Bauchmuskeltraining

9. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Aufhören! Es tut doch jetzt schon so höllisch weh! Dabei gilt Lachen als Medizin! Mit Pomp und Gloria wurde nun der neue 50-Euroschein vorgestellt, der im April 2017 in Umlauf kommt und die Welt sicherer und schöner machen soll…

„Kampf den Geldfälschern!“, heißt es. Schließlich wurden im letzten Jahr 899.000 falsche Scheine sichergestellt, jede zweite Note war dabei ein falscher Fuffziger. Die Polizeigewerkschaft hat jetzt schon ihre Zweifel, dass der neue 50er „betrugsresistent“ sei. Ha!

Genau betrachtet und noch genauer gewogen, bringt der Neue ein Gramm auf die Waage. Inhaltstoffe: Baumwolle, Farbe und Vertrauen. Vertrauen in Baumwolle und Farbe? Aua!

Dieses Geld ist ein kollektiver Irrglaube, den man zu kaum nennenswerten Kosten herstellen kann. Das meiste davon gibt es ja nur als Elektro-Geld auf Konten. Nur, es ist gar kein Geld, sondern nur Zahlungsmittel bzw. Illusion. Oder anders gesagt: Ob ein Geldfälscher die Scheine durch den Kopierer zieht oder die EZB, spielt eigentlich keine Rolle. Es kommt auf die Menge der Scheine an. Die EZB hat nur die bessere und schnellere Technik als die Geldfälscher. Dabei hat sich die Bargeldmenge seit Einführung des Euros durch die EZB verfünffacht bei geplant reduzierter Kaufkraft pro Stück.

Eine Eigenschaft von Geld ist seine Wertspeicherfunktion. Diese hat aber der Euro definitiv nicht. Jedoch nennt man das, was aus dem Automaten kommt „Geld“. Die so viel gerühmten Sicherheitsmerkmale täuschen vor, was es nicht gibt: Sicherheit.

Wer Geld immer schneller erzeugt, zerstört seinen Mythos. Im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer Notenbank auch Geld aus dem Helikopter regnen zu lassen, ist es sogar ziemlich umständlich mit den Sicherheitsmerkmalen. Wenn man selbst die Scheine durch den Farbkopierer jagen könnte, würde die EZB ihr Inflationsziel ganz schnell erreichen. Was habe ich gelacht! Fälschungssicher, und das im Auftrag von Gelddruckern!

 

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5 Kommentare auf "Bauchmuskeltraining"

  1. EWK sagt:

    So ein Geldschein ist ein Pfennigartikel. Der EZB sei’s gegönnt, dass sie so preiswert Banknoten herstellen lassen kann. Nachahmern fehlt (vermutlich) die industrielle Verfahrenstechnik, um bei den Kosten mithalten zu können. Was soll’s? Selbst wenn der 50er in der Herstellung die fünfzigfachen Kosten verursachen sollte, bleiben immer noch 45 Euro. Vertriebskosten, je nach Qualität der Scheine 30 bis 50 Prozent gehen noch ab, bleiben für den Produzenten mindestens 22 Euro übrig. Auch mit „mittelalterlicher“ Technik sind da pro Stunde leicht 50 Exemplare (+Ausschuss) erzeugt.
    Warum die EZB diese privatwirtschaftliche Initiative zur Unterstützung ihrer Bemühungen zur Ankurbelung der Inflation ablehnt, ist allerdings leicht erklärt:
    Falschgeld ermöglicht es Schulden zu tilgen ohne dass zur Vermeidung von Deflation neue Schulden gemacht werden müssen. Den Trick hat die EZB (noch) nicht angewendet.
    Falschgeld ist folglich ein faszinierender Weg aus der Schuldenfalle – und ausgerechnet der ist unter Androhung von Gefängnisstrafen streng verboten!

    Ein Lump, wer Schlechtes dabei denkt.
    Vor allem, weil die EZB ja selbst schon darüber nachdenkt, „Helikoptergeld“ abwerfen zu lassen.

  2. Avantgarde sagt:

    80 Mrd a Monat,
    Das bedeutet um es mal in ein Verhältnis zu setzten:
    Innerhalb von 4 Monaten wären die Griechischen Staatsschulden i.H. v. 316 Mrd herein“gedruckt“
    Ach was hätten wir uns da an Aufregung alles ersparen können – wenn es denn so einfach wäre. 🙂

  3. Argonautiker sagt:

    Es war einmal.

    Auf der Osterinsel so erzählte man sich, haben die Menschen es einst hinbekommen, auch die letzten Bäume der Insel zu fällen. Ihr Glaube besagte, daß man den Göttern durch den Bau von Moais opfern müsse, da die Ernten sonst schlecht ausfallen würden. Und so fällten sie Baum um Baum um ihre Moais aus dem Steinbruch auf die Felder in die Täler zu transportieren. Von Weitem, so erzählte man, hätte man so die Moais über die Insel wandern sehen können. Erosion, die Wegwehung des Humus war die bittere Folge ihrer Baumrodungen. Und so rodete und opferte man seinen Götzen, bis aller wirklicher Humus verfolgen war und keine Ernten mehr möglich waren.

    Ich habe keine Bedenken, daß die Unseren vergleichbares schaffen. Ach was, sie werden es noch übertreffen. Schließlich kommt der größte Götzenglaube doch aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Gibt es übrigens unbegrenzte Möglichkeiten in einer begrenzten Welt? Ach ja, ich vergaß die Illusion eines wohlklingenden Spruchs, übertrifft natürlich die Wahrheit der Wirklichkeit, sodaß man so einem Blödsinn nachlaufen kann. Hollywood. Einmal „vom Tellerwäscher zum Millionär“ bitte. Mit oder ohne Rückfahrkarte? Ähh ?!?

    Was man auf der Osterinsel im Kleinen geschafft hat, sollten unsere ewigen Sieger doch auch Global schaffen. Man denkt ja heute konstruktiv, das beinhaltet im „Neudenk“ den Glauben, daß man das, was im Kleinen schief geht, nur größer aufziehen muß, dann klappt es schon irgendwann und man erreicht den Status „to big to fail“, und dann bekommt man mit genügend Regeln und Neusprech, auch eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten hin. Zu mindest vielleicht eine weltweite kosmogeniale telepathisch hydraulische Währung, (ganz ohne Hebel), an die man einfach glauben muß. Und wehe wenn nicht. Die Hohepriester des Geldes können da ganz eigen sein, wenn man ihren Glauben verletzt. Selbst Islamisten erblassen da vor Neid.

    Irgendwann wird es dann so viele bunte Scheinchen geben, daß wir alles zu Banknoten umgewandelt haben werden. So wie man sich früher umstellen mußte, daß die Möbel nicht mehr aus Holz gefertigt wurden, sondern aus Pressholz, so wird es dann Möbel, Häuser, Strassen, ach was rede ich, alles wird aus Pressgeld entstehen. Und da wird trotzdem immer Einer sein, der wieder ruft, wir müssen unserem Geldgott mehr opfern, damit wir unsere Erträge wieder steigern können, laßt uns mehr drucken.

    Bis eines Tages eine zarte schüchterne Stimme ertönen wird, die kleinlaut fragt. Womit oh großer Hohepriester, alle Bäume, Baumwolle, und sonstige Stoffe sind verbraucht, wir haben alles in Geld verwandelt. Natürlich wußte der Hohepriester sofort Rat, denn was sollte er auch anders tun, er hatte doch nichts anderes, als Hohepriester gelernt, also sprach er mit fester und überzeugter Stimme. Laßt uns das neue Geld auf die Haut von Menschen drucken. Hurra, schrieen alle. Und so begab es sich, daß sich die Menschen bei lebendigem Leib die Haut abzogen.

    Da waren die Hohepriester wieder zufrieden. Eine Zeitlang.

    • bluestar sagt:

      @Argonautiker
      Sehr schöner, nachdenklicher Kommentar zum sogenannten vernunftbegabten Wesen.
      Kleine Ergänzung: Und jene, die sich die Haut nicht abziehen lassen wollten, wurden von der grölenden Mehrheit diffamiert, angefeindet und verfolgt.

      VG an die Weser

      • Argonautiker sagt:

        Richtig, ab ins Guantanamo der Währungsungläubigen mit den Verweigerern. Man könnte sie dort zur Ader lassen, und ihr Blut für ein schönes Purpur für eine Sonderausgabe ihrer Noten benutzen. Dem Blutzölligen wie er im Volksmund genannt werden wird.

        Ein Rätsel:

        I_h k_ _ n ga_ ni_ _ t so v_ _l e_ _ en wie i_ _ k_ tz_n mö_ _ te

        Aber Gott sei Dank, schützen mich die 10 Pfund Wäsche auf meinem Waschbrettbauch, und eine gute Portion Humor davor ein Bulimist zu werden.

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