Bei „Crash“ mehr „Cash“

25. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Wenn die Geldpolitik sich in das „Schlepptau“ der Finanzmärkte, der Staaten und Banken begibt, wird Inflation unausweichlich. Im Jahr 2000/2001 platze der „New Economy“-Boom. Die überschwängliche Hoffnung zerstob, der Konjunkturaufschwung würde ewig andauern. Die Aktienkurse gingen weltweit auf Talfahrt...

Als Reaktion darauf vollzog die Zentralbankpolitik unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika einen Regimewechsel: Sie richtete fortan ihre Politik nicht mehr primär an Inflation und Konjunktur aus. Vielmehr galt ihre Aufmerksamkeit jetzt der Stabilität des Finanzsektors. Und weil letzterer durch die fallenden Aktienkurse in Bedrängnis kam, sollten vor allem niedrige Leitzinsen sie wieder in die Höhe treiben.

Die niedrigen Zinsen verfehlten ihre Wirkung nicht. Schon ab Ende 2003 begannen die Aktienkurse wieder zu steigen – trotzdem wurden die Zinsen sogar noch weiter abgesenkt und erst zu Beginn wieder angehoben.

polleit-2015-04-24-1Die Niedrigzinspolitik sorgte sodann für einen noch nicht dagewesenen Kreditboom, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit. Insbesondere Banken und Staaten verschuldeten sich kräftig.

Ab Mitte 2007 ging dem Boom die Luft aus, und 2008 kam es zum Bust. Die geldpolitische Antwort war die gleiche, allerdings fiel sie „aggressiver“ denn je aus. Die US-Zentralbank (Fed) senkte die Leitzzinsen nun auf de facto null Prozent ab. Zudem erhöhte sie ab Ende 2008 die Basisgeldmenge (das ist die berühmt-berüchtigte „QE“-Politik).

Extrem niedrige Zinsen und eine ansteigende Geldmenge ließen den Aktienmarkt ab März 2009 wieder in die Höhe steigen. Auch die US-Konjunktur begann sich wieder zu erholen (zumindest hat es den Anschein). Doch künstlich gesenkte Zinsen und ein Ausweiten der Geldmenge sorgen nur für einen „Scheinaufschwung“, der früher oder später wieder in sich zusammenbrechen muss – genau so, wie in den Jahren zuvor auch.

polleit-2015-04-24-2Das mag erklären, warum die US-Zentralbank sich aktuell auch so schwer tut, die Zinsen wieder auf „normale“ Niveaus anzuheben. Schon ein Abflauen der monetären Expansion würde das Konjunkturgebäude einstürzen lassen.

Der Weg in die Inflation

Wenn aber die Geldpolitiken danach trachten, den künstlichen Boom, den sie durch niedrige Zinsen und Geldmengenausweitung in Gang gesetzt haben, vor der Korrektur bewahren zu wollen, ist der Weg in die Inflation vorgezeichnet.

Jeder drohende Konjunkturabschwung, vor allem auch jeder Rückgang der Vermögenspreise und insbesondere der Aktienkurse wird eine immer heftigere geldpolitische Reaktion provozieren.

Dass das Motto der Geldpolitik lautet „Bei Crash noch mehr Cash“ hat sich längst auf den Finanzmärkten herumgesprochen, und es spornt die Investoren an, immer höhere Preise für Aktien zu zahlen.

Verstärkt wird der Kaufdrang dadurch, dass es einen „Konsens“ gibt, eine Deflation – also ein Rückgang der Preise – sei mit allen Mitteln zu verhindern, dass die bisherige Inflationspraxis mit allen Mitteln fortzuführen sei.

Wenn die Geldpolitik sich in das Schlepptau der Finanzmärkte, der Staaten und Banken begibt – und das ist bereits geschehen –, wird Inflation unausweichlich. Friedrich August von Hayek hat das eindrucksvoll zusammengefasst:

Die Inflation “ist gewöhnlich sowohl für die Regierung als auch für die private Geschäftswelt der leichte Weg aus momentanen Schwierigkeiten … . Sie ist das unausbleibliche Ergebnis einer Politik, die alle anderen Entscheidungen als Ge-gebenheiten ansieht, an die das Geldangebot so angepaßt werden muß, daß der durch andere Maßnahmen angerichtete Schaden so wenig wie möglich bemerkt wird.“ F. A. v. Hayek (1960), Die Verfassung der Freiheit, S. 419 – 420.



China braucht mehr Gold

Wenn der Renminbi zur internationalen Reservewährung aufsteigen soll, wird China seine Goldreserven aufstocken müssen.

China ist bestrebt, die eigene Währung, den Renminbi (RMB), zu internationalisieren, ihn als internationale Transaktions-, Investitions- und Reservewährung zu etablieren. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat die chinesische Regierung beispielsweise „Offshore“-RMB-Märkte geschaffen, auf denen der RMB gehandelt werden kann, quasi abgetrennt von der heimischen Finanzindustrie. (Derzeit werden etwa 80 Prozent des Offshore-Renminbi-Handels über Hongkong abgewickelt.) Zudem werden Direktinvestitionen in RMB und Auslandskredite in RMB gefördert, und inländische Banken sollen RMB-Kredite bald auch im Ausland vergeben können.

Ob es gelingt, eine Währung als internationale Reservewährung zu etablieren, hängt von vielen Faktoren ab. Hierzu zählen beispielsweise die Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaft, institutionelle Faktoren wie politische Stabilität und Rechtssicherheit, die weltweite Bedeutung der heimischen Finanzmärkte und natürlich die volle Konvertibilität der Währung.

Ein zentraler Aspekt dabei ist auch die „Deckung“ der Währung. China verfügt über Währungsreserven von derzeit etwa 3,7 Billionen US-Dollar, und zwar vor allem in Form von US-Dollar-Guthaben und anderen ungedeckten Papierwährungen. Eine Währung, die der Weltleitwährung – dem US-Dollar – echte Konkurrenz machen will, wird jedoch mit einer solchen Deckung dauerhaft nicht operieren beziehungsweise konkurrieren können.

Das lenkt den Blick auf das Gold in seiner Funktion als „Währungsanker“. China verfügt (gemäß den offiziellen Zahlen) derzeit über 33,89 Millionen Feinunzen Gold. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten, die die größten Goldreserven haben, halten 261,5 Millionen Feinunzen. China hat aber nicht nur absolut weniger Gold als die Vereinigten Staaten, das „Deckungsverhältnis“ – gemessen als ausstehende RMB-Geldmenge im Verhältnis zum Reservegold – ist ausgesprochen gerin…

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Um die Goldreserven aufzustocken und damit das „Deckungsverhält-nis“ zu verbessern, könnte China (1) seine bisherigen Währungsreserven in Form von zum Beispiel US-Dollar und Euro verkaufen und für den Erlös Gold kaufen, oder (2) China kauft Gold durch Ausgabe von neuen RMB.

Sollte China seine Goldreserven aufstocken, wäre nicht verwunderlich, wenn sich das in aller Stille und in einem langgestreckten Prozess vollzieht. Alles andere würde absehbare starke Preiswirkungen auf dem physischen Markt nach sich ziehen (indem beispielsweise „Trittbrettfahrer“ für einen Preisauftrieb des gelben Metalls sorgen).

Entscheidend wird letztlich sein, ob die Chinesen ihren RMB tatsächlich als Konkurrent zum US-Dollar in den Weltfinanzmärkten etablieren wollen, oder ob der RMB nicht doch in einer „Währungskooperation“ zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt eingebunden werden soll. Im ersten Fall wird China absehbar mehr Gold brauchen. Im zweiten Fall liefe es bestenfalls auf eine Zwischenlösung hinaus, eines Währungssystems, das ebenfalls auf ungedeckten Währungen aufgebaut sein würde. Doch gerade von dieser Konstruktion scheinen die Chinesen loskommen zu wollen. Und deshalb erscheint es wahrscheinlich, dass die Chinesen noch zu ganz großen Goldnachfragern aufsteigen werden.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH


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2 Kommentare auf "Bei „Crash“ mehr „Cash“"

  1. Noch nie war Gold wertvoller als heute-alles Andere ist Goldwischerei (Goldige-Politik), denn jüngst wollte man den goldigen Zeiten abschwören, doch das war wohl ein Papiertiger der Eindruck schinden sollte, so dass die Privatanleger schnell ihr Gold verkaufen.
    Warum wird wohl um Gold soviel Wirbel gemacht? Wer kann, soll auf seinem Gold (wenn es um Gold-Barren geht) sitzen und abwarten! Angebliches „Gold“ in Papier kann schnell verbrennnen.

  2. Insasse sagt:

    Arbeitet China tatsächlich an der zuletzt genannten Alternative, wird es in der für die Goldkäufe benötigten Zeit nicht an steigenden Preisen interessiert sein. Dann bleibt die Preisentwicklung bestenfalls langweilig (= relativ stabil). Es wäre aber auch nicht verwunderlich, wenn China günstiger als zum derzeitigen Preis einkaufen wollte. Solange sich China im Akkumulationsprozess befindet – und zumindest nach den offiziellen Angaben zu den chinesischen Goldreserven, gäbe es noch viel Gold zu beschaffen – wäre Gold als Vermögensanlage mit Wertzuwachs nicht wirklich geeignet. Bliebe einstweilen die Funktion als Versicherung gegen Währungschrashs, Staatsbankrotte etc.

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