Bargeldverbot: Die seltsamen Allüren des Professor Bo.

19. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Hoppla! Neulich habe ich mich erwischt, wie ich etwas in bar bezahlte. Pfui! Bald wird das verboten sein, geht es nach dem Weltverbesserer Prof. Peter Bofinger. Und das aus gutem Grund…

Der Professor kennt sich aus, scheint es, denn er ist schließlich Wirtschaftsweiser des Sachverständigenrates der Bundesregierung. Säße er im Vorstand von Visa oder Mastercard, könnte man ja seinen Wunsch verstehen, das Bargeld abzuschaffen. So aber…

Tja, mit seinen Prognosen steht er zwar oft „hinter der Kurve“ und er muss erklären, warum es anders gekommen ist als vorhergesagt. Besser für das Image ist es dann schon, mit etwas aufzutauchen, womit er auch Presse bekommt – mit Bo-pulismus. Das ist recht einfach: Entweder man besticht durch kluge Ideen oder mit besonders dummen Dingen. Was eignet sich derzeit besser als die Forderung nach einer Besteuerung von Dummheit oder der Abschaffung von Geldscheinen und Münzen? Nun ist dem Professor das öffentliches Interesse gewiss. Wir gratulieren ihm aufs Allerschärfste. Hauptsache, man bringt die Leute richtig auf die Palme.

Schreckliches Bargeld

Mal ehrlich… Stört es Sie nicht auch, wenn ein „grauer Panther“ an der Kasse umständlich nach passendem Kleingeld sucht? Oder wenn man sich durch klebrige Scheine die Krätze oder den Tod holt? Das wäre ja medizinisch einleuchtend. So aber führt Bofinger wieder mal den Kampf gegen Schwarzarbeit und Drogen ins Feld. Das Übliche eben.

Ja, der Kampf gegen die „finstere Gestalten“ ist hart. Potentielle 60 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören dazu, die überwiegend noch Bargeld zum Bezahlen verwenden.

Der Professor führt außerdem an, dass Bargeld die Macht der Notenbanken schmälert. Das ist erstaunlich, denn damit fordert er eigentlich totalitäre Notenbanken. Oder sehe ich das falsch? Nebenbei bemerkt, Notenbanken sind oft privat organisierte Organisationen der Hochfinanz, geben sich zwar unabhängig, sind es aber nicht. Ohne Bargeld wäre man ihrem Versagen komplett ausgeliefert und natürlich auch dem Staat.

Wer aber kein Geld hat, dem dürfte alles ziemlich egal sein. Freudig wird es heißen: Ich habe ein Handy, zahle hyper-modern und zu verbergen habe ich ohnehin nichts. Damit wäre der Weg frei für eine totale monetäre Überwachung der Geldströme – ausgerechnet durch diejenigen, die sie am Laufen halten.

Das Thema „Bargeldverbot“ wird gerade teils hysterisch durch die Gegend getragen wie die Schuldenkrise in Griechenland. Vielleicht sogar mit Absicht. Denn wenn man die Öffentlichkeit mit einem Thema lange genug nervt, greift das kollektive Desinteresse um sich – wie schon gesehen in Sachen EFSF, ESM und Maut. Nicht anders wird es laufen bei TTIP, TISA und einem möglichen Bargeldverbot.

Aber eigentlich hat Prof. Bo Recht: Bargeld stört in Zeiten von Negativzinsen. Man könnte sein Geld ja einfach von der Bank holen und zu Hause horten. Damit entzieht man den Banken eine Geschäftsgrundlage, auf der Basis von Ersparnissen der Leute Kredite zu vergeben. In Krisenzeiten kann es so nicht mehr zu einem Bank-Run kommen. Und wer als „finstere Gestalt“ stört, dem kann man einfach den Saft abdrehen, demokratisch natürlich.

Geldhorterei ist das derzeit einfachste Mittel, einem möglichen „Bail In“, Strafgebühren und Minus-Zinsen zu entgehen. Übrigens, wenn Sie Spaß haben wollen, heben Sie ihr Geld von der Bank komplett ab und lagern Sie es im Schließfach dieser Bank. Zinsen gibt es ohnehin keine mehr.

Bofinger fordert mit einem Bargeldverbot auch das Ende des Geldes als Wertspeicher, wobei wir wissen, dass unser Geld“ diese Funktion nicht auf Dauer besitzt.

Eine Welt ohne Bargeld hat weitere Vorteile: Erstens würden die Hintern der Männer nach jahrelangem Tagen eines Portemonnaies in der Gesäßtasche nicht mehr so ganz verbeult aussehen. Und zweitens: Ich vergaß noch zu erwähnen, dass die Warterei an der Kasse enden würde, wenn die alten klapprigen Rentner umständlich wieder mal nach passenden Münzen suchen in einer Zeit, in der angeblich niemand Zeit hat.

Eine Frage bleibt: Wie bezahlt man dann eigentlich die Lobbyisten, wenn es kein Bargeld mehr gibt?

Im März kritisierte Prof. Bo die Randale gegen die EZB. Dabei standen sich ja nur Sozialisten gegenüber mit der Gemeinsamkeit, Eigentum zu zerstören. Gegen offene Randale gegen die letzten Bastionen der Freiheit, gegen das Bargeld, hat Bofinger offenbar nichts. Wie schrieb Folker Hellmeyer in seinem Buch Klartext: „Erst sterben die freien Märkte und dann die Demokratie.“

P.S. Laut einer Umfrage der „Apotheken-Umschau“ plagen 50,4 Prozent der Deutschen negative Träume bzw. Albträume. Prof. Bo. gehört seit wenigen Tagen mit dazu.


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