Banken-Stresstest: Marketing vom Feinsten!

23. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Herren der Geldschöpfung und die Wächter des Papiergeldsystems haben sich zum dritten Mal selbst getestet und sich attestiert, an keinerlei Sucht – und Seuchengefahr zu leiden. In der DDR wäre das ebenso gelaufen. Das feiern wir!

Langsam sickern die ersten Stresstest-Meldungen über die großen Erfolge der Banken in die Öffentlichkeit. Manch Protagonist konnte vor Freude einfach nicht die Klappe halten, bevor am Sonntag zur Mittagszeit uns allen vor Begeisterung der Kartoffelkloß im Hals stecken bleiben wird. Dann wird aufgetischt! Schon das Vorfeld erinnert an eine Chronik von angekündigtem Jubel.

Haben Sie schon ihr Depot mit Bankaktien vollgestopft? Laut Bloomberg wetten ganz große Adressen auf ein Plus von 18 Prozent im Bankensektor bis zum Jahresende.

„Herzschlagfinale“ und „Zittern vor den Ergebnissen“ waren einige lustige Schlagzeilen. Vieles erinnert an eine Pferderennbahn, wobei es nur Gewinner gibt. Dabei hatte der Stresstest kaum etwas mit Stress zu tun, sondern mit Marketing. Wer in den schönsten Häusern einer Stadt residiert, der kennt keinen Stress, aber die Notrufnummer des Landesvaters, des Finanzministers oder der Zentralbank. Dass die Fassade nach außen hin weit schöner wirkt als das, was sich dahinter stapelt, dürfte bekannt sein. Bislang ist vieles großzügig bilanziert. Nun geht es darum, den Müll loszuwerden, um eine Botoxparty zu feiern, die notfalls auch der ahnungslose Steuerzahler bezahlt.

Das Thema ist für die Öffentlichkeit so langweilig wie eingeweichte Bohnen. Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, VÖB, fragt völlig zu Recht, ob die vorgestellten Ergebnisse überhaupt gelesen werden. Natürlich nicht! Sehr freundlich ist aber, dass es unter www.voeb.de eine Interpretationshilfe – gibt mit vielen englischen Begriffen und Tabellen. So eine Art Klarsprech für die Öffentlichkeit? Quatsch!

Sollten Sie dennoch unter Fragen zu o.g. Thema leiden, dann laden Sie sich doch die unterhaltsame und spannende Lektüre „„Comprehensive Assessment und Stresstest 2014“ (bitte was?) aus dem Netz. Sie kann auch kostenfrei als Printexemplar bestellt werden, sollten Sie noch kein passendes Weihnachtsgeschenk für Ihre Lieben haben.

Im Grunde genommen geht es darum, ob die Banken für den Fall einer Krise genügend Eigenkapital besitzen, ob sie Stürmen widerstehen können, die ja eigentlich abgeschaltet worden sind. Es heißt im Überzeugungs-Deutsch, die EZB prüfe, bevor sie die Aufsicht übernimmt, ob die Banken auch wirklich besenrein sind. Herrlich, wenn künftig die Besen den Mist aus den Banken in die Bilanz der EZB kehren können. Da kann man in den Banken bestimmt vor Sauberkeit vom Boden essen. Die Reste werden als verkaufbare Kreditpapiere gut verpackt, zusammengeschnürt und dann verschickt.

Auch wenn Sie das nicht interessieren sollte, Sie werden der frohen Botschaft über dieses freudige Ereignis in den kommenden Tagen nicht ausweichen können. Bankenverbände Chefetagen zeigen sich zuversichtlich wie Schäferhunde für das Verwahren von Leberwurstvorräten… (Seite 2)


 

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4 Kommentare auf "Banken-Stresstest: Marketing vom Feinsten!"

  1. FDominicus sagt:

    Ich denke, ich halte mich einfach an die gewählte Grafik….

  2. Alex Kreis sagt:

    Immer wieder sehr gelungen diese Artikel von Herrn Meyer. Ich frage mich wie Sie es auf dem Parkett in Frankfurt aushalten, umgeben von all diesen Systemlingen. Es muss eine frische Abwechslung sein sich ab und an mal mit einem Herrn Riße unterhalten zu können, einen Wissenden und Verbündeten im Geiste. Auch wenn man Ihnen anmerkt, dass Sie sich – ob Ihrer öffentlichen Funktion – noch sehr zurück halten. Ich sehe wie es in Ihnen brodelt und ich wünschte mir, Sie würden einmal öffentlich losko… wie in der Grafik angezeigt! Bitte machen Sie weiter so und bleiben Sie so unterschwellig und sarkastisch, mir gefällt’s.

  3. Michael sagt:

    European Banking Outstanding Liquidity Analysis – aka EBOLA.

  4. stonefights sagt:

    Stress bereiten mir persönlich weniger die Banken als eher Tage wie der 06.11.2014 und die damit einhergehende Ignoranz der Schlafschafe.
    Auf eine Frage, wofür ESM stünde, bekommt man(n) immer noch Schulter-Zucken und ob das was mit Ebola zu tun hätte.
    Nach der 3.“Beratung“ (http://www.bundestag.de/dokumente/tagesordnungen/tagesordnung_63/295952) sollte dann das fiskalische Perpetuum mobile nach deutscher Wertarbeit endlich fertig konstruiert sein. Die Banken saugen sich mit schweren Staatsanleihen voll und der ESM rettet den Ertrinkenden.
    Das wird wie auf dem Volksfest ausgehen.
    Da steigen glückliche Gesichter euphorisch ins Riesenrad ein und sind erbost, wenn sie bereits nach einer Runde schon wieder aussteigen sollen, um für die nächste Runde zu zahlen. Dann grins ich mir immer einen und denke, erst mal gucken, wie oft sich das dreht 😉
    Ach ja, wie war das nochmal mit dem Junkerschen Prinzip der Politik im Sommer 2012: „….sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier nach der Fraktionssitzung. „Es gab sechs Gegenstimmen beim Europäischen Stabilisierungsmechanismus und 18 Gegenstimmen beim Fiskalpakt.“ Die Mehrheit habe sich auf seine Bitte hin entschlossen, das Gesetzespaket zu unterstützen.
    Steinmeier verwies allerdings darauf, dass darin eine direkte Bankenkapitalisierung durch den Rettungsfonds ausdrücklich ausgeschlossen werde
    …“
    Ach wie gut dass keiner weiss, dass ich …
    lg, stonefights

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