Bauen wie in den 60igern

3. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Case Shiller Hauspreisindex stieg in der vergangenen Woche erneut deutlich an. Seit dem Einbruch der Preise von 2006 bis 2009 oszillieren die Preise für Wohnimmobilien in den Staaten nun seit vier Jahren unter Schwankungen seitwärts und liegen auf dem Niveau von 2003. Nominal…

Liest man die Gazetten, so stellt sich der Eindruck ein, der Immobilienmarkt in den USA befände sich in einer Phase der kometengleichen Wiederauferstehung. Möglicherweise liegt es an der Berichterstattung, die die starken Monate betont und die schwächeren auslässt. Nach dem ersten Tiefpunkt der Preise 2009 stieg der Index um 7% an, nur um darauf wieder 10% nachzugeben und ein neues Tief zu markieren. Ausgehend von diesem Tiefpunkt ist der Index nun wieder 9% angestiegen. Viel Lärm um nichts.

Dennoch mag der ständige Hinweis aus Europa, die Finanzkrise sei allein durch die amerikanische Immobilienkrise ausgelöst worden, zwar opportun sein. Richtig wird er dadurch nicht. Die Ausmaße der Übertreibungen an den Häusermärkten Europas war und ist um ein Vielfaches größer. Wenn sich einige überforderte Möchtegernbanken dazu entschieden haben, sich mit überteuerten Verbriefungen vollzusaugen, müssen sie sich an die eigene Nase fassen.Jeder halst sich eben soviele Probleme wie möglich auf.

Durch die Krankheit anderer wird man allerdings nicht selber wieder gesund und so hat auch der US-Markt weiterhin Probleme. Die nun schon einige Jahre anhaltende Stabilisierung hilft zwar sowohl den Banken als auch den Besitzern der Häuser. Am Bein der Bauwirtschaft hängen jedoch trotz der begrenzten Haltbarkeit amerikanischer Baukunst noch immer das Überangebot vergangener Tage und die sinkende reale Kaufkraft der US-Bürger.

Die Zahl der Neubauten zog in den letzten Quartalen vom in der Krise erreichten Tiefpunkt prozentual betrachtet merklich an. Damit erreichten sie jedoch nur wieder das Niveau von 1966, freilich ohne Bereinigung des Bevölkerungswachstums. Die Anzahl der Beschäftigten im Baugewerbe pro jährlichem Neubau ist im historischen Vergleich immer noch hoch. Die folgende Grafik zeigt den Verlauf dieser Kennzahl beim Aufblasen und Platzen der Blase.

Insgesamt erreichte der Anteil der Beschäftigten im Baugewerbe an der Gesamtbevölkerung auch in Spitzenzeiten nicht mehr als 2,5%. Zur Einordnung des europäischen Wahns: Der Anteil in Spanien lag teilweise vier Mal so hoch. Was die Leute in Südeuropa in Zukunft machen werden ist unklar, auf dem Bau werden die meisten auf absehbare Zeit nicht mehr bemötigt. Es sei denn, in Brüssel setzt man auf den Bau Eurobond-finanzierter Dritthäuser in Spanien. Jetzt gehts lohos …

Als Bevölkerungsgruppe haben die Beschäftigten des Baugewerbes in den Staaten an Bedeutung verloren. Besonders düster ist die Gegenüberstellung mit einer der am schnellsten wachsenden Gruppe, den Empfängern von Lebensmittelmarken. Deren Zahl nähert sich der Marke von 50 Millionen Menschen. Es ist schon eine seltsame Erholung, die die USA da im Griff hat.

 Die bis ins Jahr 2012 anhaltende Verbesserung der Unternehmensgewinne war größtenteils durch eine Ausweitung der Margen getrieben, die ein Rekordhoch erreichten. Die wirtschaftliche Basis in den Staaten ist jedoch weiterhin so fragil, dass von einer Steigerung der Umsätze bei stabilen Margen in der Breite nicht auszugehen ist. Wie die laufende Berichtssaison zeigt, schwächen sich schon jetzt die Margen deutlich ab, während die Umsätze sinken.

Auch die Bauwirtschaft sollte den dynamischen Teil der Erholung hinter sich haben. So schön der Vergleich von Miete mit den Kreditkosten auch sein mag, den Kredit muss man erst einmal bekommen.


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