Bank müsste man sein…

10. April 2009 | Kategorie: RottMeyer

Da staunt man nicht schlecht, wenn Banken wieder Geld verdienen. Wells Fargo berichtet von einem robusten ersten Quartal und Rekordgewinnen von 3 Mrd. USD. Die Banken melden seit ein paar Wochen, dass das Geschäft wieder brummt. Sogar die Börsenreporter in den USA sind ganz aus dem Häuschen…

Oh ist das nett! Endlich! Die geschundenen Depots der kostolanytreuen Langfristanleger blühen endlich wieder auf. Das ist ein Frühling! Der DAX knackt die Marke von 4500 Punkten. Was will man mehr? Es hätte ja durchaus weniger sein können. Mit ein paar Kniffen aus den guten alten Lehrbüchern dreht sich die Welt auch morgen noch. Wie schön! Wenn es den Banken gutgeht, geht es auch der Wirtschaft gut, sollte man meinen. Naja, nicht heute, aber bestimmt nächste Woche. Und dann kommt der Aufschwung um die Ecke und der Dow steigt in der kommenden Woche auf mindestens 15.000 Punkte. Die kommende Woche wird als Woche der Wahrheit angekündigt. Dann berichten nämlich die US-Banken von ihren Erfolgen. Ich wette, die Kurse werden explodieren. Krise? Welche Krise?

Jetzt, da 5% der Bevölkerung schon mal die Begriffe „Schrottpapiere“, „Toxic Assets“ und „Gilftmüll“ gehört haben und 0,0001 Prozent der Leute das auch verstehen, sollte man sich von diesen hässlichen Begrifflichkeiten jetzt aber schnell wieder trennen. Schließlich gibt es ganz neue Regelwerke in der Erstellung der Bilanzen. Das Programm hat in den USA einen Namen: FASB (Financial Accounting Standards Board.) Wer wirklich wissen will, was sich dahinter verbirgt, der lese das hier nach. Doch seien Sie bitte nicht enttäuscht, wenn Sie es nicht verstehen. Sie wären damit nicht allein. Kurzum: Nicht die Banken trugen Schuld. Es war die Form der Bilanzierung, der die Finanzinstitute so in Bedrängnis gebracht hat. Doch damit ist jetzt Schluss. Yes! We can!

FASB macht aus faulen Kartoffeln leckere Kartoffelpuffer. Man nehme dazu wertfreien Papiere, einen Zauberstab, ein Gesetz und ein staatstragendes Gesicht, und schon klingelt wieder die Kasse. Die Marktpreise der Schrottpapiere spielen keine Rolle mehr, sondern nur noch der Preis, den man dafür gezahlt hat. Oder so ähnlich. Die Hauptsache ist doch, dass die Märkte wieder Vertrauen fassen und steigen. Wundern Sie sich bitte nicht, wenn Sie sich morgen schon wieder reich fühlen. Sie müssen bloß investieren.

Ähhhm…. Da wäre noch ein klitzekleines Problem. Die echte Welt. Was? Die muss man auch noch in den Griff bekommen? Dann überlebt auch der Kapitalismus, oder das, was heute davon noch übrig geblieben ist. Holla! Das hat was! Das mit dem freien Markt hat sowieso gestört. Und wenn morgen die Hypo Real Estate dicke Gewinne einfahren sollte, dann haben wir als Steuerzahler doch alle was davon. Und jetzt feiern Sie Ostern! Sie Miesepeter!

P.S.
Ach, wenn ich eine Bank wäre, würde ich das ganz einfach machen. Ich leihe mir ein paar Billionen zu 0,1% Zinsen bei der FED, kaufe dafür US-Staatspapiere für sagen wir mal freundliche 2,9 Prozent und warte einfach ab. Mein Geschäftsmodell funktioniert ganz ohne diese ganzen Habenichtse.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.