Auszüge eines minimalistischen Lebens

29. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ich möchte Ihnen Neues vom Leben auf der Ranch berichten… Ich verbrachte mal wieder ein Wochenende in unserem „Wochenend-Domizil“. So nenne ich das Haus, das wir auf einem noch entfernteren Bereich der Ranch erbaut haben – zu Pferd etwa noch zwei Stunden weiter talwärts…

Wir haben dieses Haus, errichtet aus Lehmziegeln und Stein, gebaut um alte Bautechniken der Römerzeit auszuprobieren (Gewölbedecken, Bögen und eine Kuppel; Holz wurde nur für den Türsturz verwendet) und um meine Grenzen im minimalistischen Lebensstil auszutesten. Keine Zentralheizung – nur eine Feuerstelle und eine Glasfront zur Sonnenseite hin. Vom Versorgungsnetz abgekoppelt – nur eine einzige 12-Volt Batterie und ein kleines Solarmodul sorgen für Elektrizität. Das Wasser kommt von einem Bach und wird durch die Schwerkraft ins Haus geleitet. Heißes Wasser bekomme ich aus einem schwarz lackierten Metalltank.

Dieses Wochenende schien das Experiment ein Reinfall zu sein. Das Tal war heiß und voll von Fliegen. Ich konnte nicht die Türen schließen und die Klimaanlage einschalten. Wir haben hier nicht mal Fliegengitter. Also kamen die Fliegen leicht herein… und einige von ihnen waren in Beißlaune. Um dem zu entkommen, sattelte ich auf und ritt los, um Feliz und Ilena zu besuchen.

Die beiden sind in ihren 80ern und leben alleine, anderthalb Stunden weit entfernt, im Valley, erreichbar lediglich zu Fuß oder zu Pferd. Sie leben auf einem Plateau, an einem Ort, den man „Corralito“ nennt. Den Ort durchzieht ein Bach, der bei ihnen zu enden scheint. Sie haben dort Gras für Kühe und Pferde. Es gibt einen Garten mit Getreide und Speisekürbissen und ein Obstgarten bietet Birnen, Äpfel und Pfirsiche. Einer ihrer Hunde war in einem Steinpferch angekettet. Er hatte von den Pfirsichen genascht. Feliz und Ilena waren sehr erfreut darüber, mich zu sehen; sie bekommen nicht besonders viel Besuch. Wir saßen auf Bänken in ihrem altertümlichen Lehmhaus. Sie servierten Tee und Käse und wir redeten über die Menschen aus den Bergen. Es war wirklich eine Freude, sie zu sehen. Doch die Fliegenschwärme waren hier noch schlimmer, als bei mir.

Feliz verabschiedete mich mit einem Kuss auf die Wange und bat mich, eine Krankenschwester zu ihnen zu schicken. Er erblindet auf dem einen Auge und sieht auf dem anderen auch nicht mehr recht. „Immerhin geht es uns nicht wie Marta Sandoval.“, sagte er. „Wer ist Marta Sandoval?“ „Du hast sie natürlich nie getroffen. Sie kommt niemals herunter. Sie muss so um die 90 Jahre alt sein und lebt allein.“ „Wo?“

“Am Tacan. “ Oh, Tacan. Jeder hat davon gehört, doch fast keiner ist je hier gewesen oder hat sogar Marta Sandoval getroffen. „Sieht denn keiner je nach ihr?“ frage ich Feliz. „Doch… ein paar Mal im Jahr. Ich glaube, sie hat einen Enkel, der sie alle paar Monate besucht.“

„Wieso besuchen die Menschen sie nicht öfter?“ „Es gibt keine Straße dorthin. Nicht einmal einen richtigen Weg. Es ist sehr beschwerlich. Über drei Stunden ist man unterwegs und das meiste davon muss man zu Fuß bewältigen. Und man muss wissen, wo man hingeht und den Weg kennen. „Oh, ich muss sie auf jeden Fall mal besuchen.“ Aber das ist eine andere Geschichte…

Argentinien: Reise zum Mars

Gualfin („Ende der Welt“), Argentinien. Am vorigen Wochenende habe ich einen Ausflug zum Mars unternommen. Doch bevor ich dazu komme, noch ein Abstecher in die Finanzwelt. Das amerikanische BIP ist im Jahresvergleich im vierten Quartal nur um 2,2% gestiegen. Die Gewinne nach Steuern der Unternehmen fielen um 1,6%. Der Welthandel beruht großteilig auf China, und China verlässt sich großteilig auf amerikanische Einkäufer.

Vielleicht würden sie mehr Geld ausgeben, doch das können sie nicht, wenn sie nicht mehr verdienen. Ohne die Hilfe leichtfertiger amerikanischer Konsumenten, sieht China bald aus etwas abgehärmt aus und findet sich vor ihrer eigenen Krise wieder.

Unterdessen sieht es in den Vereinigten Staaten aus, als würde eine Wiederholung des Dot-Com Crash vor der Tür stehen – dieses Mal jedoch konzentriert auf Biotech-Aktien. Sie stehen jetzt fünfmal höher, als zu ihrem letzten Spitzenstand, kurz vor dem Dot-Com Crash.

Zurück auf der Ranch. Die Ranch ist in zwei Bereiche aufgeteilt:

Der eine liegt in der Provinz Salta und der andere in der Provinz Catamarca. Die Ranch gehört mir nunmehr seit zehn Jahren, doch den Teil in Catamarca habe ich noch nie gesehen. Dorthin ist es ein drei-Tages-Ritt. Und wie mir gesagt wurde, gibt es doch weit und breit rein gar nichts. Vor einigen Jahren zeigte ich meinem Ranch Vorarbeiter einmal ein Foto, das von Mars-Rover aufgenommen wurde.

„Sieht fast so aus, wie unserer Ranch.“, sagte Jorge. „Wie der Bereich in Catamarca. Obwohl, es sieht besser aus, als das Farmland.“ Dieser Teil der Ranch ist eine Hochebene zwischen zwei Bergketten. Es ist dort knochentrocken und die Ebene liegt 3.962m (13.000 ft) über dem Meeresspiegel. Das Gebiet ist bekannt unter dem Namen La Puna. Millionen von Jahren voller Vulkaneruptionen, Winderosion und seismischer Veränderungen haben dem Gebiet eine Optik verpasst, die kaum terrestrisch sein kann. Riesige Berge. Eine ausgedehnte Wüstenlandschaft. Schneebedeckte Bergspitzen umgeben Kiesgruben 30 Meilen weit. Einige Sanddünen so groß, wie ganze Einkaufszentren. Es gibt merkwürdige, von der Natur gestaltete Skulpturen. Flache Seen sind das zu Hause für einige Flamingos.

Am Tag ist es hier heiß, wie die Venus und des Nachts kalt, wie der Neptun. Etwas wie das, habe ich noch nie gesehen. Ich hätte mir nicht einmal vorgestellt, dass so etwas auf der Erde existiert.

Nun, statt eines drei Tage langen Rittes zu Pferd, entschied ich mich dann doch für einen dreitägigen Ausflug in einem Truck mit Allradantrieb. Es dauerte einen Tag, um die Bergkette im Westen herum zu kommen und in dem Tal dort hinter anzukommen. Einen weiteren Tag dauerte es, die Gegend dort zu erkunden, oder zumindest einen winzigen Bereich davon. Am dritten Tag fuhr ich dann wieder zurück.

Ich möchte Ihnen beschreiben, wie es auf meiner Farm in Argentinien aussieht. Es gibt nur eine einzige Straße durch diesen Teil von La Puna. Und auch nur ein Hotel. Das einfache Haus gehört der Regierung und wird von einem Freund von mir betrieben.

Tagsüber gibt es dort weder Elektrizität, noch eine Heizung in den Zimmern. Doch bis heute servieren die Angestellten dort üppige Mahlzeiten (Auswahl gibt es nicht) in geselliger Speisesaalatmosphäre, mit einer Feuerstelle inmitten der Haupthalle. Die meisten der Gäste sind Europäer, doch ich begegnete vor kurzem auch einem Gast aus Washington, D.C.

Die einzige befestigte Straße verläuft vor dem Hotel. Doch der Verkehr dort ist rar, dass man, ohne Angst irgendeiner Störung, mitten auf der Straße ein Nickerchen machen könnte. Nebenan gibt es eine Polizeistation. Morgens um 8 Uhr hisst einer der Polizisten die Nationalflagge vor dem Haus.

Abgesehen davon, sind mir keine weiteren Polizeiaktivitäten aufgefallen. Auf meiner Seite der Straße gab es einige Häuser und Landparzellen, bepflanzt mit Pyramidenpappeln. Die Vielfalt scheint hier, in den Oasen der Wüstenlandschaft, gut zu gedeihen und dient als Feuerholz oder Baumaterial.

Die Quelle des Wassers dort konnte ich nicht ausmachen. Es muss eine Quelle geben, die das Wasser durch viele Kanäle zu all diesen Parzellen bringt und die Pflanzen bewässert. Pferde, Ziegen, Schafe und Esel genossen das grüne Gras. Sie alle waren eingezäunt, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass sie versuchen würden zu fliehen. Egal in welche Richtung sie laufen würden, es gibt dort nichts zu fressen für sie, im Radius von hunderten Kilometern. Das Brachland beginnt auf der anderen Straßenseite – gegenüber von dem Hotel. Dort gab es eine Gegend, tausende Quadratkilometer groß, in der es kaum Leben gibt.

Es ist fast unmöglich, La Puna auf eigene Faust zu erkunden. Man verläuft sich und findet niemals das, wonach man sucht. Also bat ich Luis mir dabei zu helfen, meinen Weg dort zu finden. „Was wir hier haben, ist eine Gegend, die für sehr lange Zeit geologisch sehr aktiv war.“, erklärte mir Luis, als wir Richtung Westen aufbrachen, scheinbar auf dem Weg nach Nirgendwo. „Die Cordillera (dt:„Bergkette“) der Anden liegt direkt vor uns.“

Ich betrachtete die schneebedeckten Bergspitzen in der Ferne. „Viele davon sind Vulkane. Über Millionen von Jahre sind sie immer wieder ausgebrochen. Ihre Asche fiel auf diese Gegend und – wir reden über einen Zeitraum von Millionen von Jahren – haben sich zu dem Bimsstein verdichtet, der nun den Boden bedeckt. Und dort drüben siehst du die Gebilde, die von der Winderosion über die Jahre in die Bimsfelsen geschlagen haben. Sie sehen aus, wie Skulpturen, oder?“

Und das taten sie. Riesenhafte Skulpturen, so groß wie Schlachtschiffe. Der Flugsand hat massive Bögen in diese Skulpturen geschliffen. Es gibt dort auch Berge mit grau-blauen Bimsfelsen, doch diese Skulpturen waren weiß. Ganz in der Nähe gab es gigantische Gebilde, die aussahen wie Zucker, doch es war weißer Bims Sand.

Als wir um einen Berg kamen, um einen näheren Blick auf die Gegend zu werfen, sanken wir plötzlich in weichen Sand ein. Selbst mit einem Vierradantrieb, sah es so aus, als würden wir dort für eine ganze Weile festhängen. „Hier draußen sterben die Menschen“, sagte Luis. Fortsetzung folgt… (Seite 2)



 

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Ein Kommentar auf "Auszüge eines minimalistischen Lebens"

  1. Alfred Werner sagt:

    Vielen Dank für diesen Blick in eine ganz andere Welt.

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