Ausstieg XL

27. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Die Schlagzeilen rasen über die Ticker wie wilde Amseln durch Vorgärten. Das menschliche Hirn ist überfordert. Japan, Libyen, Nah-Ost… Knut ist tot wie die Expansionspläne der Telekom in den USA. Liz Taylor ist auch von uns gegangen. Es wird gerade viel gestorben auf der Welt…

Verdächtig ruhig verhalten sich die Börsen angesichts der vielen Nachrichten. Ist es ein Abwarten? Und wenn ja, worauf? Öl ist in dieser Woche teurer geworden wie mancher guter Rat für Leute mit Anlagenotstand. Gold erreichte ein neues Hoch und Silber sprang eine Etage höher. Die Finanzmärkte sind unberechenbar und halten sich nicht mehr an Lehrbücher.

Mir scheint es klug zu sein, die Renditejagd zu unterbrechen und an der Seitenlinie zuzuschauen. Man gewinnt nichts. Man verliert aber auch wenig. Ein Börsianer fragte, was ich vom „Ausstieg“ halte? Ja, sagte ich, den DAX mal DAX sein lassen, seine Gelder in Sicherheit bringen und sich den wichtigen Dingen im Leben zuwenden… Gute Idee! Man kann besser schlafen, gewinnt Zeit zum Nachdenken und damit einen besseren Überblick. Zudem sind warme Hände von Freunden wohltuender als das kalte Hin und Her an der Börse.

Ausstieg bedeutet, sich von einigem Altgewohnten zu trennen und das Leben zu entschleunigen. Was ist daran falsch? Nichts. Oft hört man, Finanzmärkte und deren ach so tolle Produkte gehören zum Zeitgeist wie Internet, Computer und kreditfinanzierter Konsum. Wirklich? Angst vor Verzicht trübt den Blick aufs Wesentliche. Und es wäre ja auch mit Mühe verbunden, wenn man wirklich Wichtiges wieder lernen muss. Doch wer will und kann das schon?

©Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten vom 27.3.2011

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2 Kommentare auf "Ausstieg XL"

  1. wolfswurt sagt:

    Ein Austieg scheint auch mir dringend erforderlich.
    Nur Austieg von Wem oder Was ist die Frage.
    Der Austieg aus Finanzanlagen oder aus der Finanzwelt allgemein ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit für den Sehenden und Denkenden wird doch von jenen Akteuren z.B. durch die Zeitumstellung eine Zunahme des Konsums erhofft.
    Menschen, deren Geist von der Vorstellung beseelt ist, durch drehen an der Uhr eine Stunde Helligkeit zu gewinnen, ihnen dann in Finanzanlagen zu vertrauen kann sich nur auf dem Fundament der Dummheit gründen.

    Kam doch von einem Befürworter der Zeitumstellung das Argument: „…dann habe ich es nach Feierabend eine Stunde länger hell…“

    Morgens die Stunde länger dunkel wird ignoriert wie der Schuldenberg…

    Eulenspiegel hätte seine wahre Freude!

  2. rolandus sagt:

    ein oder zwei Stunden am Tag sich um sein Geld zu kümmern ist sicher nicht überspannt und gekauft wird doch eh nur bei Tiefs und verkauft bei Hochs. Wichtig ist doch nur das ein oder zwei Stuunden Philosophie nicht fehlen, aber die kann man sich ja auch nur leisten, wenn man das zuvorgenannte befolgte …welch ein Teufelskreis 😉

    Schön Gruß ins Ried
    rolandus

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