Ausschau halten nach Schwierigkeiten

26. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

Ach, was haben wir diese Woche nicht alles gelernt. Aktien sind Inflationsschutz, erzählten uns Experten. Ha ha ha! Demnach erleben wir heute am Freitag eine wahre Deflation. Die ganze Woche über ging es bergab, obwohl die Gurus doch so guter Dinge waren. Doch die Charts sehen nicht gut aus. Um etwas optimistischer ins Wochenende zu gehen, sollte man die Charts einfach auf den Kopf stellen, das macht was her, und auch das Tanken macht so wieder Spaß.

Gelesen habe ich heute, dass für manche in den USA die Zeit der Abrechnung gekommen ist. Die US-Behörden waren unterwegs und haben im Zusammenhang mit der Hypothekenkrise bei 60 Leuten die Handschellen klicken lassen. Bisher wurden 406 Verdächtige angeklagt. „Hypotheken-Betrug ist eine ernsthafte Bedrohung unserer Wirtschaft, unseres Immobilienmarktes und für den Seelenfrieden von Millionen von amerikanischen Hausbesitzern“, teilte der stellvertretende US-Justizminister Mark Filip mit. Ach was? Wer hat die bösen Jungs denn so lange schalten und walten lassen, und was haben die guten Jungs bislang so lange gemacht, um erst heute mit den Handschellen anzurücken? Zumindest die Richterjobs sicher.

170 Hedgefonds sind im ersten Quartal eingestampft worden. Man sollte sich vielleicht gar nicht so darum sorgen, denn 247 neue solcher Vehikel wurden neu eröffnet, genügend Platz, die Reste seines ehemaligen Vermögens dort anzulegen. Gehebelt ins Verderben zu rennen hat doch was. Das ist wenigstens nicht so langweilig wie fünf Prozent Wochenverlust beim DAX. Doch scheint alles weiterhin recht heiter zu sein. Jedenfalls höre ich das so oft, bis ich es auch glaube. Glaube ist etwas Schönes, es sei denn, man beginnt zu hinterfragen. Das Wirtschaftswachstum geht immer weiter, der Aufschwung schwingt sich ohne Verbraucher weiter auf und die Finanzkrise liegt ja längst hinter uns. Das sagen immer mal wieder die Experten und sehen dabei Licht am Ende des Tunnels, kurz bevor die Lichter des ICE näher kamen.

Heute gibt es schon wieder so hässliche Gerüchte um Merrill Lynch und die Lehman – Brüder. Jemanden vergessen? Ach ja, Sumitomo soll jetzt Barclays stützen, und überhaupt stützt jeder jeden. Man könnte meinen, eine ganze Armee aus Banken, gestützt durch Krücken und Rollatoren ruft gerade den Notarzt. China hebt die Benzinpreise um 18 Prozent an, die deutschen Erzeugerpreise steigen im Mai binnen vier Wochen um ein ganzes Prozent. Leider haben Erzeugerpreise die Eigenschaft, sich später auf die Verbraucher zu stürzen.

Und auch das Bundeswirtschaftsministerium hat noch einmal gerechnet. Im zweiten Quartal erwartet es quasi als Gegenreaktion zum ersten Quartal einen deutlichen Konjunkturdämpfer. Ein weiterer Grund ist das milde Wetter im 1. Quartal. Da wurden viele Bauprojekte vorzeitig fertiggestellt. Wo sind die Nachfolgeaufträge? Aber jetzt kommt es: „Ein weiteres Anziehen der Verbraucherpreise für Energie- und Nahrungsmittel würde aber die Kaufkraft der Verbraucher belasten“, schrieb das Ministerium. Das ist so, als ob steigende Sonneneinstrahlung die Temperatur ansteigen lässt und zuviel Schokolade den Blutzuckerspiegel.

Die aufgelisteten Nachrichten gab es binnen 24 Stunden. Mir reicht es. Es gibt ja schließlich noch die EM. Ich verabschiede mich ins Wochenende. Bei diesen Nachrichten könnte man meinen, das Ausschauhalten nach Schwierigkeiten geht pünktlich zum Montag wieder los.

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