Beipackzettel, Tests und anderer Unsinn

4. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Manche Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, ohne dass der Großteil der Betroffenen rechtzeitig davon erfährt. So ist das jetzt auch bei Produktinformationsblättern, populärer und treffender Beipackzettel genannt, die Anlageberater der Banken und Sparkassen vom 1. Juli an ihren Kunden für jedes gängige Anlageprodukt aushändigen sollen…

Die Beipackzettel müssen Angaben über die Struktur, die Chancen und Risiken enthalten, das alles bitteschön so übersichtlich dargestellt, dass die Kunden es auch wirklich verstehen. Hier handelt es sich nicht etwa um den Ersatz für die bereits seit Anfang 2010 geltenden Protokolle über Beratungsgespräche, sondern um deren Ergänzung.

Es kommt noch dicker: Für Fonds gibt es sogar schon eine EU-Richtlinie, die vom 1. Juli an gelten soll. Darin sind Beipackzettel nach KID spezifiziert. Das ist die Abkürzung für  K ey Information Document und bedeutet so viel wie Vorgabe für Informationen, in diesem Fall zu Investmentfonds. Obendrein hat der Zentrale Kreditausschuss, eine Art Dach aller deutschen Banken und Sparkassen, der Finanzaufsicht BaFin einen Standard-Beipackzettel vorgeschlagen, der die folgenden Angaben enthalten soll: Beschreibung und Daten des Finanzprodukts, Verfügbarkeit, Risiken, Kosten, Steuern, Szenario anhand eines Beispiels und sonstige Hinweise.

Damit nicht genug, geplant ist auch noch ein von der BaFin zu führendes Anlageberater-Register. Und damit bloß alles schön unter Kontrolle bleibt, ist der Einsatz von Testkäufern vorgesehen. Sie sollen prüfen, ob die gesetzlichen Vorgaben für Beratung und Protokollierung eingehalten werden. Falls nicht, müsste es noch einen Sanktionskatalog ähnlich dem Punktesystem für Autosünder in Flensburg geben. Doch so weit ist die federführende Ministerin Ilse Aigner noch nicht vorgedrungen.

Da die ganze Sache äußerst fragwürdig ist, nehme ich das Fazit schon mal vorweg: Wer sich unter den vorgegebenen Umständen beraten lässt, ist selbst schuld. Denn Protokolle zu Beratungsgesprächen sind eher geeignet, Berater und ihre Institute zu schützen als den Kunden die Sicherheit zu vermitteln, ordentlich beraten worden zu sein. Und Beipackzettel zu Produkten, beginnend mit der Beschreibung samt Daten und endend mit sonstigen Angaben, sagen rein gar nichts dazu aus, ob die betreffenden Finanzprodukte den Anlagezielen und Wünschen der Kunden entsprechen.

Bleiben wir noch ein wenig bei solchen Produkten. Beispiel Investmentfonds (nicht zu verwechseln mit geschlossenen Fonds): Es gibt sie, um nur ein paar gängige Beispiele zu nennen, als Aktien-, Renten-, Misch-, Geldmarkt-, Immobilien- und Dachfonds mit allen erdenklichen Untergruppen. Ihre Chancen sind nicht messbar, ihre Risiken werden in der Regel mithilfe von Kennzahlen zur Schwankungsintensität gemessen. Erkenntniswert? Nicht einzuschätzen. Nutzwert? Für Anbieter hoch, denn sie bestimmen die Konditionen (Ausgabeaufschläge, Managementgebühren, Transaktionskosten usw.), gewinnen also fast immer (wie die Spielbanken). Dagegen ist der Nutzwert für Anleger mehr oder weniger schwankend und umso fragwürdiger, je mehr ein Fonds sich spezialisiert hat, etwa auf Aktien oder Anleihen aus Schwellenländern, auf Branchen wie Edelmetalle oder Rohstoffe, auf Themen wie demografische Entwicklung oder Klimaschutz… (Seite 2)

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