclusterten Intelligenz Geld machen läßt – ohne dafür persönlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Sollte dies denn doch einmal drohen, vergleicht das Unternehmen sich mit Hunderten (von Kunden- und Eignergeldern abgeleiteten) Millioen oder besser gleich etlichen Milliarden mit Aufsichts- und Strafinstanzen – auf daß sogleich und bereits parallel dazu in vergleichbarer Weise weiter gemacht wird. Das ist degoutant und läßt etliche Beobachter das soeben Genossene aus dem Gesicht fallen

  5. Das griechische Schuldproblem ist kein Wirtschaftsproblem…

    …es ist ein Problem der Justiz.

    Mutige Richter braucht Griechenland, damit es sich selbst retten kann
    …keine fähigen Politiker.

    Heute haben all diese hinterlistigen Personen, welche durch Korruption reich geworden sind, den Griechen eine Wirtschafts“logik“ —und deren Methoden zur Lösung von Finanzproblemen— aufgebrummt, um sie fern von der realistischen —und für sie vorteilhaften— Lösung zu halten. Die Denkweise der Griechen wird von all denen in solche Richtungen gelenkt, welche Verlängerungen der Rückzahlungsfristen, Minderungen der Zinssätze oder eine Rückkehr zur Drachme —und allerlei derartige „Wirtschaftsmedizin“— als Lösungen des Problems erscheinen lassen. All dies ist falsch. Warum? Da alles von einem falschen „Ausgangspunkt“ abgeleitet wird. All dies gilt —und nur dann erst— wenn die Schulden real sind …Nur dann, wenn die Verschuldung legitim ist und der Kreditnehmer also legitim damit belastet wird. Aber ist dies hier der Fall? Sind die griechischen Schulden legal? Nun, wie kann eigentlich dieses Schuldproblem, dessen Legitimität infrage gestellt werden muss, da es infolge der Korruption der Politiker entstanden ist, von den Politikern selbst gelöst werden?

    Die Wahrheit, die von den Zinswucherern —die den gesamten Planeten und nicht nur Griechenland verwüsten— geheim gehalten wird, soll endlich an die Oberfläche kommen. Es kann nicht sein, dass ein echter (xxxxx), wie Dominique Strauss-Kahn einer ist, eines der brillantesten Völker der Geschichte der Menschheit ohne jede Reaktion verleumden und beleidigen kann. Es kann nicht sein, dass ein solcher Müll —wie er einer ist— lauter als die Stimme eines ganzen Volkes „dröhnt“. Die Griechen haben die Macht dieses „Informationsembargo“ zu brechen und an ihr Recht zu gelangen …Das Recht, das sie retten wird …Der Kampf ist mittlerweile kein „überflüssiger Spaß“ mehr, sondern er ist zu einer Notwendigkeit geworden.

    weiterlesen…
    http://eamb-ydrohoos.blogspot.com/2011/04/ich-gehe-nicht-weg-vom-obersten.html

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