Bella Italia!

18. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Italien ist ein wirklich herrliches Land. Große Berge, blaue See, morsche Banken. Unter der Decke schmort ein megadickes Finanzproblem, denn die Banken dort sitzen auf 360 Milliarden Euro an faulen Krediten…

An der Börse sucht man diese Aktien inzwischen mit der Lupe, so klein sind sie geworden, aber nicht minder gefährlich. Ihr Finanzmüll frisst sich täglich tiefer in Bilanz und Eigenkapital. Bei Licht betrachtet, sind sie alle pleite. 

Sorgt sich jemand? Offenbar nicht, denn sonst hätten die Leute ihr Geld dort abgeholt. Solange aber die Wand buntes Bargeld ausspuckt, heißt es „tutto bene! Alles gut! Würden Sie bei so einer Bank einen Kredit aufnehmen? Warum nicht? Aber würden Sie ihr Geld anvertrauen? Besser nicht! Es steht zu befürchten, dass ihre glänzenden Werbeplakate die Banken selbst überleben.

Wenn Banken Kredite vergeben, fragen sie immer nach Sicherheiten. Danach sollten Sparer ihre Bank auch fragen, wenn sie Geld für Null-Zinsen bunkern. Mehr als ein „Draghi zahlt!“ können sie nicht an Sicherheit bieten.

Seit Jahresbeginn gibt es ein Gesetz, wonach 100.000 Euro Guthaben eines Sparers durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert wären. In der Praxis aber rufen Italiens Banken nach 150 Milliarden Euro von wem auch immer. Sonst müssten ja die italienischen Sparer per Gesetz enteignet werden. Entweder kommt das Geld vom europäischen Steuerzahler oder aus der Druckerpresse. Draghi zahlt schon!

Und so wird man wieder und wie üblich, die Sonne am Himmel festkleben und rosarote Brillen verteilen, die Mathematik und andere Naturgesetze aushebeln bzw. auch das Recht dehnen und die Mandate frei interpretieren. Zudem gewöhnt man sich daran, dass die Sorgen nur andere haben und diese auch die Zeche zahlen.

Ist Italien wirklich das Problem? Aber was, wenn die Deutsche Bank kippen sollte? Laut dem IWF ist sie die „gefährlichste“ systemrelevante Bank der Welt, vor der Credit Suisse? Wir wissen es nicht, werden es aber erfahren.

Und so sitzt man im Sommer 2016 am Hafen im sonnigen Lazise – rechts steht eine Kirche, links die UniCredit. Dann fragt man sich, wer wohl die Zeit länger überdauern wird und zahlt seinen Milchkaffee in Euro – und stellt sich schon wieder die gleiche Frage.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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