Autos, Dänen und Geschichte

1. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Im Jahr 1992 haben die Dänen in einem Referendum den Vertrag von Maastricht abgelehnt. Während die Nordeuropäer dies vermutlich nicht bereuen und nach vorne schauen bewegt sich die EU im Rückwärtsgang durch die Geschichte. Bei den Autozulassungen sind die Europäer im August wieder bei den Zahlen von 1992 angekommen…

„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht!“ sangen einst die Fehlfarben. Von solchem Vorwärtsdrang ist die europäische Autoindustrie weit entfernt. Die Atempause einiger Unternehmen hält bereits so lange an, dass man versucht ist, den Puls zu fühlen.

Die Zahlen des Branchenverbandes ACEA zeigen eine weitere Eintrübung der Branchenkonjunktur, erneut ist vor allem der heimische Markt mit voller Fahrt auf Tauchstation gegangen. Wenig überraschend ist im rezessiven Umfeld der starke Einschlag bei den kommerziell genutzten Transportern. Im Vergleich zum Juli hat sich in diesem Sektor die Abwärtsbewegung erneut deutlich beschleunigt.

Bei den Personenwagen sieht es ebenfalls schlecht aus. In der Europäischen Union gingen die Neuzulassungen auf Jahressicht um 7,8% zurück. In vielen Ländern sanken die Absätze mit zweistelligen Raten. In Portugal lag die Schrumpfung bei 35%, noch schlimmer war es in Griechenland mit 42%.

Nun mag man äußern, es wird schon nicht so schlimm werden, der Chinese wird das Zeug schon kaufen. Aber so einfach ist die Lage nicht mehr. Zum einen hat „der Chinese“ gerade eigene Sorgen und trotz allem asiatischen Wachstums steht Europa noch immer für ein Fünftel des weltweiten Automarktes.

Die Verlagerung der Beschäftigung im Automobilsektor ist beeindruckend. Die BRIC Staaten haben ihren Anteil seit der Jahrtausendwende mehr als vervierfacht und liegen mit mehr als 36% an der Weltspitze. Der Anteil der Produktion aus Europa ist deutlich geschrumpft, aber mit einem Viertel der Weltproduktion immer noch sehr hoch.

In Europa hängen sehr viele Arbeitsplätze direkt an der Automobilherstellung. Angesichts der Entwicklung der europäischen Autoabsätze und der konkurrenzfähigen Asiaten darf man durchaus von einer großindustriellen Fehlallokation sprechen. Aber das kann nicht überraschen, denn so etwas kommt bei staatlichen Subventionen politischer und monetärer Art immer heraus. Der verzweifelte Versuch, die Kosten dieser Fehlallokation auf alle Steuerzahler zu verteilen, behebt keinen strukturellen Mangel.

Auch die Zentralbankfantasien werden hier wenig ausrichten. Die frohe Hoffnung, die Zinsen müssten nur tief genug sein, dann klappts auch mit dem Absatz, darf man auch im Elfenbeinturm ruhig schon einmal fahren lassen. Wohlstand kann man nicht drucken. Von einem großen Wachstumsimpuls innerhalb der EU sollte man daher nicht ausgehen. Mittlerweile gibt es ohnehin bereits etwa ein Auto auf zwei Einwohner, ein höhere Quote als in den Vereinigten Staaten.

Schenkt man den Publikationen des Branchenverbandes Glauben, so hängen an jedem direkten Job weitere fünf indirekt an der Automobilbranche. Sollte diese Zahl durch lobbyistische Rechenkünste zu hoch gegriffen sein, ändert das nichts an den möglichen massiven Auswirkungen einer ernstzunehmenden Schrumpfung der Branche.

An der weiteren Verlagerung der Arbeitsplätze wird das Gejammer nichts ändern. In härteren Zeiten werden die Konsumenten umso stärker als ohnehin darauf achten, was sie für ihr Geld bekommen. Wo das hinführen kann, konnte man in den vergangenen Dekaden bei Computern beobachten. Aber die EU wird sicher auch vor Einfuhrzöllen für ausländische Produkte nicht zurückschrecken. Natürlich alles im Interesse der Bürger …

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5 Kommentare auf "Autos, Dänen und Geschichte"

  1. DCWorld sagt:

    Guten Morgen,
    das der Chinese die europäischen Autos kaufen wird hört man oft. Nicht ausgesprochen wird, dass der Chinese nur 1$ in der Stunde verdient (oft auch weniger). Wie er dann Autos im Wert von ca. 20.000 – 40.000 Euro (europäisches Preisniveau) kaufen soll, kann nur das Geheimnis derjenigen bleiben, die diese These vetreten.
    Beim letzten Mal war es noch die Abwrackprämie, die einem Abbau der Überkapatzitäten im Weg stand. Mal sehen ob die Regierungen wieder einmal zur Hilfe eilen werden. Ich hoffe nicht.
    Denn am Ende wird der Aufprall nur schmerzhafter, je länger man eine Gesundung dieser Industrie verhindert.
    Viele Grüße

    • Stuelpner sagt:

      „1$ in der Stunde verdient (oft auch weniger).“
      Auch das wird sich ändern, allein schon durch das „Wachstum“

      “ Wie er dann Autos im Wert von ca. 20.000 – 40.000 Euro (europäisches Preisniveau) kaufen soll,“
      Wer sagt das sie das dort kosten, die Preisunterschiede in der EU sind doch schon bei 30-40%.
      Außerdem werden sie dann auch gleich noch dort produziert für ? genau 1$ in der Stunde was sie auch verbilligen dürfte und und …
      Aber den Mitarbeitern der deutschen Autoindustrie dürfte das egal sein, die haben ohnehin nichts davon denen hilft nur BRD + Eu-Binnennachfrage wie die aussieht -> siehe oben, was dabei rauskommen wird -> siehe unten am Artikel

  2. FDominicus sagt:

    „Denn am Ende wird der Aufprall nur schmerzhafter, je länger man eine Gesundung dieser Industrie verhindert.“

    Was den Banken recht ist kann den Autoherstellern ja nur billig sein. Es wird ja schon wieder „gebohrt“, diesmal soll das heil von den Elektroautos kommen, „ökologisch“ korrekt betrieben von Kraftwerken der „erneuerbaren“ Schiene die noch gebaut werden müssen, versorgt über Stromleitungen (die auch noch gebaut werden müssen) bis hin zum Strom aus der Wüste. Wenn Sie da nicht vor Begeisterung in die Hände klatschen….

  3. 4fairconomy sagt:

    Warum das Elektroauto sterben musste…

    der Film: http://www.youtube.com/watch?v=iKauq69nai8

    Vielleicht nicht objektiv, aber sicher sehenswert. Und: wenn die Geschichte so zu Ende ging wie im Film dargestellt, dann war es nicht der Staat, welcher den Markt kaputt gemacht hat (für diejenigen, welche hinter jedem Verbrechen den Staat sehen und die „Ethik“ des Marktes preisen…).

    • Stuelpner sagt:

      @4fairconomy
      Steckt immer noch die „Ethik“ in der Luftröhre. Man muss doch zugeben der Begriff vermittelt was Soziales und Menschenfreundlichkeit, das damit die Ethik der Hexe von Hänsel und Gretel gemeint ist, merkt so schnell keiner.

      Genauso eine Ethik wie diese heuchlerischen Benefizveranstaltungen von irgendwelchen Wohltätern die ähnliches vermitteln sollen.

      Deutschland hat die meisten Obdachlosen in der EU, Kinderarmut steigt, überschüssiges Humankapital wird behandelt wie Verbrecher … aber wir sind ethisch, ganz schön sogar, der Rest sind Einzelfälle, 7Mio. Arbeitslose, alles Einzelfälle wir haben eine ethische soziale menschenfreundliche freie Marktwirtschaft (ich glaub mir wird schlecht)

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