Australien – Die Uhr tickt

24. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

vom Bankhaus Rott

Es ist schon erstaunlich, wie lange es oft dauert, bis ein Richtungswechsel der wirtschaftlichen Entwicklung sich in der allgemeinen Wahrnehmung wiederfindet. Ein gutes Beispiel für eine generell sehr wohlwollende Darstellung der Situation findet sich in Australien. Neben den im Verhältnis zu den Einkommen arg hoch angesetzten Preisen der Wohnimmobilien, die langsam aber sicher anfangen zu sinken, zeigen auch die Unternehmen down under klare Ermüdungserscheinungen.

Die Katastrophe in Japan wird neben allem anderen Elend auch deutliche Auswirkungen auf die australische Wirtschaft haben. Gut ein Fünftel der australischen Exporte gehen in den asiatischen Inselstaat. Hier ist mit Verwerfungen zu rechnen, wenn auch das endgültige Ausmaß noch in den Sternen stehen. Bei allen Wiederaufbaufantasien, die bereits jetzt hoffnungsfroh durch die Presse geistern, bleibt festzuhalten, dass das japanische Schatzamt schon seit Jahren nicht auf Rosen gebettet ist. Dabei wäre allein mit einer Stabilisierung der Ökonomie schon viel erreicht, wenn auch den Menschen vor Ort natürlich noch viel mehr zu wünschen ist.

So bitter das sein mag, gerne werden externe Schocks seitens der Politik als alleinige Ursache auftauchender wirtschaftlicher Probleme dargestellt. Wenn auch derartigen Ereignissen eine Auslöserfunktion nicht abzusprechen ist, so darf die Situation vor diesen Geschehnissen nicht bedenkenlos rosarot gezeichnet werden. Ein möglicher Verlust bei europäischen Staatsanleihen wäre nicht die Ursache einer auffrischenden Bankenkrise – er würde sich nur deutlich bemerkbar machen, weil neue Verluste auf ein nach wie vor technisch insolventes Bankensystem träfen.

Im Falle Australiens kann sicher nicht die Rede von Insolvenz sein, dazu ist vor allem der Staat zu komfortabel aufgestellt. Dennoch ist auch ein solches Land nicht vor einem Abschwung gefeit. Die aktuellen Daten der australischen Zentralbank (Reserve Bank of Australia – RBA) deuten auf den Beginn einer Schwächephase ebenso hin wie die Erhebungen des NAB Business Survey.

Wie es oft der Fall ist, haben die Jubelarien bereits neue Hochpunkte markiert, die dann leider in der Realität ausblieben. Derzeit fristen sowohl die Erwartungen an die künftige Entwicklung wie auch die Beurteilung der aktuellen Situation ein trauriges Dasein unter der Nulllinie. Der erstaunlich steile Verlauf der Erholung – sicher zum Teil auch der extrem pessimistischen Beurteilung der Lage in 2008 geschuldet – wird nun von einem wieder beschleunigenden Abwärtstrend abgelöst. Die Kapazitätsauslastung und allgemeinen Wirtschaftsbedingungen haben den Daten zu Folge das Hoch aus dem Vorkrisenjahr nicht mehr erreicht. Soviel zu den ebenso lachhaften wie vielbeschworenen XL-Phantasien so mancher Parlamentarier, deren Namen man sich mangels Bedeutung einfach nicht merken kann. —–>


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Ein Kommentar auf "Australien – Die Uhr tickt"

  1. News zu Australien am 28.03.11 sagt:

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