Baisse? Und andere unglaubliche Dinge…

2. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Unerhört: An den Börsen fallen plötzlich die Kurse! Dass daraus sehr viel mehr werden könnte, das zeigt ein Blick hinter die Kulissen. Bevor wir zu einem Thema kommen, das einem schier den Atem nimmt, werfen wir einen Blick auf die Börsen…

Nach dieser Woche muss das sein: Rote Vorzeichen wohin man auch sieht. Doch die Daueroptimisten wiegeln bereits ab – alles halb so schlimm, versichern sie, DAX und Dow Jones würden sich in Kürze wieder berappeln.

In Wahrheit gibt es im aktuellen Umfeld nicht den geringsten Grund für frohgemute Prognosen: Abgesehen von den politischen Entwicklungen, auf die wir gleich zu sprechen kommen, hat sich in der vergangenen Woche auch die Charttechnik sehr massiv eingetrübt.

Zunächst ein aufschlussreicher Kursverlauf aus den USA: Dort sind die Hausbauaktien jetzt unter einen sehr wichtigen Aufwärtstrend gerutscht. Die Verluste seit dem Hoch zu Jahresbeginn türmen sich bereits auf stattliche 17 Prozent. Auf dem Point & Figure Chart befindet sich eines der wichtigsten US-Marktsegmente jetzt sehr deutlich im Baisse-Modus.

Bedeutsam ist das deshalb, weil kaum ein anderes Segment so stark vom Vertrauen der Konsumenten getragen wird: Vergeht den US-Bürgern die Lust am Geldausgeben, etwa aus Angst vor Arbeitslosigkeit, wegen der Erwartung steigender Zinsen oder anderen Belastungsfaktoren, dann fällt sehr schnell auch der Immobilienmarkt als eine der wichtigsten US-Konjunkturstützen aus. Dazu folgende Abbildung:

Hausbauer PF

Auch hier zu Lande lohnt sich jetzt der Blick in die zweite Reihe, denn beim DAX ist das nahende Desaster noch nicht in seiner ganzer Klarheit zu erkennen. Beim kleinen Bruder des deutschen Leitindex ist die Lage dafür umso eindeutiger:

Am Donnerstag dieser Woche, dem letzten Handelstag im Juli, hat der MDAX mit 15.790 Punkten sehr deutlich unterhalb seines gleitenden Zwölf-Monats-Durchschnitts geschlossen. 16.126 Punkte war die Bastion, die es zu verteidigen galt. Gut zwei Prozent unterhalb dieser Marke hat das Marktbarometer den Juli 2014 beendet. Na und, könnte man sagen, was hat das schon zu bedeuten und was sind schon zwei Prozent? Nun ja, zwei Prozent an der entscheidenden Stelle können das Fass zum Überlaufen bringen. Dazu die folgende Abbildung.

Wie man gut erkennen kann hat der Index der mittelgroßen deutschen Industrie-Unternehmen in den vergangenen zwölf (!) Jahren nach einem längeren Aufwärtstrend erst zweimal (!) unterhalb seines Zwölf-Monats-Durchschnittskurses geschlossen: Im November 2007 und im August 2011.

In beiden Fällen folgten dem Ausrutscher heftige Kursverluste. Im ersten Fall wurde daraus gar ein historischer Einbruch, der erst im März 2009 bei weniger als 4.119 Punkten endete. 4.119 Punkte? Nein, das kein Schreibfehler. Unglaublich ist diese Zahl nur deshalb, weil die meisten Börsianer unter chronischem Gedächtnisschwund leiden. Es wird höchste Zeit, dass die Börse diesen Kandidaten das Fell wieder einmal gehörig über die Ohren zieht, damit wenigstens zeitweise wieder so etwas wie gesunder Menschenverstand Einzug hält. Bestätigt wird das Baissesignal beim MDAX vom Verlauf des MACD (rote Markierungen).

MDAX Baisse JPG

Am Verstand der Akteure zweifelt auch, wer die politischen Entwicklungen aufmerksam beobachtet. Wer Ohren hat zu hören, dem wird in diesen Tagen auffallen, dass die Kriegstrommeln immer lauter werden. Und das mitten in Europa, wo doch die Brüsseler Technokraten in der Vergangenheit nicht müde wurden, bestens gelaunt zu betonen, wie friedlich wir alle hier zusammenleben. Und nur ein paar Kilometer weiter östlich schlagen sie sich gerade die Köpfe ein. Wer hätte das noch vor ein paar Monaten gedacht?!  (Seite 2)



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