Banken: Vertrauen in den Sektor?

14. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Alte Werbesprüche können schon mal für einen unangenehmen Schauer sorgen. Vertrauen ist der Anfang von allem meinte beispielsweise um das Jahr 1995 herum eine Bank aus deutschen Landen. Ein werbetechnischer Einheitsbrei, der dann zu Zeiten der Tech-Blase noch durch das wirklich absolut unwürdige Auch im Internet eine erste Adresse tatsächlich noch bei weitem übertroffen wurde. Erinnern Sie sich noch an die „Bank 24“?

Im Rahmen der mittlerweile im Zweijahresturnus auf den Kopf gestellten Langfriststrategien vieler Banken gehen solche Desaster derzeit unter. Heute noch Investmentbank, dann wieder Privatkundengeschäft, dann beides oder doch nicht und doch wieder ganz anders. In Zeiten, in denen es bereits als Leistung gilt, nur indirekt von Staatshilfen profitiert zu haben, kommt es auf Strategien ohnehin nicht mehr an.

Mit dem Vertrauen in die Institute ist es in der BRD nicht sonderlich gut bestellt. Die mangelnde Bereitschaft der selbst ernannten Global Player, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, scheint noch nicht vollends in Vergessenheit geraten zu sein.  Vom Global Player blieben nur die Erinnerungen an überforderte Bankchefs, die hilflos in Märkten herumtapsten und die Glanzleistung vollbrachten, keinen einzigen der teuren Fettnäpfe auszulassen. Nicht umsonst ist mancherorts vom silly german money die Rede. Im Rahmen des Trauerspiels um die EU arbeiten Kinderkabinett und EZB darauf hin, in Bälde auch den ganzen Bundeshaushalt in diese Kategorie einzuordnen. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zum fehlenden Vertrauen in den Bankensektor, das auch in den Vereinigten Staaten ein Thema ist. Das Vertrauen der Menschen in den Bankensektorder USA  ist in der Nähe historischer Tiefpunkte.

Erstaunlich an dieser Umfrage ist bestenfalls der immer noch recht hohe Abstand zur Nulllinie. Interessant ist jedoch, wie vergleichsweise unbeschadet das Ansehen des Sektors die selbst mitkonstruierte Tech-Blase überstanden hat. Aktuell sorgen offensichtliche und implizite Subventionen an die Finanzwelt für einen dauerhaften Deckel auf der Einschätzung dieses Sektors durch die Bevölkerung. Eine Zentralbank, die die Volkswirtschaft als großen Experimentierbaukasten ansieht, kommt zusammen mit einem Schatzamt und einer Regierung, die scheinbar noch nicht wissen, wie sie der Bevölkerung sagen sollen, dass Schulden keine Werte schaffen.

Die Aussagen der Menschen allerdings legen keine diesbezügliche Bildungslücke nahe. Die Einschätzung der ökonomischen Situation könnte kaum besser zu den dauerhaft schwachen Wirtschaftsdaten passen.

Von einer robusten Entwicklung, wie dies vor allem aus den „Research“-Etagen einiger Fondshäuser zu hören war, ist hier nichts zu sehen. Die Zahlen aus dem Einzelhandel und die Einnahmen der Staaten untermauern dieses Bild. Nach bereits schwachen Daten und den korrespondierenden Urteilen der Bürger kommen  in 2011 noch deutlich negativere Aussagen zustande… (Seite 2)

 

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9 Kommentare auf "Banken: Vertrauen in den Sektor?"

  1. Frank2 sagt:

    Ich vertraue nur dem Bankhaus Rott – ist das die richtige Antwort? 😉
    Wir sind doch, ohne es zu ahnen, auf ein System konditioniert und bemerken die Veränderung erst dann, wenn es uns persönlich trifft. In Deutschland geht es den meisten ja auch noch gut. Es sind die Griechen oder die Portugiesen (alles weit weg, was gehts mich an?). Daß da Euro im Portemonnaie sind und nicht DM, da wird kein Gedanke dran verschwendet.
    Es gibt auch keine wirtschaftliche Grundbildung in den Schulen. Der Unterschied zur USA ist doch nur der, daß dort der Bullshit noch größer ist. Hinzu kommt auch, daß man die wahren Informationen noch immer suchen muß – ich finde sie nur im Internet.
    Habe ich Vertrauen in den Bankensektor?
    Das ist die falsche Frage. Ich habe derzeit kein Vertrauen in das System. Der Bankensektor ist nur ein Teil davon. Für mich ist alles, was derzeit getan wird, falsch. Und die Strafe für diese Dummheiten wird kommen. Ich erwarte nicht ihr zu entgehen, hoffe aber, daß meine Abreibung etwas weniger weh tun wird – mehr nicht.

  2. wolfswurt sagt:

    Köstlicher Artikel!

  3. tizian sagt:

    …und es geht noch dümmlicher:
    „(auf dem?) unter’m Strich zähl ich!“

    Ich hoffe auf den Tag, an dem Brüssel beschließen möge, dass an allen Bankautomaten gut sichtbar für den Kunden (analog zu den Warnhinweisen auf Zigarrettenpackungen) folgender Spruch zu kleben hat:

    „Ihre Bank warnt: Vorgezogener Konsum auf Kredit ist Konsum, der in der Zukunft ausfällt.“
    -nur ein Traum?

  4. zf sagt:

    Danke für den herrlichen Artikel.
    Zur Grafik 1 – Das Vertrauen der Menschen in den Bankensektorder USA – möchte ich die Auflösung bringen:

    „Es arbeiten 23% der Amerikaner in der Bankenwelt“

    (Ironie/Ende)

  5. Skeptiker sagt:

    Wir hören immer von Verschuldung (Staatsverschuldung, Kommunen, Gemeinden, Banken, Unternehmen, private Haushalte). Demgegenüber steht aber immer ein Gläubiger, der dementsprechend vermögend ist. Also sollten sich Schulden und Gläubigervermögen doch ausgleichen. Und was sich im Großen ausgleicht, kann sich auch im Kleinen ausgleichen. Ich habe bei meiner Bank zum Beispiel noch knapp 100.000 Euro an Krediten (Zinns fest bei 4,25%). Gleichzeitig könnte ich meinem liquiden Vermögen aber auch eine Anleihe vom Land Hessen kaufen, sagen wir im Umfang von etwa 100.000 Euro. Dann bin ich zwar Schuldner, aber gleichzeitig auch Gläubiger, in der Summe also neutral. Die BRD hat doch auch nicht nur Schulden, sondern ist gleichzeitig auch Gläubiger. Wenn die Staaten untereinander die Schulden ausgleichen würden, würde die Bilanzen doch viel besser aussehen, ich meine nicht mehr so aufgebläht. Ich freue mich auf eine erschöpfende Antwort, denn diese Frage geistert schon geraume Zeit in meinem Gulliver herum.

    • Frank2 sagt:

      Du sagst: Wenn die Staaten untereinander die Schulden ausgleichen würden…

      Die Staaten sind doch nicht untereinander verschuldet (von Währungsreserven abgesehen). Die Gläubiger der Staatsschulden sind meist Private, (zB hast Du sie als Anlage in Deiner Lebensversicherung), also Versicherungen und Banken oder auch in Form des Bundesschatzbriefs von Herrn Schild.
      Eine Verrechnung unter Staaten macht wenig Sinn – China und Saudi Arabien halten US Treasuries und was halten die USA im Gegenzug? Nix!
      (Anm: Falls Du Dich nun fragst, wie es dazu kommen konnte – hätten die Chinesen nicht die USD Guthaben aus ihren Verkäufen in USD angelegt, dann wäre der USD zu ihrer eigenen Währung gefallen, chin. Exporte wären für US-Amerikaner immer teurer geworden = Arbeitsplatzvernichtung in China und das wollte da keiner.)
      Du könntest die Staatsschulden mit den Guthaben der Privaten verrechnen. Also zB Deutschland entschuldet sich und Deine Lebensversicherung ist danach weniger wert. Dein Bundesschatzbrief wertlos.
      Was Du verstehen mußt, ist dies:
      „Wenn der Staat pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger!“
      Carl Fürstenberg, deutscher Bankier (1850 – 1933)

      Oder flacher, das:
      Warum heißt der Staatsbürger Staatsbürger? Weil er schlußendlich für die Staatsschulden bürgt. 😉

  6. samy sagt:

    Hi,

    ich kann es mir nicht verkneifen ein Zitat des Altkanzlers Schmidt zu bringen. Er hat einen Artikel in der „Zeit“ veröffentlicht:
    „Ich teile die Menschheit deshalb gern in drei Kategorien ein. Die erste Kategorie, das sind die normalen Menschen. Wir alle haben sicher als Jungs mal Äpfel geklaut, aber dann sind wir doch anständige Kerle geworden. Normale Menschen also, das sind vielleicht 98 Prozent. Zweite Kategorie, das sind die mit einer kriminellen Ader. Die gehören vor Gericht, und wenn sie schuldig gesprochen sind, dann gehören sie ins Gefängnis. Und die dritte Kategorie sind Investmentbanker und Fondsmanager.
    Dabei ist das Wort Investmentbanker nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat.“

    VG

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