Beim Tanken fängt die Freundschaft an!

29. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Glosse von Frank Meyer

Die wenigsten Leute machen sich Gedanken über Geld, das sie haben. Sie sorgen sich vielmehr um Geld, das sie gerne hätten. Am liebsten aber schimpfen sie derzeit über das Tanken. Da geht es richtig ab…

Beim Thema Tanken kocht die Volksseele. Benzin ist so teuer wie noch nie und kostet rund 1,60 Euro pro Liter Super. Super! Immerhin sind das nur 1,60 Euro und keine politisch unkorrekten 3,20 D-Mark. Die Grünen hatten ausnahmsweise mal recht. Fünf Mark dürfen es schon sein, hieß es damals. Der Chart des Benzinpreises sieht „äußerst positiv“ aus und zeigt auf allen Ebenen eindeutige Kaufsignale.

Wie immer kurz vor Ostern stiegen auch in diesem Jahr die Preise. Und danach stiegen sie noch weiter. Das nennt man Aufschwung. Vergessen? Wollte Wirtschaftsminister Brüderle nicht zum Kartellamt? Kartellamt ist doch ein Amt für das Kartell. Oder sehe ich das falsch?

Wie dem auch sei, Herr Brüderle konnte offenbar noch nichts im „Kampf gegen den Benzinpreis“ ausrichten. Vielleicht war er auch gar nicht beim Amt, weil sein Tank leer war und der Reservekanister mit einer für Autos untauglichen Flüssigkeit befüllt? Oder hatte das Auto gar einen E10-Schaden?

Zumindest war es auch in diesem Jahr eine der ach so beliebten österlichen Botschaften, sich um die „Abzocke“ zu kümmern, was dem Wirtschaftsminister viele positive Schlagzeilen einbrachte. Im Übrigen wollen das seit Jahrzehnten alle Wirtschaftsminister, den Ölmultis die Meinung sagen und ihnen auf den Zahn fühlen. In ihren Terminkalendern steht das fest drin – kurz vor Ostern, Pfingsten und auch vor Weihnachten. Es ist ein übliches Ritual, wie man sich zu Feiertagen Grüße und Wünsche schickt.

Ach, ein ganzer Euro des Preises ist steuerlich bedingt? Kampf den Ölmultis! Mehr Essen in den Tank! Man sollte die Produktion von Nahrungsmitteln doch stärker steuerlich fördern – wegen der Umwelt.

Österliche Verpuffungen

Zwei vielleicht etwas weltfremde Frauen schaffen es zu Ostern ganz hoch in die Schlagzeilen. Auf die Idee muss man erst mal kommen. Sie tankten für 9,99 Euro pro Liter und riefen die Polizei, als die Rechnung kam. Die armen Beamten. Sie konnten nichts ausrichten, haben also wiederum Benzin umsonst verfahren und den Steuerzahler belastet. Die Zeitungen berichteten davon auf den Titelseiten. Vielleicht hat der Autor dieser Zeilen die darauf folgenden Sondersendungen verpasst. Der stand nämlich im Stau und erfuhr über die Bestürzung im Radio. Dort hieß es auch, dass für die Polizei das Tanken zu teuer geworden ist, weshalb es hier zu Einschränkungen kommen musste… (Seite 2)

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14 Kommentare auf "Beim Tanken fängt die Freundschaft an!"

  1. JATULKA sagt:

    Herr Meyer, Sie erlauben mir einen Satz zu den stabilen Benzinpreisen.
    Zu DDR Zeiten hatten wir immer ein mittleres Jahr.
    Es war zwar viel schlechter als das letzte Jahr aber dafür viel besser als das nächste Jahr.
    Demzufolge haben wir auch durchschnittliche Benzinpreise.
    Grüße aus Thüringen

  2. JayJay sagt:

    @holger, er war nach meiner Erfahrung gefühlt billig. Es waren soweit ich mich erinnere, 1,50 Ost-Mark für Benzin, Diesel weiß ich nicht mehr.

    Aber egal, heute für 1,60 € oder mehr, wenn interesiert es, wenn man die Leute draußen sieht, mit den größten SUVs, BMVs, Daimler und wie sie alle heißen, da geht doch nichts mehr unter einem V6.

    Daher sollen sie, doch meckern an der Tanke, aber solange sie solche großen Wagen fahren können, wo ist dann das Problem, frage ich ?

    Gold & Silber Ahoi

    • wolfswurt sagt:

      Also die Wagengröße entspricht nicht der Dicke der Brieftasche.
      Sehr schön zu beobachten an Tankstellen für welchen Beitrag die stolzen Besitzer großer Wagen so tanken: 15€, 20€, 25€, und 30€ – dann ist meistens auch schon Schluß.

      Lustig war letzte Woche an unserer Tankstelle ein Ferrarifahrer aus HH der für 20€ tankte . . .

  3. wolfswurt sagt:

    Dem Titel eines Beitrages von WELT-online nach „Der Aufschwung gewinnt täglich an Kraft“ ist wohl der Preisaufschwung gemeint.

    Diese Formulierung ist steigerbar in: Der Aufschwung gewinnt stündlich an Kraft oder minütlich oder sekündlich und weiter dann zehntel hundertstel, tausendstel, zehntausendstel usw.

    Wir erleben aufjedenfall täglich unaufhaltsam den Abschwung der Gehirnleistung…

  4. Edwin Glaser sagt:

    „Es bleibt eigentlich nur, die Kiste stehen zu lassen und mit dem Rad zu fahren. Einen täglichen Arbeitsweg von 100 Kilometern schafft man in knapp fünf Stunden.“
    Wenn Sie da weiter rechnen, kommen Sie auf ganz erstaunliche Zahlen.

    Nehmen wir mal irgendeinen Mittelklassenwagen aus dem ADAC-Kostenrechner – 720 Euro pro Monat alles zusammen. Nehmen wir mal 10 Euro Stundenlohn Netto.
    Damit arbeiten Sie 9 Tage im Monat nur für Ihr Auto.

    Mit dem PKW brauchen Sie für 2×50 km durchschnittlich 3 Stunden 30 Minuten (Inklusive Parkplatzsuche).
    Auto verkauft und Teilzeit-Arbeitsvertrag abgeschlossen – Sie müssen also noch 11 statt 20 Tage im Monat arbeiten.

    Vollzeit und Auto: 160 Arbeitsstunden und 20*210 Minuten Fahrt = 230 Stunden

    Teilzeit und Rad: 88 Arbeitsstunden und 11*5 Stunden Fahrt = 143 Stunden

    87 Stunden eingespart!

    Nur muss ich Ihnen leider recht geben – bringe ich dieses Beispiel beim Smalltalk über Stau und Spritpreise, ernten ich eisiges Schweigen.
    Grüße an alle Radfahrer. Und auch an die Schuldknechte der Autoindustrie.

  5. Stuelpner sagt:

    @holger
    Wie ich aus zuverlässiger Quelle weis hat der Benzin (.jayjay) egal ob 2 oder 4 Takter 1,50 gekostet, Diesel 1,40 aber Diesel-PKW gabs nicht, also nur für LKW. Dann gabs noch Super für 1,65. Die Preise waren über Jahre die Gleichen.
    Ob das nun teuer ist, wenn Dir kostenloser oder sehr kostengünstiger Werkspersonenverkehr zur Verfügung steht, (Zu deutsch Du brauchtest kein Fahrzeug um auf Arbeit zukommen.) Du bei ca. 800 Mark Einkommen 60 M Sozialabgaben und 40 M Miete (warm) für 72qm Neubauwohnung, 0,50 M für ein Brot bezahlst, dann sind die paar Mark für den Sprit nicht ins Gewicht gefallen.

    @Frank
    2. Marginerhöhung heute, ist ja schrecklich.

  6. Adeke sagt:

    Wutpegelstand wegen der Benzinpreise gleich Null – dank glücklicher Fügung. Wutpegelstand auch generell nicht bzw. nie nachhaltig erhöht – ein noch viel größeres Anlegerglück: Depotbeimischung von geistigen commodities – als Strategie zur Absicherung, wegen der negativen Korrelation.

  7. rolandus sagt:

    @Frank…eben gerade durch die Beimischung von geistigen Commodities in Form von (Hell-),Meyer,Flierl und co ist doch das Depot gerade rund geworden. Selbst der IAC hat in seinem heutigen newsletter festgestellt, dass es eine stille Enteignung gibt, hält aber EM immer noch für dummes Zeug…da siehst Du mal was das Fehlen der geistigen Commoditoies anrichten kann ,-)))

    Schön Gruß ins Ried
    rolandus

  8. Leuchtturmwaerter sagt:

    Ich kann mich an einen Spritpreis von so 1,50 – 1,60 erinnern. VK88 nannte sich das damals. Für einen Schüler wie mich, der seine Simson (und ich mein ne S51 und keine Schwalbe – die wollte nämlich keiner) selbst angespart hatte, war das schon richtig Geld. Das besserte sich erst in der Lehre. Sinnig umgegangen konnte man mit den 120,- Mark im ersten Lehrjahr schon was anfangen.
    Gruß aus der norddeutschen Tiefebene

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