Bargeld wird kriminalisiert…

20. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Wir kamen aus Südamerika zwar ärmer zurück, sind jetzt aber – hoffentlich – klüger. Zum ersten Mal überhaupt hatten wir mit der Realität der Politik zu kämpfen; bisher war es nie mehr als eine abstrakte, theoretische Angelegenheit…

Wir lasen über die Französisch Revolution, die bolschewistische Revolution und den „Übergang“ zu Obamacare. Wir wussten, dass Politik korrupt und abstoßend ist. Aber abgesehen von einem kurzen Aufenthalt mit dem Board of Governors in unserer lokalen Kirche, hatten wir nichts damit zu tun. Zum Glück.

Jetzt ist der Wolf aber in unserem eigenen Hinterhof … so nah, dass wir den heißen Atem riechen können und das Knirschen seiner Zähne hören. Er ist kurz davor, uns zu schnappen. Mehr dazu zu gegebener Zeit…

Die Kriminalisierung von Bargeld

Aber warten Sie … Geld wird manchmal auch „total politisch“. Schauen sie sich nur den armen Harvard-Mann Kenneth Rogoff an. Er will einen Dollar mit einer Wähler-Registrierungskarte, einer US-Flagge auf der Windschutzscheibe und einer Pistole im Gürtel – die Art von Geld, die das „establishment“ stützt und sicherlich Hillary wählt.

Jüngst schrieb er im Wall Street Journal einen Artikel mit der Überschrift „Die dunkle Seite des Bargelds“. Er stellte fest, dass „Papiergeld, vor allem große Noten wie die 100 Dollar Banknote, Verbrechen erleichtern: Erpressung, Entführung, Geldwäsche, Drogen- und Menschenhandel, Korruption der staatlichen Behörden. Und nicht zu vergessen Terrorismus.“

Sicherlich, große Banknoten machen den Kriminellen ihr Leben leichter. Wie Handys. Und Sonnenbrillen. Und Autos mit Klimaanlage. Aber das ist exakt der Zweck von Geld: Es einfacher machen, damit eine Wirtschaft funktioniert. Man verwendet es, wie man will.

Ja, liebe Leser, wir kehren zu unserem regelmäßigen Takt, zum Geld, zurück. Aber was ist an den Märkten los? Endlich gibt es etwas „action“ an den Märkten.

Sie werden sich erinnern, dass die Märkte in den letzten Wochen unheimlich ruhig waren … mit der tiefsten Volatilität am Aktienmarkt seit 100 Jahren. Was ist jetzt los?

Vielleicht war es die Ruhe vor dem Sturm. Der Dow Jones fiel mehr als 400 Punkte am vorletzten Freitag. Seither geht es täglich wild auf und ab. Wir wissen es nicht, wie es weitergehen wird. Es könnte die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein. Oder es könnte die Ruhe vor noch mehr Ruhe gewesen sein.

Wie alles endet

Aber letztlich gibt es kaum etwas beruhigenderes als eine Zentralbank, die das Wort gibt, dass es Ihnen den Rücken frei hält.

Die Bank of Japan kauft Anleihen und Aktien (in Form von Exchange Traded Funds) … und treibt die Preise für beide Anlageklassen nach oben.

Mit ihrem 1,7 Billionen Euro QE-Programm kauft die Europäische Zentralbank so viele Staatsanleihen auf, dass es gar nicht so viele neue Anleihen gibt. Folglich nahm die EZB diesen Sommer auch Unternehmensanleihen auf die Einkaufsliste.

Laut Reuters werden auch bald aufkaufbare Unternehmensanleihen für die EZB knapp werden. Dann wird sie der Bank of Japan nacheifern müssen … und sich in den Aktienmarkt wagen … wenn sie das QE-Programm aufrechterhalten will.

Und in den USA macht Fed-Chefin Yellen mit ihrem „Herumgeeiere“ weiter… neckt Investoren mit der Bedrohung, die Zinsen zu „normalisieren“. Letztlich hat sie aber weder den Wunsch noch die Kraft, wirklich zu handeln.

Wir fragen uns immer wieder, wie das alles endet. Bärenmärkte gehören nun einmal zum Leben dazu. Aber wenn die Zentralbank alles daran setzt, Bärenmärkte zu stoppen, was dann?

Die Zentralbanken können – im aktuellen System – unbegrenzte Mengen an Falschgeld schaffen. Sie können dieses Geld hernehmen, um Vermögenswerte zu kaufen. Theoretisch könnten sie weltweit alle Aktien und Anleihen aufkaufen. Theoretisch könnten die Feds am Ende fast den vollständigen Besitz aller Vermögenswerte auf dem Planeten erlangen.

Die Reichen werden reicher. Sie verkaufen ihre Vermögenswerte an die Feds. Zu völlig überhöhten Preisen. Die Armen werden dadurch immer ärmer.

Was läuft schief?

Alles.

Wie in der Politik ist die Kluft zwischen Theorie und Praxis so breit wie die Sargassosee.

Unternehmenskredite als neuer Krisenherd

Wir kehren hier im Tagebuch zu den Wurzeln zurück. Wir schauen uns das alles auf Augenhöhe an … lernen gemeinsam … verbinden die Punkte gemeinsam und versuchen herauszufinden, was los ist.

Wir haben einen Durchbruch erreicht, um die Quelle der vielen bizarren und grotesken Trends unserer Zeit zu identifizieren. Es ist das Geld – der neue Post-1971-Dollar.

Dieser neue Dollar ist grün. Sie können Dinge mit ihm kaufen. Ja, er hat zwar mehr als 80% seiner Kaufkraft verloren, seit er in Erscheinung trat. Aber noch ist es nicht so schlimm. Im Vergleich mit dem argentinischen Peso (aktuelle Inflationsrate: 47% pro Jahr), ist er herrlich solide.

Aber der neue Dollar ist ein Betrüger. Der alte war mit einem fixen Kurs mit Gold verbunden. Und Gold war in der Realwirtschaft verankert. Der neue Dollar hat keine Golddeckung. Investor und Milliardär Warren Buffett glaubt, dass es dumm ist, jemanden dafür zu zahlen Gold aus dem Boden zu graben … um es dann wieder zu verbunkern und jemanden dafür zu zahlen, es für sie zu beschützen.

Aber Buffett verkennt einen wichtigen Punkt: Echtes Geld ist für den Aufbau wahren Reichtums maßgeblich wichtig.

Es ist essentiell nötig, damit die Wirtschaft reibungslos funktioniert. Es hilft uns allen zu entscheiden, wann wir kaufen und wann wir verkaufen…wann wir investieren und wann wir davon Abstand halten … und in was wir unsere knappe Zeit und Ressourcen letztlich stecken.

Echtes Geld – Echter Wert

Echtes Geld hat einen echten Mehrwert. Gold-gedecktes Geld wuchs in etwa so schnell wie die Minenindustrie Gold aus dem Boden extrahieren konnte. Die Wachstumsrate war in etwa so hoch wie die Wirtschaft wuchs. Also, wenn die Menschen mehr Geld bekamen, hatte sie einen Anspruch auf realen Reichtum. Aber das neue Geld war leider nicht echt.

Regierungen und Banken konnten so viel von diesem neuen Geld kreieren, wie sie wollten. Aber es konnte wahren Reichtum nicht schaffen bzw. als Wertspeicher herhalten; letztlich wurde Reichtum von den Menschen schlicht gestohlen.

Es war, als ob Baltimore Orioles Inhaber Peter Angelos durch das Drucken zusätzlicher Tickets versuchte, die Zuschauerzahl im Oriole Park zu erhöhen. Wie ein gefälschtes Ticket für ein Baseball-Spiel, hat das neue Geld nicht auf magische Weise einen neuen Sitz im Stadion hinzuzufügen können.

Die Fed stellte die Finanzierung der Banken sicher … und die Banken verliehen es beherzt an ihre Kunden. Jeder neue Bankkredit wurde mit Geld geschaffen, das vorher nicht existierte. Aus dem Nichts. Kein zusätzlicher Reichtum wurde geschaffen. Nur Kredite.

Deshalb bezeichnen einige Ökonomen dieses neue System als „Debitismus.“ Weil das neue Geld nicht mehr auf realen Reichtum basiert, sondern auf Kredit. Und die Kehrseite der Kredite sind Schulden. Sie können das Problem bereits jetzt sehen. Beim echten Geld stellt jeder zusätzliche Dollar zusätzlichen Reichtum dar. Kreditgeld ist anders.

Mit Krediten können sie ihre Ausgaben drastisch erhöhen… Aber sie wissen auch, dass man sich nur begrenzt ausleihen kann. Es gibt ein Limit. Schließlich erreicht man einen Punkt, an dem sie nicht den Cash-Flow haben, um die Zinsen auf Ihre Schulden zu bedienen. Dann ist es Zeit, ihre Bücher für Chapter 7 oder Chapter 11 zu öffnen. Sie sind insolvent.

Neue Kreditkrise

Je mehr sie echtes Geld haben, desto reicher werden sie. Aber umso mehr die Menge an Kreditgeld erhöht wird, umso anfälliger wird die Wirtschaft für eine Wende im Kreditzyklus. Da die Menge der Schulden steigt, sinkt deren Qualität. Das ist genau das, was jetzt mit Unternehmensanleihen in den USA passiert.

Sie werden sich erinnern, dass seit dem Jahr 2008 Unternehmen zu große Kreditnehmern wurden. Laut den Analysten von Goldman Sachs haben sich die Schulden von „Corporate America“ seit dem Lehman-Crash 2008 mehr als verdoppelt. Und das ist ein großes Problem. Mehr dazu später.
Quelle: Kapitalschutz Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

2 Kommentare auf "Bargeld wird kriminalisiert…"

  1. Frank Frei sagt:

    „Bargeld wird kriminalisiert.“
    Also, ich habe mir einen 5 Euroschein neben mich gelegt. Ich habe ihn beleidigt, nass gespritz, geschubst und bepöbelt. Er wollte einfach nicht zuschlagen. Dann habe ich es mit dem grossen Bruder, dem 500er probiert. Ich habe ihm gedroht, Grimassen geschnitten und ihn sogar geschlagen. Und was soll ich sagen? Meine Scheine scheinen Pazifisten zu sein. 😀

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