Bank – Run

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Größter Banken-Crash in den USA seit 1984: Die US-Aufsichtsbehörde FDIC hat die kalifornische Hypothekenbank IndyMac geschlossen. Vor den Toren der bank stehen die Menschen Schlange. Experten rechnen mit einem Schaden in Höhe von bis zu acht Milliarden Dollar. Das erinnert an Northern Rock – und es ist nicht der erste Fall in diesem Jahr.

Bankenaufsicht schließt kalifornische Hypothekenbank

Interessant ist unterdessen, dass man sich auf die Suche nach Schuldigen macht. Der demokratische Senator Charles Schumer hat am 26. Juni Zweifel an IndyMac geäußert, worauf die Kunden 1,3 Mrd USD abgehoben haben. Auch bei Bear Stearns waren es angeblich Gerüchte, die den Bär letztlich zur Strecke brachten. Und was ist mit Lehman Brothers? Banken sind eben Vertrauenssache. Und unser heutiges Geld basiert auch auf nichts anderem als vertrauen. Hierzu ein sehr aufschlussreicher Artikel meines Kollegen Raimund Brichta

Beim Geld geht es um die Wurst

Die dicken Geschwister Freddie und Fannie sind am Ende. Halbstaatlich und halbtot sind sie schon seit geraumer Zeit. Im Gegensatz zu IndyMac kann die Aufsichtsbehörde FDIC nichts mehr ausrichten. Da muss der Bürger (Staat) ran. Und sollte dieser für 5.0000 Milliarden geradestehen, ist es mit dem AAA-Rating für die USA auch vorbei. Selbst bei CNN hat man erkannt, dass der Bürger wahrscheinlich für den Schaden aufkommen muss. Wer sonst?

Fannie und Freddie im Rampenlicht

Ich bin zwar kein Anleiheexperte, aber wer schon jetzt 9 Bio. Schulden hat, dem würde ich nie ein AAA geben, und schon gar nicht, wenn weitere 5 Bio. dazukommen würden. Doch wer fragt mich schon. Zählt man die Zahlungszusagen des Staates zu diesen Schulden hinzu, kommt man auf 60 Billionen. Daran schließt sich sofort der Gedanke an, welche Auswirkung die „Rettung“ auf jeden einzelnen haben wird. Inflation oder Deflation? WEISSGARNIX macht sich darüber seine Gedanken.

Ein schicksalshaftes Wochenende

Beide Varianten sind möglich, Inflation und Deflation liefern sich in den Geldbörsen der Bürger und an den Anlagemärkten gerade heftige Kämpfe. Vielleicht fällt wirklich in dieser Woche die Entscheidung darüber, wer die Oberhand gewinnen wird. Achten sollte man in dem Zusammenhang auch auf die Kreditvergabe der Banken. Die Kurve ist scharf nach unten gerichtet. Hier holt die Deflation den Knüppel raus. Vorübergehend?

http://www.safehaven.com/images/mauldin/10722.png

Der Dollar ist weiter auf dem Weg in die Hölle, nur jetzt etwas schneller. Doch das muss die Amerikaner nicht stören, schließlich besitzen ja die Ausländer diese grünen Vertrauensscheine, die offenbar niemals einlösbar sind. Hatte man das je vor? Jedenfalls hat Finanzminister Paulson in dieser Woche wieder mal von der Politik des starken Dollar gefaselt. Dem Greenback war es schnuppe. Mir auch. Russland bleibt Freddie und Fannie treu, steht im Handelsblatt, bis dass der Tod sie scheidet, könnte man meinen. Man hat offenbar selbst Angst vor einer Panik, die mit dem Verkauf der Papiere zu welchem Preis immer, auslösen sollte.

Was werden die Chinesen denken, die für ein paar Billionen Waren an die USA geliefert haben, nun auf einem Berg grüner Scheine sitzen, und zusehen, wie sie täglich wertloser werden? Wie man letztendlich all die Kühe vom Eis zerren will, ist zur Stunde noch unklar. Und hier entscheidet sich auch, welche Richtung die Finanzmärkte nehmen. Eins ist aber sicher, es wird die „Mutter aller Bailouts“ schreibt Noriel Roubini.

Weil die meisten immer auf die Aktienmärkte schauen: An den Kreditmärkten spielt die Musik. Trauermärsche und Totengesänge hört man aus dem Reich der ABX-Indizes. Das bringt Abschreibungen, Abschreibungen und weiter Abschreibungen mit sich.

verschiedene Trancen der ABX-Indizes

Anleihen, die ja noch immer als sicherer Hafen bezeichnet werden, sind am Freitag kräftig gefallen, Gold und Silber hingegen gestiegen. Der Unterschied zwischen beiden ist einfach: Edelmetalle beinhalten kein Zahlungsversprechen gegenüber Dritten. Deshalb sind Gold und Silber auch Geld.

Und dann noch dies: Der Silberjunge schmunzelt über die Prognosen der Deutschen Bank zum Silberpreis:

„Wenn eine Deutsche Bank gegenwärtig die Kursziele für Silber bei 17,50 US-Dollar für das 4. Quartal, 18,20 für 2009, 16,80 US-Dollar für 2010, 14,60 US-Dollar für 2011, 11,80 US-Dollar für 2012 und 10,90 US-Dollar für 2013 nennt, so können wir nur schmunzeln.“

Wer noch zehn Minuten Zeit hat, sollte sich dieses Video anschauen. Panorama“ (ARD) vom 18.04.2002

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.