Australisches Feuer

10. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Der Absturz einiger ach so günstiger Aktienmärkte sollte auch der unsäglichen „China-Fantasie“ einen leichten Dämpfer verpasst haben. Die Kursverläufe der Zykliker deuten zumindest auf teilweise wieder eingeschaltete Gehirne hin. Im Windschatten des Wandels des Landes der Mitte von der Gelben Gefahr zum ökonomischen Heilsbringer, dem man jede abstruse Statistik abnimmt, bewegte sich Australien lange Zeit kraftsparend und unbeobachtet im Windschatten der Beobachtung…

Wir berichteten über eine Anhäufung von Hinweisen auf eine Wende in der wirtschaftlichen Entwicklung Australiens. Seither geschah einiges. Die Australische Zentralbank veröffentlichte kürzlich Daten, die nichts anderes zeigten, als das schlechteste Wachstum seit den 90er Jahren. Das „Wachstum“ war eine Schrumpfung des BIP um 1,2%. Schuld an der Misere sei die Flut, ließen viele Repräsentanten verlauten. Der Teppich der politischen Hilflosigkeit breitet sich auch down under nach dem gleichen Muster aus, wie wir es auf der Nordhalbkugel gewohnt sind.

Hat ein Abgeordneter bei der Suche nach den Problemen die Wahl, so landet der „externe Schock“ stets auf Platz eins. Eine Überbewertung der Entwicklung des Minensektors und die alberne Fortschreibung beobachteter Wachstumsraten verführten viele Beobachter zur Annahme, ein dauerhaft fruchtbares Plateau im Schlaraffenland erreicht zu haben.

Diese vermeintliche Ebene neigt sich derzeit kräftig auf die Seite. Mehr und mehr Firmen des Baugewerbes rutschten bereits über die Klippe. Die Probleme bilden ein tragisches Dreieck. Sinkende Nachfrage nach Bauten trifft auf ein steigendes Angebot. Diese schwierige Situation wird durch die schwierige Situation am Finanzierungsmarkt angefeuert. Baudienstleister und Zulieferer gehen Hand in Hand zum Konkursrichter – die Jobs gehen verloren. Allein in den Bundesstaaten New South Wales und Victoria mit ihren Metropolen Sydney und Melbourne meldeten 85 Firmen des Baugewerbe Insolvenz an – in einem Monat. Die kleinen Flammen einzelner Konkurse schließen sich zu einem Flächenbrand zusammen.

Der Chefvolkswirt der Housing Industry Association, Harley Dale, legt leider denselben Mangel an ökonomischer Einsicht an den Tag, wie dies bei Menschen in derartigen Positionen oft der Fall ist. Die Einfallslosigkeit ist grenzenlos und Dale schließt sich der im Trend liegenden Forderung nach öffentlichen an.

Dale says the building industry needs assistance and he wants to see more discussion about the sector at this year’s tax summit.

“It’s a heavily taxed sector compared to the rest of the economy,” he says.

“Some kind of reform is needed and would provide confidence to the sector. It would also increase the prospects of boosting activity again sooner rather than later.”

Diese Leier kennt nicht nur der der Bundesrepublikaner zu genüge. Unternehmenssteuern runter und dann geht es aufwärts. Wen schert schon Angebot und Nachfrage! Wie bei Schiffsbeteiligungen gab es leider auch bei Immobilien eine ausgeprägte Krankheit. Diese Krankheit verführte die Menschen dazu, Angebot und Nachfrage zu ignorieren. Dinge wurden nicht gebaut, weil sie benötigt wurden, sie wurden gebaut, weil Geld für den Bau vorhanden war. (Seite 2)

 

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6 Kommentare auf "Australisches Feuer"

  1. samy sagt:

    „Bisher haben wir noch nie gehört, dass es gut sei, wenn die Preise für Büchsengulasch oder Ravioli immer steigen würden. Dabei gibt es viele Menschen, die Konserven im Keller haben.“
    Himmel, was für eine Idee, so weit darf es nicht kommen. Eine Blase im Ravioliindex ist der(!) Frühindikator für den Crash. Huch, mein Herz, ganz ruhig!

    Spaß beiseite. Ich kenne Zahlen, die darauf hinweisen, dass weniger Dynamik im australischen Minensektor, also Rohstoffhandel im weitesten Sinne, herrscht. Deutet das auf ein Abkühlen der chinesischen Konjunktur hin, also dem Abnehmer solcher Rohstoffe. Sind Zahlen aus anderen Rohstoffe liefernden Ländern bekannt?

    VG

  2. gilga sagt:

    Und da sind sie wieder, die Ravioli… 😉

    Tja, was wäre das für eine Ökonomie, die sich auf die Dinge konzentriert, die die Menschen wirklich brauchen, statt zu versuchen ihnen Dinge zu überhöhten Preisen auf Grundlage asymetrischer Informationsverteilung anzudrehen.

    Vielleicht arbeiten die Italiener ja schon an der Hinterlegung einer neuen Lira durch Ravioli?! Das wäre eventuell sogar in der Konsequenz ehrlicher als Gold/Silber. 😉

    Bei allem Spass… man fragt sich schon wo wir beispielsweise in Dtl. mit den vielen Neubauten und der überalternden und danach konsequenterweise immer weiter schrumpfenden Bevölkerung mal landen werden….

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo zusammen!

      @gilga
      Ja, das mit den Bauten in Deutschland ist eine berechtigte Frage. Immerhin haben sich die Preise in vielen Gegenden im Zaum gehalten oder sind gefallen.

      Zu den Ravioli. Es stellt sich dem PastAnalysten natürlich die Frage, was passieren würde, wenn man bei Ravioli drei Nullen streichen würde 🙂

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Oddo Wolf sagt:

        -Ein RAVIOL – Vakuumverpackt in der Geldbörse als Snack für zwischendurch.

        @Bankhaus Rott: …Wir fragen uns seit Jahren, warum es generell gut sein soll, wenn Häuserpreise steigen.

        Einer der größten Kritiker des Zinseszinssystems ist wohl Bernd Senf: „Nur etwa 50 Jahre dauert es, bis die wachsende Verschuldung des Staates, der privaten Unternehmen und der privaten Haushalte den Organismus einer Gesellschaft so stark mit Zinszahlungen belasten, dass ein Zusammenbruch unumgänglich ist.“

        50 Jahre waren um, da hat Alan Greenspan (früher Chef der FED, heute Beratervertrag mit der Deutschen Bank) das „Ninja“-Kredit-Programm erfunden:“no income“, „no Job“, „no assets“. Jedem sein Häuschen.

        Wurde hier ganz gezielt eine Immobilienblase erschaffen? Bei jedem Platzen einer Blase wird das Volk enteignet. Immobilienblase, Aktienblase oder Goldblase. Das ist gewollt und systemimmanent. Wenn private Haushalte und Unternehmen am Schuldenlimit angelangt sind, verlangt das hungrige Zinsmonster gnadenlos nach mehr: Verschuldung der Staatshaushalte ins unermessliche.

        Dann kommen die Ratingagenturen (mal nachschauen wem die gehören), zwingen und demütigen Nationen sich in Hunger und Armut hinein zu sparen. Bürgerunruhen, Aufstände, Revolutionen und Schuldzuweisungen. Die mit den gelben oder violetten Kappen? Wer sind die Übeltäter? Es riecht nach verbrannter Erde. Das Schuldgeldmonster holt zum finalen Schlag aus: Krieg, das kostet richtig viel Geld. Am besten weltweit.

        Angst Hunger und Armut, doch dann, der Heilsbringer am Horizont. Bemerken wir, daß uns just aus jener Richtung, wo all unsere Sachwerte und Ressourcen verschwunden sind nun der Weltfrieden angeboten wird? Eine Welt, eine Währung, nie wieder Krieg. Jubel und Freude überall. Ein Neuanfang, ein Wiederaufbau aus dem Nichts.
        Zu günstigen Zinsen natürlich.

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