Bank Run – leicht gemacht

11. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Ach, was hört man nicht alles über die Sorgen der Leute mit Geld auf einem Bankkonto. Sollte man es abholen? Oder nicht? Dabei gibt es einen viel einfacheren Weg, sein Geld in Sicherheit zu bekommen – und dabei auch noch der Bank und deren Beratern ein Schnippchen zu schlagen. Was halten Sie hiervon?

Besteht ein einziger Grund, den Worten unserer Würdenträger zu trauen? Ich weiß es nicht, aber der Staus eines Gläubigers bei einer Bank kann unangenehm werden. Nicht hier. Nicht heute. Aber später? Statt stündlich im Vorraum einer Bank die Funktionsfähigkeit der Bankautomaten zu testen, gibt es eine Alternative zu den warmen Worten der Kanzlerin, wenn man Gelder auf irgendwelchen Konten hat und nachts nicht mehr ruhig schlafen kann.

Nach den Ereignissen auf Zypern hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Was konsequent weggelehrt wurde, kommt schlagartig in den Wissensfundus der Leute zurück bzw. sollte es. Jemand, der Geld auf einer Bank liegen hat, ist Gläubiger dieser. Basta! Was für ein Stress! Man leiht der Bank etwas, womit sie die 99fache-Menge an Krediten heraus geben kann. An wen auch immer. Stichwort: Teilreservesystem.


Allein schon aus Gehässigkeit mancher Bank gegenüber, sollte man sein Geld abholen und in einem Schließfach, vielleicht sogar bei ihr deponieren. Zinstechnisch macht das kaum einen Unterschied, aber man würde den Zauber des Geldverleihens damit nicht mehr unterstützen. Ätsch! Nix mehr M1! Pustekuchen!

Doch es gibt einen eleganteren Weg, sein Geld in Sicherheit zu bringen (wenn es diese überhaupt bei Papiergeld gibt) und den Status des Gläubigers zu wechseln – indem man Eigentümer wird. Nicht der Bank! Wo denken Sie hin? Aber wenn irgend ein Institut wackelt, oder die Börse, oder beides, dann ist es heute gar nicht so einfach, an sein Geld zu kommen. Der Automat spuckt nicht alles auf einmal aus und wenn man an seine Euronen heran möchte, muss man diese auch noch im voraus bestellen. Crashs gehen schneller. Was halten Sie von folgender Idee?

Man besorgt sich zum Konto, auf dem die Euronen liegen, ein Depot, und das bei der gleichen Bank. Wenn es Anzeichen von Schwierigkeiten gibt, dann gibt man eine Order auf und tauscht seine Guthaben in etwas, von dem man dann Eigentümer ist und nicht Gläubiger wie bei den Sichteinlagen. Notfalls gibt man online eine Order auf und kauft sich eine Anleihe in fremder Währung: Australien, Kanada, Norwegen, Schweiz, Bundesrepublik. Kippt die Bank, dann ist es egal: Die Anleihen gehören zum persönlichen Eigentum. Sie sind Sondervermögen, auf das keine Bank zugreifen darf, sondern diese nur verwahrt. Im Ernstfall macht das der Insolvenzverwalter. Übertragen kann man sein Depot auch. Oder man kauft schnell ein paar Aktien, muss aber dann die Kursschwankungen aushalten. Aber auch diese Aktien sind Eigentum. In Zertifikate der eigenen Bank würde ich dann nicht wechseln, denn das sind ja nur Inhaberschuldverschreibungen und im Ernstfall Müll.

Man kann natürlich auch das Geld abholen und auf der Beule unterm Kopfkissen friedlich schlafen. Diese Baumwollstreifen sind so lange etwas wert, solange andere glauben, dass sie etwas wert sind. Geldscheine haben keinen Wert, aber immerhin einen Preis. Auf die Wirksamkeit dieses Aberglaubens kann man sich länger verlassen als auf das, was die Würdenträger alles erzählen. Vor allem vor einem Wochenende.

P.S. Kann man das ins Südeuropäische übersetzen?


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19 Kommentare auf "Bank Run – leicht gemacht"

  1. Rahel sagt:

    Sehr geehrter Hr. Meyer, ich lese jetzt schon eine lange Zeit auf Ihrer Seite mit, aber jetzt muß ich mal meinen Senf dazugeben

    Erstmal ein großes Lob für Ihre tägliche Recherche, besonders den “ Humor“ schätze ich sehr. Der Artikel „Vorsicht! Die Goldblase lebt noch“ war kaum treffender zu Formulieren.

    Ich denke, dass ich hier bei Rottmeyer eine mehr oder weniger Altersbedingte Ausmahme bin! Schließlich trennen zwischen uns (nur) 20 Jahre. Habe damals 2006 mich mit den Themen Finanzen auseinandergesetzt, der Neugier wegen. Gerade solche Themen werden in Schulen nur mangelhaft bzw. überhaupt nicht unterrichtet! Über „Neues aus der Anstalt oder Georg Schramm habe ich mich automatisch mit der Politik beschäftigt. Später kam aus Neugier die Chartanalyse hinzu (Technische und Fundamental) Ein Freund erzählte mir von Dirk Müller, er kennt ihn persönlich und war damals auf seiner Hochzeit und ab da nahm bei mir alles seine Lauf. Die Neugier über das Finazsystem war meierseits gigantisch groß. Auch heute nehme ich mir (zum Glück) die Zeit, beschäftige mich täglich mit Themen wie ESM, Target 2, EZB, FED, Derivaten, Edelmetalle und und und!

    Zu Ihrem Video mit Julia Jentsch treffen Sie ab der 5 min. den Nagel auf den Kopf. Das erschreckende ist ja, dass man es anderen erzählen kann, aber die meisten winken ab. Leider!

    Ich denke die nächsten Monate werden „Politisch“, sehr Interessant! Themen wie Au, EU,…. werden mir noch lange Nächte bereiten… aber ich beschäftige mich gerne mit solchen Themen 😉

    MfG

    Rahel

    • Frank Meyer sagt:

      Herzlichen Dank! Klappe aufmachen kann man ja. Ob es jemand hört, ist die andere Sache, denn schon die Psychologen sagen, dass man nur das hört, was man hören möchte wie man auch nur das sieht, was man sehen möchte. Viele Grüße!

  2. zweifel sagt:

    Theoretisch ein guter Plan. Ob es aber wirklich möglich sein wird, im Falle des Falles noch rechtzeitig „umzuschichten“ ? Ist das Konto erstmal eingefroren, kann ich mir auch online keine Aktien mehr kaufen…

    • FDominicus sagt:

      Deswegen schreibe Herr Meyer ja „wenn man etwas hört“. In Zypern haben es offenbar genügend „gehört“ und Ihre Geld weggeschafft. Die Idee ist völlig in Ordnung, es gibt nur ein Problem damit. Man nimmt mit dem Kauf von Anleihen eben auch das Ausfallrisiko in Kauf.

      Ob besser ist das Geld geht auf die eine oder andere Art „verloren“, leuchtet mir so nicht ein.

      Dennoch halte ich die Grundidee für richtig, Sie brauchen etwas was keinen Kredit für die Bank darstellt. Ansonsten bedient sich die EU das völlig „ungeniert“.

      Meiner Meinung nach ist es auch jetzt „sinnvoll“ zu mischen
      – Etwas Bargeld im oder am Haus
      – Einige Edelmetalle im/am Haus
      – Mehrere Bankverbindungen (natürlich auch außerhalb der EU)
      – Anleihen von Firmen
      – Andere Sachgüter

      Manche mögen hier noch Anleihen auch von Staaten sehen, aber das ist absolut nicht meine Wahl. Wir sehen ja wie schnell es geht. Griechenland existiert noch weiter und meine „Forderungen“ sind noch wieviel wert?

      • Frank Meyer sagt:

        Warum nur jeder Anleihen unisono verteufelt.

        • mfabian sagt:

          … weil sie keinen Inflationsschutz bieten.
          Ausser TIPS. Und die sind so sinnvoll wie eine Abtreibungsklinik mit 9 Monaten Wartezeit. 😉

          • FDominicus sagt:

            Über die Antwort von Herrn Meyer bin ich auch etwas gestolpert. Da ich aber Anleihen per se nicht verteufelt habe, gehe ich davon auch das Herr Meyer das ehere rhetorisch gemeint hat. So in der Art: Warum glauben Sie Staaten, daß Sie Ihre Forderungen an Sie auch erfüllen

            Und wie man sehen kann ist Inflation inzwischen nicht unser größtes Problem mehr. Wir sind inzwischen ja nicht mehr über den indirekten Diebstahl durch Inflation heraus und bei der direkten Enteignung gelandet.

            Der Witz ist ja Sichteinlagen wurden geplündert, die sowieso noch Zinsen unterhalb der „tollen Staatsanleihen“ boten…

      • comvid sagt:

        >- Mehrere Bankverbindungen (natürlich auch außerhalb der EU)
        Wie kommt man zu einer Bankverbindungen außerhalb der EU?

        • FDominicus sagt:

          Sehr einfach, fahren Sie in D Richtung Süden oder Südosten ;-). Sind Sie im Urlaub außerhalb der EUR- Zone unterwegs, gehen Sie in eine Bank und eröffnen ein Konto. Natürlich ist das alles mit Aufwand verbunden, aber zumindest erhöhen Sie Ihre Chancen, daß Ihr Eigentum Ihnen auch morgen noch gehört.

    • samy sagt:

      N’abend,

      das Risiko lässt sich minimieren, indem man in akuten Krisenwochen vor den Wochenenden umschichtet. Wenn die Politiker können, wird es an wochenenden bzw. langen Wochenenden knallen, um einen kurzfristigen bank-run zu vermeiden.

      Grüße

  3. gilga sagt:

    Ich finde den Tipp interessant, habe aber gleichzeitig auch ein paar Fragen/Hinweise:
    1) Wichtig ist dabei wohl das es definitiv Anleihen/Aktion sind die man erwirbt und keine Zertifikate etc.; Unsicher bin ich mir aber dabei, ob die verschiedenen Banken/Depots da nicht irgendwo in ihren Bedingungen definieren, dass sie nicht verpflichtet sind diese auch wirklich zu kaufen sondern stattdessen die Kursentwicklung mittels hauseigener Zertifikate (die stattdessen „hinter“ dem Depot des Kunden stehen) nachzubilden. Dann stünde man im Regen… hier kenne ich aber die rechtliche Situation einfach nicht.
    2) Was genau passiert wohl mit Aktien/Anleihen wenn es ein breitangelegtes Bankensterben gibt? So eine Firma die keine/deutlich weniger Kunden hat, da diese kein Geld mehr haben hat ein Problem. Ähnlich sieht es mit Staaten aus deren Bankensystem zusammenbricht. Sprich: z.B. bei Staatsanleihen wird es da m.E. einen massiven Schuldenschnitt oder eine massive Abwertung „über Nacht“ geben. Passiert dies in Deutschland (und bestimmten anderen europ. Staaten) erleben wir das wohl auf globaler Ebene.
    3) Bezeichnest Du, Frank, Anleihen nicht oft genug als die ultimative Blase? Würde diese in einer solchen Situation nicht platzen?
    4) Was genau passiert dann in dieser Situation in Dtl.? Rückkehr zur nationalen Währung inklusive Aufwertung (ob rational oder nicht: wie sehr man an Dtl. „glaubt“ kann man an den Kursen dt. Anleihen ablesen)? Zwangsanleihen auf Immos/Aktienvermögen/…, massive Erhöhung der Abgeltungssteuer, Enteignung ausländischen Fluchtkapitals, … (als Ausgleich für die dann wohl ausfallenden Forderungen) sind diese Dinge dann nicht viel wrsl. (da politisch für die Masse gut kommunizierbar) als der Schnitt von „kleinen“ Vermögen?

    Wie beschrieben, finde ich den Ansatz ganz interessant. Bin mir aber hinsichtlich verschiedener Details unsicher. Neben gewissen rechtlichen Bedenken stellt sich mir die Frage, ob man sich auf diese Art (insb. in Dtl.; wie gesagt nicht meine Meinung aber offensichtlich die der Marktteilnehmer) im Ernstfall wirklich besser stellt.

  4. Bummbumm sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    sicherlich ist die Hürde höher, das Sondervermögen anzugreifen. Trotzdem ist es mit genau derselben Argumentation möglich, wie das Zugreifen auf die Konten, nämlich einer Sondersteuer.

    Abgesehen davon weiss man (selbst) nicht genau, ob die Bank nicht doch auf das Sondervermögen zugreifen darf. Vielleicht hat man der Bank das Recht dazu eigeräumt, ohne es zu wissen. Stichwort: re-hypothecation

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36049/1.html

    #Die US-Kunden von MF Global (darunter viele hochprofessionelle Privatinvestoren und Hedge Fonds) hatten dabei allerdings den Geschäftsbedingungen zugestimmt, die standardmäßig einer Re-hypothecation-Klausel enthalten, wonach MF Global das Recht eingeräumt wurde, alle Sicherheiten, die die Kunden für bestimmte Geschäfte bereitstellen, nach Belieben und ohne die Kunden zu informieren, für eigene Zwecke verwenden zu dürfen.#

    Wer weiss, wie lange dieser Damm noch stabil sein wird, wenn überhaupt.

  5. Jochen sagt:

    Hallo zusammen,

    Vielleicht ein sicherer Hafen:

    Nomura Asian Bonds, die WKN hab ich gerade nicht zur Hand,lässt sich aber leicht ermitteln.

    angelegt wird hier in Malaysia.Singapur und Währungen wie Hongkong Dollar,Yuan etc.

    gute Performance.

  6. gilga sagt:

    Sorry wegen OT aber: Wenn ich mir die Zahlen des letzten Monats (speziell USA; über Europa brauchen wir schon ne Weile nicht mehr zu reden) und die Entwicklungen der Edelmetalle im speziellen und im Rohstoffsektor (Kupfer, Öl usw.) im Allgemeinen seit Jahresbeginn so anschaue und dann DAX und Co sowie die allgemeine Stimmung im Lande damit ins Verhältnis setze… da beschleicht mich ein äußerst ungutes Gefühl in der Magengegend.

    Ich glaube mehr als noch vor einigen Monaten ist mal wieder deutlich erhöhte Wachsamkeit angesagt.

  7. samy sagt:

    … hat jemand Erfahrung damit sein Depot im relativ sicheren „außereuro“ – Ausland anzulegen? Norwegen oder Singapure? Das wäre die allersicherste Lösung.

    Grüße

  8. mfabian sagt:

    Ich weiss nicht, ob ich hier eine Grafik reinstellen kann.

    Wenn nicht, hier der Link:
    http://img156.imageshack.us/img156/9586/snagprogram0119.png

    Diese „Zwiebel“ des Geldsystems halte ich für sehr wichtig:
    Die äussere (schwarze) Schale der Bonds wurde bereits mit den Schuldenschnitten Griechenlands angekratzt.
    Nun, mit dem Raubzug in Zypern auch die hellblaue Schale der Bankkonten.
    Die nächste innere Schale der Banknoten ist noch intakt. „NOCH“!
    Aber wie lange noch?
    Weiter innen kommt Gold.

    Die Lehre aus dem Zyperndebakel lautet im Moment: „Bankkonten sind nicht mehr sicher, Du hättest Dein Geld lieber in bar unter der Matratze gehortet“.

    Aber ist das wirklich die letzte Stufe der Krise? Ist es nicht denkbar, dass auch Bargeld angegriffen wird (an Wert verliert)?
    Wenn man schon sein Bankkonto auflöst, ist es dann nicht ratsam, gleich in Gold statt in Zentralbankgeld zu fliehen, das Papiergeldsystem also gänzlich zu verlassen?

  9. spanien sagt:

    Eigentlich sollte man „Fluchtgeldzinsen“ von den Banken verlangen-Ich meine nur mal so, als neue Geschäftsidee für verarmte flüchtende Bürger!

  10. xprop sagt:

    Zwei Fehler im Text.
    1) <>
    Solange das Finanzamt seine Steuern in Euro erhebt und nur die Zahlung der Steuern in Euro eine entschuldende Wirkung haben, sind Euro genau so viel wert, wie das Finanzamt an Gütern im Ersatz für Euros akzeptiert.
    2) Alle Rechtsinstitute wie bspw. die gesicherte Eigentümerschaft von Anleihen in fremder Währung und dergleichen sind nur dann etwas wert, solange die staatlichen Stellen diese Institutionen durchsetzen. Im Fall, dass Vermögen zur Deckung irgendwelcher Schulden beigebracht werden muss, steht es dem Gesetzgeber frei, entsprechende Eingriffe gesetzlich zu legitimieren und anschließend durchzuführen.

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