Alle raus!

6. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Viele internationale Großanken verkündeten in den vergangenen Wochen massive Stellenstreichungen. Den größten Brocken warf der Koloss HSBC in den Ring. Die Bank will bis zum Jahr 2013 rund 30.000 Arbeitsplätze abbauen, das sind rund 10% der Belegschaft. Nur zu!

Da viele Banken deutlich überbesetzt sind, in Deutschland kann man auch bei größeren Instituten oft von einem Überhang von 30% – 50% des Personals ausgehen, werden diese Schritte nur die ersten auf einem langen und schwierigen Marsch sein…

Wer sich nicht selbst in der Branche tummelt, ist oft überrascht über die hohen Mitarbeiterzahlen vieler Banken. Von innen ist das Bild ebenfalls erstaunlich. Viele Institute haben einen aufgeblähten Überbau zugelegt – in einfachen Zeiten war dies auf Grund der hohen eingefahrenen Renditen kein Problem. Vor allem im semi-öffentlichen Sektor blühten vollkommen absurde Vertragsklauseln, so dass es zu den sprichwörtlichen Versorgungsverträgen kam. Die meisten Banken in Deutschland können es sich auch auf Grund dieser vertraglichen Altlasten im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten, Stellen abzubauen. Das ist leider unabhängig davon, ob der entsprechende Arbeitsbereich sinnvoll ist oder nicht.

Aber was ist schon sinnvoll in Zeiten, die gekennzeichnet sind von überbordenden Bereichen mit dem wichtig klingenden Namen wie „Risikomanagement“, in denen munter weiter an den guten alten Modellen herumentwickelt wird und ein „risikoloser Zins“ noch für real existierend gehalten wird. Die dauerhafte Fokussierung auf Nachkommastellen bringt leider nichts, wenn für viele in den Bilanzen gehaltene Papiere kein Markt mehr existiert. Schön, wenn eine Anleihe auf dem Papier „unterbewertet“ ist. Leider ist das wenig hilfreich, wenn mir keiner einen höheren Preis bietet.

Die vergangenen Jahre waren für die meisten Finanzfirmen wenig erbaulich. Ausgewiesene Gewinne stammten meist aus bilanzieller Gymnastik. Operativ sind 2007 schmerzhafte Jahre angebrochen, die noch lange anhalten werden und mit einigen Jahren Verzug beginnen, Wirkung zu zeigen. Der Abbau von Stellen gewinnt an weltweit an Fahrt.

Ein paar Beispiele in Zahlen:

  • Lloyds verkündete den Abbau von 15.000 Stellen.
  • RBS Die staatlich aufgefangene Bank plant weitere Einschnitte. Seit 2007 wurden bereits über die bisher 28.000 gestrichenen Stellen hinaus.
  • Goldman Sachs will 1.000 Mitarbeiter abbauen, verteilt über alle Einheiten
  • Credit Suisse streicht 2.000 Positionen im Investment Banking
  • UBS will 5.000 Arbeitsplätze abbauen
  • HSH Nordbank streicht bis 2014 rund 1200 Vollzeitstellen
  • HSBC: wie berichtet: Es geht um 30.000 Stellen.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. In der laufenden Woche wurde in Europa die Marke von 40.000 angekündigten Stellenstreichungen bei Banken erreicht. Im Verhältnis zur Größe reduzieren die Europäer bisher sechsmal so viele Stellen wie die US-Banken. Zur Einordnung: Weltweit steht der Zähler dieses Jahr bei 65.000. Wer einmal draußen ist – wir reden hier nicht von der „Vettern-Ebene“ – hat große Probleme wieder Fuß zu fassen. Das alte Gehalt ist passé, ein Grund warum sich in den Banken eine Personalstruktur ausformt, die aus vielen unzufriedenen, aber gut bezahlten und de facto unkündbaren Angestellten besteht. (Seite 2)

 

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11 Kommentare auf "Alle raus!"

  1. Karl Napp sagt:

    Sind doch alles Fachkräfte und die werden händeringend gesucht.

  2. auroria sagt:

    Bei den Zahlen musste ich sofort an Inside Job denken. Merrill Lynch hatte vor 30 Jahren 11 Mitarbeiter, bis dahin is wirklich noch ein weiter weg.

    Ich wüsste aber schon eine Verwendung für die Bankster:
    Nicht wenige (die was taugen) könnte man bei der Bankenaufsicht, Börsenregulierungsbehörden, etc. brauchen – wenn man denn interesse an ernsthafter Kontrolle hätte.

  3. wolfswurt sagt:

    Nach Einrichtung des Automatenraumes in einer Sparkassenfiliale blieb die Anzahl der Stehtische, an denen das Bankpersonal die Kunden bediente, erhalten samt Personal selbstverständlich.

    Zustand heute: Schlange vor den Automaten und sich langweilende Bankangestellte an nicht mehr vom Markt benötigten Stehtischen.

    Alle raus bis in die oberste Etage!

    Zur Funktion der Automaten sind 95% der Angestellten überflüssig – siehe Autoproduktion 1960 und heute – Roboter und fast menschenleere Hallen.

    Sicher ist, daß der Markt es richten wird…

  4. sachse sagt:

    Alles richtig: aber zwei Jahre zu spät !!!!

    Jetzt ist es raus, die Schweiz hat massive Probleme: die Deindustialisierung schreitet bei diesem Frankenkurs fort. Das ist ein längerfristiges Strukturproblem, das auch noch in einem Vierteljahr aufgehalten werden kann. Aber hier ruft das kurzfristige Problem: bei diesem Wechselkurs sind die beiden Großbanken pleite. Ja PLEITE , wenn die Kurse am Y/E noch persistieren. Und mit den beiden Banken (jede ist wesentlich größer als die Deutsche Bank) hat die Schweiz ein Islandproblem. Und 1,20 reicht nicht, mindestens 1,40 sind gefordert. Folgewirkung im übrigen: der € wird zusammen mit angebundenem Franken steigen. Wir zahlen also auch noch für die Schweiz!

    Gruß aus Dresden

  5. EuroTanic sagt:

    Laut einer englischen Studie erwirtschaftet eine Putzfrau für jeden Euro den sie erhält 10 Euro Werte für die Gesellschaft. Ein Banker hingegen vernichtet für jeden Euro den er erhält 70 Euro Werte der Gesellschaft. So gesehen kann unsere Gesellschaft mit den Entlassungen nur gewinnen.

  6. sachse sagt:

    Da hilft nur eins: Gehälter hoch, dann ist die Relation für die Geldvernichtung freundlicher! Hihi

  7. Nanuk sagt:

    http://www.youtube.com/watch?v=v8hJn1Hm5ZE
    Palim palim…
    Die gesamte Finanzindustrie ist ein einziger Harz4 Supermarkt.

  8. Takuto sagt:

    Die armen Bankster tun mir leid – müssen zum ersten Mal im Leben richtig arbeiten oder um Hartz-4 betteln. Nur leider trifft es auch hier wieder die Falschen. Die skrupellostesten Alphatiere sitzen oben und entlassen die unteren Schichten.

  9. auroria sagt:

    Die Bank of America will auch in die Liste aufgenommen werden und streicht 40.000 Stellen.

    http://www.sueddeutsche.de/geld/angeschlagene-us-grossbank-bank-of-america-will-stellen-streichen-1.1140977

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