Banco Espirito Santo. Heiliger Geist auf der Flucht…

5. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Banco Espirito Santo, kurz BES, ist pleite. Die Abkürzung klingt harmlos wie das Kürzel eines eines  Abfallentsorgungsunternehmen – war aber Portugals größte Bank. Kein Müllunternehmen kann mehr Abfall schlucken als in der BES steckt. Der Heilige Geist ist auf der Flucht…

Wie kann man eigentlich eine Bank „Heilige Geist Bank“ nennen?

Kennen wir das? Wenn man schmutzige Geschäfte als heilig tarnen möchte, ist ein passender Name immer sehr komfortabel. Der Begriff „Gold“ wird auch gern benutzt. Der Name Banco Espirito Santo stammt von einer ehemals sehr reichen, jetzt vielleicht armen Familie ab. Diese konnte sogar 144 Jahre über Wasser gehen, wird gemunkelt, hat Wasser zu Wein gemacht und aus Wein wurde Essig. Jedoch giftiger. Offenbar ist irgendwann der Teufel in die Bank gefahren und hat den einst dort wehenden heiligen Geist vertrieben. Verständlich!  

Zum Glück ist heute für eine Bank ein Scheitern keine Option mehr. Und so begab es sich, dass Experten, Bürokraten und Interventionisten zusammenkamen, um schnell ein paar dumme Nachschuldner zu finden. Pardon! …um eine schnelle Rettung mit EU-Geldern auf den Weg zu bringen. Das alles, bevor die sensiblen Märkte am Montag in Tokio eröffnen. Muss zudem eine Bankenrettung nicht „beantragt“ werden? Die Zeit eilte wieder mal…

Zum Glück fand man sechs von insgesamt 78 Milliarden Euro im Klingelbeutel, die Portugal noch nicht in andere Banken verklappt hatte. Mit 4,9 Milliarden Euro kann man noch Gutes tun bzw. Gutes besser machen. Sicherlich geht ein kleiner Teil davon in eine Werbekampagne zur Bekanntmachung des neuen Namens der Bank… Novo-Bank. Das klingt wie ein Novum, oder nach Novo-Virus. Immerhin bleiben ja noch 1,1 Milliarden Euro übrig. 

Dabei bestand vor wenigen Wochen noch gar kein Grund zur Sorge, Jedes mal wenn das ein Bankchef oder Bürokrat sagt, dann sollte man tunlichst sein Geld in Sicherheit bringen. Hätte man die „vergessenen“ Milliarden auf die 10,5 Millionen Einwohner verteilt, hätte jeder Portugiese immerhin 466 Euro erhalten und sich Europafahnen vor das Fenster gehängt. Banken haben Vorrang. 72 Milliarden hat sich Portugal genommen, welche größtenteils auch an die Banken gingen. 

Vielleicht fällt Ihnen in den letzten Monaten auf, dass ich viele Worte in Anführungszeichen setze, um keine noch derberen Kraftausdrücke zu gebrauchen.

Ist es nicht skurril? Da verlässt Portugal vor zweieinhalb Monaten als strahlender Musterschüler den „Rettungsschirm“.  Die fleißigen Schreiberlinge in den Agenturen bemühen sich unentwegt die Botschaft zu senden, dass für diese Aktion weder der Staat noch die Einlagenbesitzer zur Kasse gebeten werden. Herrlich, diese Kostenlos-Mentalität. 

Da das Geld aus der EU kommt, zahlt Deutschland 27 Prozent. Theoretisch natürlich. Schon die Schlagzeile „Portugal rettet größte Bank“ ist irreführend. Portugal bekommt das Geld aus der EU. Die Kreativabteilung der Nachrichtenagentur schrieb, die Bank würde jetzt von faulen Geschäften „gereinigt“. So nennt man es heute, wenn Giftmüll in eine Bad Bank auslagert wird. Dort schimmelt und stinkt er weiter vor sich hin. Wenn die Kredite dann (völlig überraschend) nicht bedient werden, muss diese dann abschreiben. Und wer zahlt dann? Der Heilige Geist sicherlich nicht… (Seite 2)



 

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4 Kommentare auf "Banco Espirito Santo. Heiliger Geist auf der Flucht…"

  1. lostineu sagt:

    Eigentlich sollte es mit Bankrettungen vorbei sein in Euroland. Und EU-Gelder sollten schon gar keine fließen. Brüssel bricht also die eigenen Regeln. Der Geist, den man bei den Bailouts der Eurokrise rief, ist immer noch aus der Flasche…

  2. Avantgarde sagt:

    Und nur mal so, um nach Deutschland zu blicken – also dem Musterknaben der oekonomischen Stabilität und des Reichtums……..könnte den Heiligen Geist auch nicht retten – jedenfalls nicht ohne weitere staatliche Zuschüsse.

    Kapital zum. 31.12.2013 der Bankensicherungssysteme in D – also das Versprechen von Steinbrück/Merkel, daß der Bund für alles Haften könne….

    Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB)
    989,7 Mio. Euro

    Entschädigungseinrichtung des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands GmbH (EdÖ)
    60,1 Mio. Euro

    Und Nein da ist kein Tippfehler – genau so wurde es Bundesfinanzministerium veröffentllicht.

  3. Skyjumper sagt:

    „Wie kann man eigentlich eine Bank “Heilige Geist Bank” nennen?“

    Also diese Frage ist noch am leichtesten zu beantworten. „José Maria do Espírito Santo Silva“ So der illustre Name des ursprünglichen Gründers dieses Bankhauses.

    Alles andere an diesem Vorgang ist weitaus undurchsichtiger. Das fängt mit der Höhe der Verluste an (3,6 Mrd. €), also einer Summe die weitaus höher ist als die konzerninternen Kreditbeziehungen innerhalb des Espirito Santo Firmenimperiums. Geht weiter mit den beschwichtigenden (um nicht Lügen schreiben zu müssen) Aussagen zur Situation der Bank seitens der portugiesischen ZB und der EZB, und endet dann im Sumpf des „Rettungspaketes“.

    Regen wir uns mal nicht darüber auf, dass das Geld für das Rettungspaket offiziell aus dem Bankenabwicklungsfond kommen soll. Mithin aus dem Vehikel welches zwar juristisch gegründet, aber bisher noch ohne eigene Munition ist. Bisher handelt es sich also sehr wohl um Steuergelder.
    So wie die Vorgehensweise bisher veröffentlicht ist, folgt das Procedere einem bewährten Schema:

    a) Auslagerung der toxischen Aktiva in eine Badbank.
    b) Umbenennung der Restbank mit bereinigter und verkürzter Bilanz in „Novo Banco“

    Schön. Aber warum braucht diese Restbank eine Finanzspitze von 4,4 Mrd. €? Schließlich wurde sie gerade in Schritt a) aller Risiken ledig.

    Spannend auch die Frage welche Folge die angebliche Beteiligung der Bankaktionäre an den Verlusten haben wird. Schließlich ist mit der Crédit Agricole (14,6 %) ein weiteres der aktuell ja vor Kraft strotzenden europäischen Bankhäuser Grossaktionär.

  4. MFK sagt:

    Der Fall BES ist schon höchst erstaunlich und zeigt, dass Länder wie Portugal nicht in die EU gehören. Wie kann eine Bank nur deshalb in Schwierigkeiten geraten, weil ihre Eigentümer in Schwierigkeiten geraten sind? Das kann nur durch Kredite an die Eigentümer verursacht werden. Gibt es in Portugal aufsichtsrechtlich keine Vorgaben, was Klumpenrisiken angeht? Weiterhin höchst erstaunlich der Kauf von CPs der Muttergesellschaft von BES durch Portugal Telekom im Wert von € 900 Mio. (!). Höchst erstaunlich auch die Aussage des portugiesischen Staatspräsidenten vom 22.7. die Bank habe genügend Reserven. Die Zentralbank habe erfolgreich dafür gesorgt, die Bank von den Problemen der Gründerfamilie abzuschirmen. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, sei abschließend auf die „buy“ recommendation von Goldman Sachs zu BES vom Januar 2014 verwiesen. Noch unfassbarer aber, dass das Ganze im MSM als normaler Vorgang berichtet wird. So ist das nunmal bei Banken.

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