Bares ist Wahres?

25. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

„Nur Schmutzfinken benutzen noch Bargeld!“, könnte eine der künftigen Kampagnen gegen unser Geld heißen. Auch Banken ist Bargeld ein Dorn im Auge…

Unser Bargeld besteht aus Baumwolle und Blech. Manches wird im Safe eingesperrt. Materialtechnisch macht es keinen Unterschied, ob man ein Bündel 50er-Euro-Scheine oder ein T-Shirt dort lagert. Aber versuchen Sie mal mit einem T-Shirt zu bezahlen. So aber glauben die Leute, Bargeld sei etwas anderes als ein T-Shirt, etwas Besonderes. Solange das die Mehrheit glaubt, es sei etwas Wert, funktioniert die Sache mit den Geldscheinen. Bevor die Täuschung auffällt, sind die Geldscheine vielleicht schon verschwunden.

Laut Angaben der Sparkassen schlägt die Bargeldlogistik mit 1,1 Milliarden Euro jährlich zu Buche. Wenn das kein Grund zur Abschaffung der Zettelwirtschaft ist… Die Bundesbank prüft jährlich 15 Milliarden Geldscheine, ob diese noch verkehrstauglich sind – und natürlich auf Falschgeld. Von daher müssten diese 15 Milliarden Scheine sofort eingezogen werden, da falsch…

Die Hersteller von Elektrogeld und Plastikkarten warnen vor Bargeld wie Verkäufer von Schlittschuhen vor dem Sommer. Bargeld mache krank, denn auf den Scheinen leben nach durch sie mitfinanzierten Studien potentiell 26.000 gesundheitsschädliche Keime. Bloß warum leben wir dann noch?

Wie dem auch sei, Bargeld ist zwar dumm, da nur bunte Baumwolle, aber sehr praktisch. Im Einzelhandel werden hierzulande noch 54 Prozent aller Umsätze in bar beglichen. Hat Bargeld eine Zukunft?

Die Weltverbesserer sind eifrig dabei, es wegen seiner Kosten in der Logistik, vor allem aber wegen seiner Anonymität zu bekämpfen. In einigen europäischen Ländern gibt es inzwischen schon Obergrenzen für das bare Zahlen, was ja nur zum Schutz der Leute vor sich selbst dient.

Sind Bargeldbenutzer künftig potentiell verdächtige Leute? In Zeiten künftiger Komplettüberwachung ist alles möglich. So erlebte das Zettelgeld in den letzten Jahren eine zunehmende Dämonisierung. Ohne Bargeld, so heißt es von denen, die es am liebsten schon abgeschafft hätten, gäbe es weder Schwarzarbeit, Terroristen, Korruption und Überfälle auf Rentner.

Alles wäre über die Zentralrechner nachvollziehbar, wer, wann und mit wem welches Geschäft getätigt hat. So kann man im Fall der Fälle wie auf Zypern auf den digitalen Konten auf Raubzug gehen, abgesehen von den Ärgernissen, wenn Leute in der Schlange im Supermarkt mal wieder ihre PIN vergessen haben.

Es steht zu vermuten, dass Bargeld später verschwinden wird – und damit ein gedrucktes Stück Freiheit. Es bedarf eines oder mehrerer Anlässe. Und vermutlich werden die Leute dazu jubeln, bis sie später merken, welche Folgen ein Bargeldverbot haben wird. Aber dann ist es zu spät.


© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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